Das Bamberger Kasperle ist wieder einmal bei Prinzessin Nina zum Abendessen eingeladen und muss feststellen, dass der Oberküchenmeister fast so gut kochen kann, wie seine Großmutti. Prinzessin Nina gibt allerdings nichts auf Kasperls Lob, denn sie weiß, dass ihm sowieso jedes Essen schmeckt, egal was es ist. Aber sie hat noch eine Überraschung für den „Feinschmecker“ Kasperl parat und bittet den Diener Wilhelm nun als Nachspeise den Vanillepudding zu bringen. Kasperl ist hellauf begeistert, denn Vanillepudding isst er besonders gerne, weshalb er dem Diener hinterher ruft, doch für ihn gleich einen extra großen Löffel mit zu bringen. Dann wird die Prinzessin plötzlich von einem seltsamen Geräusch aufgeschreckt und vermutet, Kasperls Magen hat schon wieder geknurrt. Doch Kasperl kann das nicht zugeben, denn sein Bauch ist schon fast voll und knurrt bestimmt nicht mehr. – Da – da – war das Geräusch schon wieder. Kasperl meint, es hat geklungen, wie das Miauen von einer Katze. Beide sind ganz still, um genau zu hören, wo es her kommt. – „Miau, miau!“ ruft es wieder ganz zart und sie meinen, dass es draußen vom Schlossgarten kommen muss. Also verlassen Beide den großen Tisch im Speisesalon und eilen in den Garten, um nachzusehen. Kasperl sieht sich um und spitzt die Ohren. Da – „Miau, miau!“ – da war es wieder! – Kasperl geht dem Miauen nach und entdeckt doch tatsächlich auf dem Kirschbaum ein kleines Kätzchen. Es sitzt ganz alleine und traurig auf dem großen Ast, von seiner Katzenmutter ist nichts zu sehen und jammert ganz herzzerreißend. „Miau, miau!“ Nina hat Mitleid mit dem kleinen Katzenbaby und will sich um das kleine Wesen kümmern und es großziehen. Doch Kasperl muss die Prinzessin in Ihren „Muttergefühlen“ erst einmal bremsen. Er meint, sie müsse erst einmal abwarten, ob das Kätzchen nicht schon jemandem gehört und nur davon gelaufen ist. Der Prinzessin käme das kleine Katzenbaby aber ganz recht, denn sie will schon lange ein Haustier haben. Kasperl gibt ihr aber zu bedenken, dass sie sich aber dann auch wirklich darum kümmern müsste. Es muss gefüttert, gebürstet und gepflegt werden, sie muss mit ihm zum Tierarzt, es zum Beispiel gegen Tollwut impfen lassen, mit Spul- und Bandwurmmittel behandeln lassen und ihm täglich viel Zuwendung geben. Alles das will Nina tun und bittet Kasperle, das Kätzchen doch vom Baum herunter zu holen. Ja, Kasperle bleibt wohl nichts anderes übrig, denn von alleine traut sich der „kleine Tiger“ scheinbar nicht herunter. Es sitzt immer noch auf dem Ast und zittert vor Angst. Also klettert Kasperle vorsichtig auf den Kirschbaum. Schon ist er ganz in der Nähe des Katzenbabys, da ruft es laut „Miau! Miau!“. Und in dem Moment, als Kasperl es fast greifen konnte, springt das junge Tierchen mit einem Satz vom Baum und läuft schnurstracks durch die offene Tür ins Schloss hinein. Prinzessin Nina ruft dem Diener zu, er soll schnell alle Türen und Fenster schließen, damit das Kätzchen nicht wieder ausreißen kann. Dann rennen Kasperl und Prinzessin hinterher und wollen es einfangen. Tollpatschig stolpert auch Diener Wilhelm der Katze immer wieder hinterher. „Ich hab das Raubtier! – Ich habe es!“, ruft der Diener, der das Kätzchen gerade am Schwanz fassen konnte. Jämmerlich miaut das Kätzchen, weil es ihm wehtut. „Nicht doch, Diener Feuerwehrhelm – äh – Wilhelm“, warnt ihn Kasperle, „nicht am Schwanz ziehen, das tut ihm weh!“ In diesem Moment windet sich das Kätzchen und kratzt den Diener in die rechte Hand. Vor Schmerz lässt er es los und die kleine, flinke Katze huscht wieder davon. – Wo ist es nur hin? – Kasperl, die Prinzessin und der Diener teilen sich auf und durchsuchen das ganze Schloss, in jedem Zimmer, unter jedem Tisch, jedem Sofa, jedem Schrank, jedem Sessel, hinter allen Vorhängen und Möbeln. – Aber nirgends ist das Kätzchen zu entdecken. Aber, es muss noch hier im Schloss sein, denn die Türen und Fenster sind ja alle fest verschlossen. – Da, auf einmal hören sie es scheppern und klappern. „Das kam aus dem Speisesalon!“, ruft die Prinzessin und alle eilen dorthin. Schon sehen sie die Bescherung. Die Katze hat die Puddingschüssel mit dem frischen Vanillepudding vom Tisch hinunter geworfen. „Hähähä“, lacht Kasperl, „seht hin, es hat den ganzen Pudding aufgeschlappert!“ Er vermutet, dass die Kleine nur Hunger hatte. Nun hat sich das Kätzchen vor Schreck unter einem Sessel verkrochen und spitzt ängstlich hervor. Die Prinzessin will das Kätzchen vorlocken: „Na, komm her, mein kleines Kätzchen. Brauchst keine Angst zu haben. Komm her zu mir! Du sollst es bestimmt immer gut bei mir haben und immer etwas Feines zum Essen bekommen. Und jede Nacht darfst du bei mir im Bettchen schlafen!“ Fast flach auf den Boden geduckt kommt das Kätzchen unter dem Sessel hervor gekrochen. Leise maunzt es dabei: „Miau! Miau!“ Da entdeckt Kasperl etwas an dem kleinen Kätzchen. Es trägt ein schmales, rotes Bändchen um den Hals. Kasperl beugt sich zu dem kleinen verschreckten Tier hinunter und sieht, dass auf dem Band etwas geschrieben steht. „Guckt mal“, sagt er zum Diener und zu Nina, „das Kätzchen heißt Gaby und gehört einem Thomas!“ – Ja, aber wer ist dieser Thomas? Nina meint, sie kennt keinen Thomas und deshalb darf sie das Kätzchen nun behalten. Aber so einfach geht das nicht, erklärt ihr Kasperl. Sie müssen den wahren Besitzer ausfindig machen, der bestimmt traurig ist und sein kleines Haustier überall vergeblich sucht. Er will dem Wachtmeister Schmunzelbart Bescheid geben, dass er morgen überall ausklingelt, dass das kleine Kätzchen Gaby gefunden wurde und sich im Königsschloss befindet. Zusätzlich will er an alle Bäume Hinweiszettel anschlagen. So müssten sie den eigentlichen Besitzer doch schnell ausfindig machen können und dieser Thomas wird sich bald melden. Nina sieht das ein, findet es aber trotzdem schade, dass sie nun doch wieder kein eigenes Haustier zum Liebhaben hat. Kasperl tröstet sie und ist sich sicher, dass sich irgendwann ein kleiner Tierfreund für sie finden lässt. „Miau, bestimmt!“ hören sie plötzlich. Hat da die kleine Katze tatsächlich etwas gesagt oder kam es ihnen nur so vor? – „Hast du was gesagt?“ fragt Kasperl die Katze. „Ja, miau!“, antwortet Gaby. – „Hähä, ja so was, du kannst reden?“, wundert sich Kasperl. Das Kätzchen schnurrt um die Beine der Prinzessin herum und sagt: „Aber nur ausnahmsweise kann ich mich mit euch unterhalten. Ich muss euch nämlich etwas Wichtiges mitteilen. Weil ihr mich zu Thomas, meinem Herrchen zurückbringen wollt, schicke ich der Prinzessin zum Dank eine meiner Katzenschwestern, für die Thomas noch liebe Katzenmütter sucht, miau!“
Als Prinzessin Nina das hört, ist sie überglücklich. Nun wird sie doch noch selbst Katzenmutti.
Habt ihr, liebe Kinder auch ein eigenes Haustier? Wenn ihr euch immer viel um es kümmert und es sehr lieb hat, dann wird euch es so ein Tier immer danken und kann zu euerem besten Freund werden.
Und wer kein lebendiges Tier hat, der nimmt halt seinen Teddybären, nimmt ihn in den Arm und kuschelt sich mit ihm unter die Bettdecke.
Mit einem Goldfisch geht das allerdings nicht, hähä.
Eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2009)






