Seit einigen Tagen herrschen endlich einmal richtig sommerliche Temperaturen. Auch heute ist seit dem Morgen strahlend blauer Himmel und kein Wölkchen ist zu sehen. Die Luft ist nicht nur warm, sondern so heiß, wie schon lange nicht mehr. Genau betrachtet ist es nun schon wieder fast zu heiß. – Ja, sogar so heiß, dass sich alle großen Leute, alle Kinder und alle Tiere direkt nach einer Abkühlung sehnen. Aber etwas Regen oder vielleicht sogar ein kurzes Gewitter sind nicht zu erwarten. Das zumindest hat heute der Wetterfrosch Fridolin dem Bamberger Kasperl vorausgesagt. Also musste sich Kasperl selbst etwas zur Abkühlung einfallen lassen. Deshalb ist er mit der Gretel und seinem Freund Seppl zu einem Ort aufgebrochen, an dem sich alle Drei erfrischen können. Kasperl trällert dabei ein Liedchen. Die Melodie kennt Ihr alle. Es ist die von „Alle meine Entchen“, zu der sich Kasperl einen eigenen Text ausgedacht hat. Wenn Ihr genau aufpasst, dann wisst Ihr sicher gleich, wohin Kasperl, Gretel und Seppl gerade gehen!
„Wir gehen heut zum Schwimmen,
oh, wie ist das fein,
oh, wie ist das fein.
Vom Turm wird ich auch springen
Ins kühle Wasser rein!“
Na, habt Ihr es erraten, wohin die drei Kinder unterwegs sind? – Na klar, gell? – Sie gehen ins Schwimmbad und Kasperl freut sich so richtig darauf, denn bisher war ja heuer noch wenig Gelegenheit dazu. Seppl denkt da allerdings ganz anders darüber. – Er findet man braucht doch nicht extra auf einen heißen Sonnentag warten, um Baden zu gehen. Seiner Meinung nach kann man auch bei Regen ins Schwimmbad, denn nass wird man doch sowieso! – Naja, typisch Seppl! –
Im Schwimmbad angekommen, breitet Gretel erst einmal die große, bunte Badedecke auf der Wiese aus. Sie hat aber nicht nur die große Decke dabei, sondern auch eine ganze Kühltasche voll Proviant. Die interessiert Seppl natürlich am meisten. Gleich muss er nachsehen, was die Gretel für feine Sachen mitgenommen hat: Fleischpflanzerl, hartgekochte Eier, Gurken, Tomaten, Semmeln, Apfelsaftschorle und Mineralwasser. Seppl läuft schon das Wasser im Mund zusammen und am liebsten würde er sich sofort über die Kühltasche hermachen. Doch Gretel hält ihn erst einmal zurück und macht die Tasche wieder zu, sonst würde ja auch alles gleich warm werden. „Gegessen wird erst nach dem Schwimmen!“, ermahnt sie den immer hungrigen Seppl. Kasperl gibt ihr Recht, denn mit vollem Bauch springt man nicht ins Wasser. Gretel hat ihren Badeanzug schon unter dem Flanellkleidchen, welches sie ablegt. Kasperl und Seppl sind auch gut vorbereitet. Damit sie möglichst schnell ins kühle Nass hüpfen können, haben sie natürlich ihre Badehose auch bereits daheim angezogen. Als sie alle Drei soweit sind, empfiehlt die Gretel richtigerweise, dass sie nun alle erst einmal unter die kalte Dusche müssten und dann ein paar Runden schwimmen sollten, bevor sie vom Turm springen. Kasperl rennt sofort Richtung Dusche los. Doch dann wird er von der Gretel noch einmal zurück gerufen: „Halt, Kasperl, du hast doch Deine Zipfelmütze noch auf!“ – Na, das wäre natürlich schlecht, findet Kasperl, wenn er mit seiner schönen Zipfelmütze unter die Dusch ginge. Die darf doch nicht nass werden. Schnell tauscht er seine Kasperlmütze mit der Badekappe aus und dann geht’s los! – Nur Seppl bleibt noch an ihrem Liegeplatz. Er hat erst einmal Hunger und muss unbedingt etwas essen. – Da nützt alles Reden von der Gretel nichts. Seppl ist einfach unverbesserlich. Also, gibt Gretel nach, bevor er auf halber Strecke im großen Schwimmbecken schlapp macht. Sie bittet ihn aber, vernünftig zu sein und nach dem Essen erst mindestens eine halbe Stunde zu warten, bevor er ins Wasser geht. „Jaja!“, ruft ihr der Seppl nach. Dann folgt die Gretel dem Kasperl, der sich schon kalt abbraust. –
Als sie außer Sichtweite sind, macht sich Seppl gierig über die leckeren Sachen in der Kühltasche her. Er will sich jetzt erst einmal richtig stärken, dann kann er bestimmt viel schneller und länger schwimmen, denkt er sich. Er betrachtet Gretels übertriebene Vorsicht als totalen Quatsch. – Warum soll er denn nicht frisch gestärkt gleich ins Wasser können? – Die Fische fressen schließlich auch alle während sie durchs Wasser schwimmen und saufen auch nicht ab! – Seppl hat natürlich in erster Linie große Bedenken, dass später für ihn nicht genug übrig bleibt, wenn die anderen Beiden auch mit essen. Also macht er sich über die Kühltasche her und futtert sich erst einmal richtig satt – bis ihm fast der Bauch platzt! – Dann spült er alles noch mit einer ganzen Flasche Apfelsaftschorle hinunter. – Nun fühlt er sich so richtig topfit und sieht gar nicht ein, erst noch auf der Decke zu warten, um zu verdauen. Nachdem er schon von innen durch die Apfelsaftschorle nass geworden ist, wird es auch Zeit, dass er von außen nass wird. – Gerade ist er unterwegs zum Schwimmbecken, da begegnen ihm Kasperl und Gretel. Die Beiden haben sich schon ausgiebig erfrischt und erzählen Seppl, wie herrlich das war. Sie haben dabei sogar noch mehr Appetit bekommen und finden, Seppl hätte es genauso machen sollen. Doch Seppl ist der Meinung, vorher Essen ist besser, so kann ihm wenigsten niemand seinen Anteil wegfuttern. Und dann rennt er weiter. Gretel ruft ihm nochmals nach, er soll noch warten und nicht mit vollem Bauch ins Wasser gehen. Außerdem ist er doch total aufgeheizt weil er die ganze Zeit in der prallen Sonne gesessen war. Kasperl ruft ihm auch noch nach: „Vergiss nicht, Dich erst kalt abzuduschen, geh langsam ins Wasser und spring nicht gleich vom Turm!“ Doch Seppl hört nicht auf Gretel und Kasperl und meint sie sollen sich nicht so anstellen, er ist schließlich ein „Naturbursche“! – Er benimmt sich höchst unvernünftig und steigt doch tatsächlich – entgegen aller Warnungen – direkt auf den Sprungturm. „Hallo, Kasperl und Gretel!“, ruft er von der obersten Plattform, „Achtung, jetzt kommt ein dreifacher Salto mit doppeltem Flig-Flag!“ Und schon springt er in die Tiefe. – „Auweia“, bemerkt Kasperl, „das wird höchstens ein einfacher Salto!“ Nach nur einer halben Umdrehung liegt Seppl fast waagerecht in der Luft und „Platsch!“, das Wasser spritzt in alle Richtungen und Seppl ist bäuchlings voll auf die Wasseroberfläche geklatscht. Als sich die Wellen wieder beruhigt haben, sind vom Seppl nur noch der Kopf und die hoch gestreckten Arme zu sehen, mit denen er wie wild herum fuchtelt. Gretel schreit auf: „Kasperl! Kasperl! Sieh hin! Seppl ringt nach Luft! – Er geht unter! – Schnell, hol den Bademeister!“ Kasperl erkennt auch sofort, dass Seppl sich alleine nicht mehr helfen kann und rennt sofort zum Bademeister. Er bittet ihn, seinem Freund Seppl zu helfen, von dem schon nichts mehr zu sehen ist. Er ist schon untergegangen! – Auweia! – Von ihm ist nichts mehr zu sehen! – Da muss der Rettungsring her, den Kasperl sofort holt und ihn bis in die Mitte des Schwimmbeckens wirft. – Doch, Seppl kann scheinbar nicht mehr danach greifen! – Wo ist er? – Er taucht überhaupt nicht mehr auf! – Er muss schon auf den Grund des Schwimmbeckens gesunken sein! – Der Bademeister reagiert sofort, springt beherzt ins Wasser und taucht hinab. – Und nun? – Es tut sich gar nichts! – Gretel hat Angst, dass Seppl schon ertrunken ist. – Doch Kasperl beruhigt sie: „Keine Sorge, Gretel, so schnell kann man nicht ertrinken!“ – Kaum hat er das gesagt, taucht der Bademeister mit dem Seppl auf. Er schleppt ihn zum Beckenrand und bittet Kasperl, seinen Freund hinaus zu ziehen. Kasperl greift unter Seppls Arme und zieht ihn ans Land. Auch der Bademeister stemmt sich rasch aus dem Wasser und drückt ihm auf den Magen. Das Wasser, das Seppl geschluckt hat, sprudelt nur so aus seinem Mund. – Na, endlich! – Seppl kommt wieder zu sich, erst hustet er noch heftig das letzte Wasser aus dem Rachen, dann fragt er noch ganz verwirrt: „Pff, pff, wo bin ich? – Was ist geschehen?“ – Kasperl und Gretel erklären ihm, dass er zuviel Wasser geschluckt hat, weil er nicht auf sie gehört und mit vollem Bauch vom Turm ins Wasser gesprungen ist.
Ja, jetzt erinnert sich Seppl an seinen großen Fehler, der sehr lebensgefährlich war. So schlecht es ihm auch gerade ist, verspricht er Kasperl und Gretel, dass er das bestimmt nie – nie mehr machen wird.
Der Ausflug ins Freibad ist für die Drei nach diesem aufregenden Zwischenfall nun schnell zu Ende gegangen. Sie trocknen sich schnell ab und gehen schnell wieder nach Hause, um Seppl ins Bett zu bringen. Ohne Widerrede lässt er alles über sich ergehen und schläft schnell und völlig erschöpft ein.
Ihr, liebe Kinder, seid hoffentlich nie so unvernünftig wie der Seppl und denkt lieber beim Einschlafen an einen schönen Tag im Freibad. Ihr wisst ja sicher auch, dass es extra Baderegeln gibt, die man einhalten muss. Und die erste davon ist, —— dass man ausgeschlafen haben muss. – Also, wenn morgen die Sonne lacht und Ihr Baden gehen wollt, dann husch-husch ins Bett! Da drin könnt Ihr auf alle Fälle nicht unter gehen! -
Euer Bamberger Kasperl und die Puppenbühne Herrnleben wünschen Euch eine gute Nacht!
Wolfgang Herrnleben (GAP, 2009)






