Nanu, was ist denn im Haus von Kasperls Großmutter los? – Da scheint ja eine Bombenstimmung zu sein! – Die Freude kommt aber nur vom Kasperl. Er tanzt und singt durch das ganze Haus:
„Das ist toll, das ist toll,
mein Sparschwein ist schon wieder voll!“
Dabei hält er sein Sparschwein fest in beiden Händen und schüttelt es, dass die Münzen darin nur so hin und her klappern.
Seppl kommt aus seinem Zimmer gerannt, um mal zu sehen, warum Kasperl so einen Freudentanz aufführt. Er kann es gar nicht glauben, dass Kasperls Sparschwein schon wieder voll ist, denn in seinem Sparschwein hat sich seit dem letzten Weltspartag noch nicht viel angesammelt. Aber Seppl gibt halt auch immer gleich fast alles Geld aus, was er geschenkt bekommt und kauft sich allerlei zum Naschen oder andere sinnlose Dinge davon. Kasperl kauft sich immer nur Sachen davon, die er unbedingt benötigt. Alles andere Geld, was er für Einkaufsgänge, Schneeschieben, Gartenarbeit und Gassigehen mit Nachbarshunden bekommen hat, steckte Kasperl immer gleich in sein Sparschwein.
Aber Seppl ist es egal, ob es sein oder Kasperls Sparschwein ist. Hauptsache es gibt heute ein großes Schlachtfest und danach können sie sich was Schönes kaufen! – Doch das hat er sich umsonst gefreut. Kasperl will das Sparschwein erst morgen ausleeren und dann mit Gretel in die Stadt gehen. Er hat mit ihr nämlich schon ausgemacht, dass sie Beide von ihrem gesparten Geld der Großmutti etwas Warmes zum Anziehen kaufen wollen. Es ist nämlich die letzten Tage schon wieder empfindlich kalt geworden und der Frühling lässt scheinbar noch auf sich warten.
Seppl zeigt sich darüber sehr enttäuscht, denn er hätte zu gerne Kasperls Sparschwein mit seinem Hämmerchen zerdeppert. Kasperl schlägt ihm vor, doch sein eigenes Sparschwein zu schlachten, dann kann er der Großmutti auch etwas kaufen. Doch als Seppl sein Sparschwein schüttelt, klingt das sehr dürftig. Seppl muss selbst zugeben, dass sich das Schlachten noch lange nicht rentiert. Deshalb hofft er immer noch, dass ihm Kasperl vielleicht doch etwas von seinem gesparten Geld abgibt.
Doch Kasperl muss das Ablehnen, denn die Großmutti hat sich ein besonders schönes Geschenk verdient, weil sie ihnen ja das ganze Jahr über schöne Pullover strickt, ihre Socken stopft und ihr all ihr übriges Geld immer für Gretel, Seppl und ihn ausgibt und sich selbst nichts gönnt.
Sicherheitshalber nimmt Kasperl sein Sparschwein wieder mit in sein Zimmer und stellt es auf sein Nachtkästchen, damit es immer in seiner Nähe ist und es Seppl nicht am Ende gegen sein noch fast leeres austauscht. Seppl verspricht ihm aber, dass er das niemals tun würde. Schließlich sind sie ja gute Freunde. Während Seppl wieder zurück in sein Zimmer geht, um endlich in sein Bett zu gehen, muss Kasperl noch schnell seine Zähneputzen und macht sich auf den Weg ins Badezimmer.
Doch sicher ist das Geld in Kasperls Sparschwein trotzdem nicht. Durch den Garten ums Haus schleicht nämlich die Hexe Krallikratz. Sie hat zwar eine krumme Nase, doch mit der kann sie komischerweise besonders gut riechen. Und am besten erkennt ihre Nase den Geruch von Geld. Sie stellt fest, dass der Geruch aus Kasperls Haus kommen muss. Weil der Geruch so stark ist, muss es sich wohl sogar um viel Geld handeln. Und das Geld könnte sie gut gebrauchen. Sie will sich nämlich endlich einmal etwas Schönes zum Anziehen kaufen und nicht mehr in den alten zerfetzten Kleidern herumlaufen. Daran erkennen ja immer alle gleich, dass sie eine Hexe ist. Sie schleicht also weiter um das Haus herum, um festzustellen, wo der Geldgeruch herkommt. Da – aus diesem Fenster kommt der herrliches Duft! – Dummerweise hat Kasperle sein Zimmerfenster einen Spalt geöffnet, damit für die Nacht noch etwas frische Luft hinein kommt. Mühsam versucht die Hexe durch das Fenster in Kasperls Zimmer zu klettern. Doch mit ihren alten, steifen Knochen kommt sie nicht hinein. So schnuppert sie erst einmal mit ihrer krummen Nase. Im Nu hat sie das Sparschwein auf dem Nachtkästchen entdeckt. Leider ist es soweit vom Fenster weg. Da kommt sie mit ihren Händen nicht hin. Aber, da kommt ihr eine gute Idee. Sie lässt das Porzellanschwein einfach mit einem Spruch zum Fenster marschieren:
„Lauf her zu mir, du buntes Schwein,
und alles Geld in dir ist mein!“
Schon tippelt das Schwein auf dem Nachtkästchen los, doch – dann – auweia! Als es über den Rand vom Nachtkästchen hinausläuft, kippt es kopfüber hinunter und stürzt hinunter! – Klirr – Peng – Pling! – Nun ist das Sparschwein in Hunderte von Scherben zerbrochen und das ganze Geld liegt verstreut am Boden. – Wie soll die Hexe Krallikratz nun an das Geld kommen? – Mit aller Kraft schafft sie es dann doch, über den Fenstersims zu klettern, um selbst in Kasperls Zimmer zu gelangen. Schnell sammelt sie alles Geld ein und steckt es in ihre Schürzentasche.
Gerade als sie die letzten Münzen unter Kasperls Bett zusammen sucht, hört sie Kasperl aus dem Badezimmer zurückkommen. – Oje, was nun? – So flink kann sie doch durch das Fenster nicht wieder flüchten. Da – der lange Vorhang am Fenster! – Der ist ihre Rettung! Sie steht vom Boden auf und versteckt sich hinter dem Vorhang.
Gerade noch geschafft, da betritt Kasperl schon wieder sein Zimmer. Er geht Richtung Bett und will seinem Sparschwein noch eine gute Nacht wünschen, bevor er es morgen Früh ausleert. – Nanu, denkt sich Kasperl, wo ist denn mein Sparschwein? – Er knipst noch einmal das große Deckenlicht in seinem Zimmer an – und – da sieht er schon die Bescherung! – Das Sparschwein liegt total zerbrochen auf dem Fußboden. „Sapperlott!“, schimpft Kasperl, „Das war bestimmt der Seppl!“ Er eilt zur Tür hinaus und ruft in den Flur: „Seppl! – Seppl!“
Dieser kommt gleich herbei gestürmt und will wissen, warum ihn Kasperl mit so einem Geschrei aufweckt. Kasperl zeigt ihm das kaputte Sparschwein am Boden. Doch Seppl gibt ihm sein Ehrenwort, dass er nicht daran schuld ist und er überhaupt nicht in Kasperls Zimmer war, seit er ins Bett gegangen ist. Kasperl ist es ein Rätsel, wie das Sparschwein von selbst vom Nachtkästchen gefallen sein soll.
„Hatschi!“ – da ist ein Niesen zu hören! – Seppl sagt sofort: „Gesundheit, Kasperl!“ – Doch, Kasperl sagt lachend zu ihm, dass er doch gar nicht genossen hat. – Wer war es dann? – Da bemerkt Kasperl, das sich der Vorhang am Fenster bewegt. Er schlägt ihn zur Seite und wen müssen die Beiden da sehen? – Die Hexe Krallikratz! – Und die Schürzentaschen hat sie voller Geld! – Kasperl will von ihr wissen, warum sie sein ganzes gespartes Geld stehlen wollte. Die Hexe gesteht ihm, dass sie sich davon ein paar neue Kleider kaufen wollte. Kasperl betrachtet die Hexe von oben bis unten und gesteht lachend: „Ja, hähähä, neue Kleider hast du wirklich nötig, denn deines hat ja mehr Löcher als ein Schweizer Käse, hähä!“ Aber das Geld in seinem Sparschwein hat er extra für seine Großmutti gespart und nicht für die Hexe. Da hat er eine Idee. – Er macht der Hexe dafür einen anderen Vorschlag. Seine Großmutti hat nämlich in einem Sack jede Menge alter Kleider für die nächste Altkleidersammlung gepackt. Für die Hexe sind die bestimmt noch gut genug, ja sogar bestimmt viel schöner und besser als ihr zerfetzter Kittel. Er will seine Großmutti gerne fragen, ob sie den Kleidersack haben kann, aber nur, wenn sie ihm das kaputte Sparschwein wieder ganz hext und ihm sein Geld wieder zurückgibt.
Die Hexe Krallikratz willigt ein, denn geschenkte Kleider sind ja am billigsten und sie braucht auch kein Geld dafür.
Schnell hext sie die Scherben wieder zu Kasperls Sparschwein:
„Hokus-pokus-Rattenschwanz,
Sparschwein werde wieder ganz!“
Unter Donnergrollen und Lichterblitzen wandern die Scherben und Splitter vom Boden hinauf auf Kasperls Nachtkästchen und setzen sich wieder zum Sparschwein zusammen. Kasperl steckt gleich wieder alle Geldmünzen durch den Schlitz auf dem Rücken in das Schwein und da soll es bis morgen Früh auch drin bleiben.
Ihr, liebe Kinder, dürft bis morgen Früh in Euerem Bettchen bleiben und ausschlafen.
Kasperl aber will morgen bald aufstehen, um mit der Gretel für die Großmutti etwas Schönes zu kaufen! Also geht er mit der Hexe schnell zur Großmutter, die ihr den Sack mit ihren alten Kleider schenkt. Freudig macht sich die Hexe damit auf den Weg zum Hexenhaus, um die neuen Sachen anzuprobieren. Und dann geht er auch endlich schlafen, natürlich neben seinem vollen Sparschwein.
Euch, liebe Kinder wünschen auch ein volles Sparschwein und eine gute Nacht … die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






