Seppl, Gretel und das Bamberger Kasperle sind heute gleich nach dem Mittagessen auf den Berg gestiegen und sammeln ringsherum in den Bergwäldern nach Holz und Reisig. Unermüdlich haben sie es zu einem großen, hohen Haufen zusammengeschlichtet. Kasperl hüpft um den mächtigen Holzstoß herum und singt:
„Juppheidi und juppheida,
am Mittwoch ist Johanni da.
Juppheidi und hollarei,
da brennt das Feuer, hei!“
Alle drei freuen sich schon auf den Johannistag nächste Woche, weil er doch der längste Tag im Jahr ist und da dürfen sie auch ausnahmsweise ganz lange aufbleiben. Denn am Johannistag geht die Sonne erst ganz spät unter, aber gleich ab dem nächsten Tag werden die Tage wieder nach und nach immer kürzer. Deshalb feiert man am nächsten Mittwoch die Sonnenwende und überall im ganzen Land werden die Johannisfeuer angezündet. Da freut sich Seppl am meisten darauf und ist sich sicher, dass man ihr Feuer, welches hoch oben auf der Bergkuppe entzündet wird, hinunter bis in die Stadt im Tal gesehen werden kann. Kasperle hat da aber noch seine Zweifel. Er schätzt, dass dazu ihr Holzstoß noch nicht groß genug ist und ganz schnell abgebrannt ist. Weil sie ja noch etwas Zeit haben, schlägt Kasperl vor, noch mehr Holz herbei zu schaffen und aufzuschichten. Gretel warnt die beiden Buben, bloß nicht heute schon zu zündeln, weil sonst das dürre Holz gleich lichterloh brennt und die Feuerwehr kommen muss. Schließlich darf das Johannisfeuer ja erst am Mittwoch entzündet werden und bis dahin müssen sie sich wohl oder übel gedulden. Da sieht selbst der Seppl ein, der ja sonst immer so leichtsinnig und vorwitzig ist. „Ja, wo denkst du hin, Gretel.“, meint er nur sehr altklug, „Lieber futter ich nächsten Mittwoch fünf Paar gegrillte Bratwürste, als dass ich selbst gegrillt werde, hoho!“ Kasperl kommt schon mit dem Handwagen an und fordert Gretel und Seppl auf, mit ihm zu kommen, um noch eine Fuhr Holz zu holen. Also machen sich alle Drei gleich auf den Weg Richtung Wald unter der Kuppe.
Kaum sind die Kinder im Wald verschwunden, kommt irgendwas kleines, rotes durch das Gras auf der Bergkuppe angewuselt. – Es ist der kleine Feuerteufel Fitzliputz. Er ist zwar der kleinste, aber der fleißigste Feuerteufel von allen, der sich immer nur böse Scherze mit den Menschen erlaubt. Ihm macht es immer Spaß, altes Holz, trockenes Stroh, alte Bäume und verfallene Scheunen anzuzünden. Eben ein richtiger, kleiner Tunichtgut! – Dieser frisch aufgeschichtete Holzstoß kommt ihm gerade Recht, denn schon den ganzen Tag ist er auf der Suche nach passendem Holz, welches er in Brand setzen kann. Vor allem freut er sich schon jetzt darüber, dass hinterher jeder die drei Kinder verdächtigt, den Holzhaufen angezündet zu haben und diese dafür bestraft werden und Hiebe bekommen. Er braucht zum Anzünden nicht einmal ein Streichholz, denn ein Zauberspruch von ihm genügt. So spricht er mit seiner hellen, krächzenden Stimme:
„Fitzliputzli, Feurio,
Holzstoß brenne lichterloh!“
Kurz danach knistert und qualmt es im Holzstoß, dann erfolgt ein lautes „Wosch“ und der ganze Holzhaufen fängt Feuer und steht in Flammen. „Hehehe!“, lacht der kleine Feuerteufel schadenfroh, rennt davon und versteckt sich hinter einem nahegelegenen Gebüsch.
Kurz danach kommen Kasperl, Gretel und Seppl mit ihrem voll beladenen Handwagen wieder aus dem Wald den Berg hinauf gekeucht. Schon hat sie die Qualmwolke erreicht. Hustend weist Kasperl die anderen Beiden darauf hin: „Seht doch, Gretel und Seppl, unser Holzhaufen brennt!“ Eines ist sicher, von ihnen kann es niemand gewesen sein, denn sie waren ja die ganze Zeit im Wald unterwegs. Gretel wundert sich, wie das geschehen konnte. Der Holzstoß kann sich doch nicht alleine entzündet haben! – Seppl vermutet richtig, dass da wohl irgendwer an ihrem Holzstoß herum gezündelt haben muss. Sie überlegen kurz, was sie nur tun können, denn sie sind zu Dritt zu wenig, um das Feuer zu löschen. Außerdem wäre es auch zu gefährlich. Kasperl findet, dass es das Beste ist die Feuerwehr zu rufen. Also rufen alle Drei so laut sie können: „Hilfe! Hilfe! Feuer! Es brennt! Feuerwehr! Hilfe!“ Doch es besteht keine Chance, dass jemand von der Feuerwehr ihr Rufen bis ins Tal hinab hört. Das müsste schon ein glücklicher Zufall sein, wenn jemand aus der Stadt den Brand oben auf dem Berg entdeckt und Hilfe schickt.
Das rettende „Tatü-Tata“ der Feuerwehr ist nicht zu hören, dafür fegt ein kräftiges Windrauschen über ihren Köpfen hinweg. Kasperl wundert sich, wo der heftige Wind so plötzlich herkommt. Umrahmt vom Windesrauschen ertönt eine tiefe, mächtige Stimme: „Keine Angst, ihr Kinder, ich bin es nur, der gute Wind Roby und ich werde Euch helfen!“ Er weiß, dass ihnen der hinterlistige, kleine Feuerteufel Fitzliputz einen Streich spielen wollte und das Feuer entfacht hat. Der Wind Roby will aber nicht zulassen, dass das Feuer weiter um sich greift und sich ringsherum auf Wiesen und Wälder ausbreitet. Er will das Feuer mit einem kräftigen Windstoß ausblasen. Damit es aber dabei die drei Kinder nicht gleichzeitig vom Berg hinunterweht, bittet er sie, schnell in den Wald zu laufen und sich an einem Baum fest zu klammern. Alle drei eilen in den Wald davon, um sich dort in Sicherheit zu bringen und halten sich jeder ganz eng an einem Baum fest.
Der gute Wind Roby ruft so zornig und laut, dass der ganze Berg bebt: „So, du gemeiner Fitzliputz, ich werde das Feuer im Nu wieder löschen und damit du dir hier keine bösen Streiche mehr mit den Kindern und Menschen erlauben kannst, werde ich dich gleichzeitig weit, weit davon blasen!“ Fitzliputz weiß, das es für ihn keine Rettung mehr gibt, denn der Wind Roby wird ihn von hier davon blasen. Der Wind Roby saugt ganz viel Luft in seine großen Backen, bis diese zum Platzen voll sind und dann stößt er die Luft mit großer Wucht wieder aus. Man meint ein Orkan fegt über die Bergkuppe hinweg. Die Kinder können sich nur mit aller Kraft an den Bäumen festhalten, doch der Feuerteufel Fitzliputz ist rettungslos verloren. Der Wind wirbelt ihn mit samt dem Gebüsch, an dem er sich festzuhalten versucht in die Höhe und weit davon. Niemand weiß, wann und wo der Feuerteufel wohl wieder auf der Erde landet. Aber das Wichtigste ist, Roby hat mit diesem mächtigen Windstoß auch das Feuer wieder ausgelöscht. Kaum hat der Wind nachgelassen, kommen Gretel, Seppl und Kasperl wieder aus dem Wald zu ihrem Holzstoß geeilt und bedanken sich beim guten Wind Roby für seine Hilfe. Dieser lacht nur mit seiner tiefen Stimme und meint: „Gern geschehen, ihr Kinderchen. Ich mache gerne viel Wind, hahaha!“ Und mit einem lauten Lachen rauscht er wieder mit einem Windstoß davon.
Für Kasperl, Gretel und Seppl wird es nun auch Zeit, schleunigst nach Hause ins Bett zu rauschen. Das restliche Holz werden sie an einem der nächsten Tage aufschlichten. Bis Mittwoch ist ja noch genug Zeit.
Ihr, liebe Kinder, seid bitte immer vorsichtig mit dem heißen Element – dem Feuer! – Und nicht nur, beim Johannisfeuer, denn Feuer breitet sich oft schneller aus, als man denkt und es kann lebensgefährlich werden!
Vielleicht werden bei Euch schon an diesem Wochenende Johannisfeuer entzündet. Damit ihr an diesem Abend vielleicht auch länger aufbleiben dürft, müsst ihr heute um so eher schlafen.
Also husch-husch in Euer Bettchen und schlaft gut.
Eine gute Nacht und einen festen Schlaf wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GAP, 2009)






