Die letzten Tage war es nachts immer frostig kalt, aber tagsüber fiel immer wieder tüchtig Schnee, so dass eine herrliche Schicht aus frischem Pulverschnee auf den Hügeln liegt. Seppl, Gretel und das Bamberger Kasperle wollen deshalb morgen schon früh bald zum Skifahren los. Deshalb drängt die Großmutter schon seit dem Abendessen, dass sie auch rechtzeitig ins Bett gehen, damit sie morgen auch wirklich bald aufbrechen können. „Los, ihr Drei, es wird höchste Zeit ins Bett zu gehen, sonst kommt ihr morgen Früh wieder nicht aus den Federn!“, ermahnt sie Großmutter noch einmal. Doch Seppl würde am liebsten die ganze Nacht aufbleiben. Missmutig geht er in sein Zimmer und motzt: „Oooh, wie wär ich froh, wenn ich erst gar nicht in die Feder müsste!“ Kasperl, der ihm gefolgt ist, meint lachend, er könne ja auch auf dem Fußboden schlafen, wenn es bequemer für ihn ist. Seppl fände das fast angenehmer, denn sein Bett fühlt sich so kalt an. Es kommt ihm vor, als hätte die Großmutter das Kopfkissen und die Bettdecke mit Federn von eingefrorenen Hühnern gefüllt. „Sei doch nicht so zimperlich, Seppl!“, sagt die Gretel, die den Beiden zugehört hat, „Ich habe dein Zimmer doch nur etwas gelüftet, damit du nicht in deinem Mief schlafen musst!“ Seppl findet, dass dies doch gar nicht nötig gewesen wäre. Immer noch besser etwas schlechte Luft im Zimmer, als so eine eisige Kälte wie im Kühlschrank. Als Großmutter merkt, dass bei den drei Kindern immer noch keine Ruhe ist, mischt sie sich ein und schlägt Seppl vor, seinen warmen Schlafanzug anzuziehen und mit dem Gejammer aufzuhören. Er ist ja noch schlimmer als eine alte Frau. Kasperl empfiehlt ihm, sich einfach fest unter die Decke zu kuscheln, dann wird es ihm bestimmt ganz schnell warm darunter. Er macht das auch immer so. Seppl aber steht zitternd in seinem Zimmer und befürchtet, dass er bis morgen Früh bestimmt erfroren ist. Großmutter weiß genau, dass es nur eine Ausrede ist, weil er noch nicht ins Bett will: „Stell dich nicht so an, Seppl! Du bist doch ein junger Bursch und hast noch genug Hitze!“ Kasperl wundert sich auch über seinen Freund, denn er geht lieber in ein kaltes Bett. Es wirkt auf ihn immer sehr erfrischend und deshalb ist er am nächsten Morgen auch immer so fit! – Großmutter beendet die Diskussion und sie wünschen sich alle eine Gute Nacht. Dann verlassen sie Seppls Zimmer. Gretel und Kasperl gehen schließlich auch in ihre Zimmer und Großmutter begibt sich in ihren gemütlichen Sessel im Wohnzimmer, um an ihren Socken weiter zu stricken. Seppl knallt wütend die Tür von innen zu und schimpft weiter vor sich hin: „Brrr, in das kalte Bett kann ich nur mit Hose, Mantel, Stiefel, Schal, Handschuhe und Pudelmütze, sonst wach ich am Ende als Eiszapfen wieder auf!“ –
Plötzlich ist sein Zimmer in ein gespenstisches, rotes Licht getaucht und mit einer geheimnisvollen Melodie erscheint ein kleines, rotes Männchen. „Huch, was bist denn du für ein komisches rotes Männchen?“, stottert der Seppl ganz erschrocken. „Ich bin das Heizmännchen, hehehe!“, antwortet das sonderbare Wesen hämisch lachend. Seppl findet, es kommt wie gerufen und fragt es, ob es sein Bett nicht schön anwärmen kann. Das kleine Männchen muss ihn leider enttäuschen, denn das kann es leider nicht, aber es gibt ihm einen Tipp, wie er sein Bett selbst wieder anwärmen kann. Neugierig will Seppl wissen, was er tun muss. Das Männchen erinnert ihn daran, dass die Großmutter in ihrem Nachtkästchen doch ein Heizkissen hat, mit dem sie ihr Bett doch auch manchmal anwärmt. Da Großmutter im Wohnzimmer sitzt, schleicht sich Seppl schnurstracks in ihr Zimmer und holt sich das Heizkissen. „Hehehehehe!“, lacht das kleine Männchen siegesbewusst, weil der Seppl so dumm ist und sich tatsächlich das elektrische Heizkissen besorgt. Als Seppl mit dem Heizkissen zurückkommt, sagt das Männchen: „Nun verstau das Heizkissen unter deine Bettdecke, leg dich darauf und steck den Stecker in die Steckdose!“ Seppl freut sich auf sein wohlig warmes Bett und ist sich sicher, dass er nun bestimmt die ganze Nacht nicht mehr frieren muss. Er bedankt sich bei dem kleinen, roten Männchen für seinen wertvollen Rat, steckt den Stecker in die Steckdose und kuschelt sich in sein Bett. So überraschend wie das Männchen erschienen ist, verschwindet es auch wieder und das Licht hellt sich wieder auf. Seppl merkt schon, wie sich sein Bett erwärmt, löscht seine Nachttischlampe und schläft auch ganz schnell ein. – Kurz danach will auch Großmutter in ihr Bett und vermisst ihr Heizkissen. Als erstes geht sie zu Kasperl und erkundigt sich, ob er weiß, wo sich ihr Heizkissen befindet. Kasperl hat es jedenfalls nicht. Sie hoffen, Seppl kann ihnen helfen. Sie öffnen leise seine Zimmertür. Doch Seppl ist gerade im ersten Tiefschlaf und liegt schnarchend in seinem Bett. Großmutter flüstert: „Seppl! Seppl!“ Aber Seppl schläft so fest, dass er gar nichts bemerkt. „Psst!“, flüstert Großmutter, „lassen wir ihn schlafen!“ „Na, siehst du, Großmutti“, sagt Kasperl leise, „und vorhin hat er gejammert, weil sein Bett angeblich zu kalt ist!“ –
Da erscheint in einem hellen Lichtkegel und einem hell klingenden Glockenspiel die gute Kinderfee. „Knipst einmal das Licht in Seppls Zimmer an und ihr werdet sehen, dass er sich einen Bettwärmer geholt hat!“ Kasperl ist überrascht, dass die Kinderfee so spät am Abend noch zu ihnen kommt und schaltet das Licht an. Tatsächlich, was steckt denn da in der Steckdose! – Großmutter erkennt das sofort: „Das ist doch der Stecker von meinem Heizkissen!“ Sie geht zu Seppl ans Bett und rüttelt ihn wach. Seppl öffnet völlig verwirrt seine schläfrigen Augen und will wissen, was denn los ist. Die Kinderfee ist neben sein Bett getreten und belehrt ihn, dass es ein großer Fehler war, auf den kleinen, hinterlistigen Unfallteufel zu hören. Denn es kann gefährlich werden, wenn man sich mit einem Heizkissen ins Bett legt und damit einschläft. Denn die empfindliche Kinderhaut kann schon bei einer Erwärmung auf 40 Grad schwer geschädigt werden. Zu seiner Entschuldigung kann Seppl nur stammeln, dass es doch aber so kalt in seinem Bett war. Die Kinderfee hat da aber eine bessere Lösung. Wenn es ihm wirklich kalt ist und er friert, weil er vielleicht krank ist, ist für ihn - so wie für alle Kinder – eine Wärmflasche mit warmem Wasser das Beste und Sicherste. Großmutter hat natürlich eine Wärmflasche im Badezimmer, die Seppl aber nicht mehr braucht, denn jetzt ist sein Bett warm genug. Auf alle Fälle zieht sie gleich den Stecker aus der Dose und nimmt das Heizkissen wieder mit. Dann warnt sie alle, nie mehr auf den Unfallteufel herein zu fallen, wünscht ihnen eine gute Nacht und verschwindet wieder.
Ihr, liebe Kinder, seid bestimmt nicht so zimperlich wie der Seppl und wärmt euer Bett selbst auf, gell? –
Vielleicht habt ihr euch schon hineingekuschelt und habt es mollig warm unter euerer Bettdecke! Nun schlaft schnell ein, denn vielleicht liegt bei Euch auch frischer Pulverschnee und ihr wollt morgen bald aufstehen, um Ski- oder Schlitten zu fahren.
Eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl.
© Wolfgang Herrnleben (GAP, 2009)






