Da an heißen Sommerabenden in vielen Gärten gegrillt wird und lustige Gartenpartys gefeiert werden, will Prinzessin Susi auch ein Sommerfest in ihrem Schlosspark feiern. Dazu hat sie alle ihre Freundinnen und Freunde aus der Schule eingeladen und natürlich auch den Bamberger Kasperl, der als erstes und viel zu bald eingetroffen ist. Während es noch etwas dauert, bis ihre Mitschüler kommen, steckt sie mit Kasperle mitten in den Vorbereitungen. Susi hat große Sorge, dass nicht alles rechtzeitig fertig wird und rennt aufgeregt hin und her: von der Schlossküche in den Garten, wieder zurück in den Speisesalon zum Geschirr holen, wieder in den Garten, dann in den Schlosskeller und wieder hinaus in den Park. Kasperl schaut ihr nur lachend zu: „Tu doch langsam, Prinzessin Susi, hähä. Wir haben doch noch jede Menge Zeit! Wir schaffen das schon!“ Doch Susi meint, es ist noch viel zu tun und sie weiß gar nicht, was sie als Nächstes noch machen muss. Kasperl hält sie erst einmal auf und zeigt ihr, dass er schon die feinen Kuchen und die Kinderbowle mit Früchten auf die Tische verteilt hat. Auch die Schnur mit den Würsten für das geplante Wurstschnappen hat er schon zwischen den beiden Apfelbäumen aufgehängt. Die Teller, Gläser und Bestecke stehen alle in Reih und Glied an den Plätzen, der Schmuck, die Girlanden, die Lampions hat Kasperl auch längst an die gespannten Wäscheleinen angebracht. „Was, hast du denn, Susi! Mach doch keinen solchen Stress, hähä, wir haben doch schon fast alles erledigt!“ Susi sieht sich um und kann erst einmal beruhigt verschnaufen, doch dann fällt ihr ein, dass ja die Eistorte noch im Schlosskeller steht. Kasperl läuft gleich los und bringt die silberne Kühlbox mit der Eistorte. „Soll ich die Torte auch schon aus der Kühlbox herausnehmen?“, fragt er mit einem verschmitzten Lachen. Susi hat vor lauter Panik gar nicht gemerkt, dass die Frage eigentlich nur ein Scherz war und sagt ganz entsetzt zu Kasperl: „Nein, nein, Kasperle! Bloß nicht! Sonst schmilzt die Torte ja bevor meine ersten Gäste kommen!“ Kasperl scherzt weiter: „Hähä, dann haben wir halt eine Eissuppe, die wir löffeln oder mit einem Strohhalm trinken können, hähä.“ Aber Kasperl ist ja nicht dumm und deshalb stellt er die Kühlbox einstweilen in den Schatten, damit die Eistorte nicht zerfließt. „Nun müssen wir nur noch die Kuchenteller für die Torte und die Tassen für den Kakao aus dem Schloss holen!“, sagt Susi zu Kasperl. Bereitwillig folgt ihr Kasperle ins Schloss, um ihr beim Tragen zu helfen.
Als beide durch das Schlosstor verschwunden sind, kommt mit einem kurzen Windstoß die Hexe Schleckermaul auf ihrem Besen angeflogen. „Hui-hui, hihi, endlich sind die Prinzessin und der Kasperl weg“, freut sich die Hexe, „und ich habe freie Bahn, hihi!“ Weil sie von der Prinzessin nicht zum Sommerfest eingeladen wurde, will sie wenigstens etwas von den guten Sachen versuchen. Da so viele leckere Sachen auf den Tischen stehen, weiß sie gar nicht, was sie zuerst essen soll. Sie entdeckt dabei auch noch die leckeren Würste, die an der Schnur hängen. Ja, die will sie haben. Aber wie soll sie da hinkommen? Sie hängen viel zu hoch oben! Hochspringen kann die alte Hexe nicht und auf einen der Apfelbäume klettern schon gar nicht. Da kommt der Hexe Schleckermaul eine gute Idee. Ihr Hexenkater Schnurri könnte doch hinauf klettern und für sie die Würste herunter holen.
Sie fuchtelt mit ihrem Hexenbesen und spricht einen Zauberspruch:
„Hexenbesen, eins-zwei-drei,
Kater Schnurri komm herbei!“
Mit einem schrillen Pfiff steht auf der Stelle ihr Kater neben ihr. „Miau, miau, warum rufst du mich, Hexe Schleckermaul?“ Sie erklärt ihm, dass sie die Würste haben will und befielt ihm, die Schnur an beiden Enden durchzubeißen und diese mit allen herrlichen Würsten zum Hexenhaus zu ziehen. Sie verspricht ihm, dass er als Belohnung auch eine von den Würsten abbekommen soll. Schnurri klettert auf den Baum, knabbert die Schnurenden durch und läuft mit allen aufgereihten Würsten davon. Die Hexe will aber noch mehr von den feinen Sachen haben und hält Ausschau auf allen Tischen. In dem Moment kommen Kasperl und die Prinzessin aber ausgerechnet mit dem Geschirr aus dem Schloss zurück. Als die Hexe das bemerkt, versteckt sie sich schnell hinter einem Gebüsch. Als Susi die Tassen abgestellt hat, sagt sie zu Kasperl: „Sieh mal, Kasperl, du hast die Würste nicht richtig angebunden! Sie sind alle herunter gefallen!“ Kasperl sucht die Würste gleich im Gras, doch er kann sie nirgends finden. „Die Würste sind nicht herunter gefallen!“, sagt er zu Susi. „Die Schnurenden sind durchgebissen und die Würste sind total verschwunden!“ Kasperl entdeckt eine Schleifspur, die sich durch das Gras zieht und folgt dieser Spur, um den Wurstdieb zu schnappen. Aufgeregt läuft ihm Susi hinterher.
„Hihihi, lauft nur davon!“, sagt die Hexe Schleckermaul zu sich und freut sich nun darauf, in Ruhe weiterstöbern zu können. Da fällt ihr die silberne Kiste in die Augen und sie öffnet diese ganz schnell. Ah, es läuft ihr gleich das Wasser im Mund zusammen und schwupps schleckt sie einen Finger voll von der Eistorte ab. „Mmmh, köstlich!“, schwärmt sie. „Da kann ich nicht widerstehen! Die silberne Kiste ess ich gleich hier auf der Stelle ratzeputz leer!“ Doch leider wird daraus nichts, dann Kasperl und Gretel kommen schon wieder zurück. Schnell schnappt sich die Hexe die bereits vorgeschnittenen Stücke der Eistorte und verteilt sie einzeln in alle ihre Rock- und Schürzentaschen. Wusch – verschwindet die Hexe Schleckermaul damit, bevor sie Kasperl und Susi bemerken konnten.
Kasperl hat die Spur des Wurstdiebes verloren und meint, dass dieser scheinbar damit über alle Berge geflüchtet ist. Doch dann stellt die Prinzessin fest, dass auch ihre Eistorte aus der Kühlbox fehlt. Kasperl findet aber auch hier eine Spur, denn im Gras sind rosa-weiße Tropfen zu sehen. Sie folgen Beide auch diesen Spuren und hoffen, dass sie diesmal mehr Erfolg haben, um den Dieb zu finden. Die Tropfen führen sie aus dem Schlosspark hinaus in das nahe gelegene Wäldchen. Die Hexe hat sich inzwischen hinter einem dicken Baumstamm versteckt und versucht, die bei der Wärme schon fast geschmolzenen Tortenstücke aus ihren Taschen zu kratzen. Das Eis hat alle Taschen der Hexe durchgeweicht, tropfend steht sie da und schimpft: „Was ist denn das für eine Sauerei!“ Das hat Kasperle natürlich gehört und spürt die Hexe hinter dem Baum auf. „Sieh her, Prinzessin Susi, die Hexe Schleckermaul hat deine Eistorte zum Schmelzen gebracht und nun kann sie nur noch ihre Taschen auslecken, hähä!“ Susi und Kasperl müssen trotz aller Enttäuschung über die zerstörte Eistorte über die Hexe herzhaft lachen. Kasperl meint zu ihr, dass es doch jedes Kind schon weiß, dass Eis bei diesen warmen Temperaturen schnell schmilzt. Außerdem hätte die Hexe ja von dem vielen Eis nur Bauchschmerzen bekommen. Er rät ihr, lieber etwas Gesundes zu essen, wie Kartoffeln, Gemüse, Fleisch, Fisch und Salate, wenn sie Hunger hat. Denn nur von Eis kann man sich nicht ernähren, das isst man höchstens als Nachspeise. Aber Susi hat nun keine Nachspeise mehr für ihr Sommerfest und ist deshalb traurig. Kasperl tröstet sie, denn alles andere ist ja noch da, womit sie sich satt essen können. Susi gibt dem Kasperl Recht und will sich die gute Laune von der Hexe nicht verderben lassen. Schnell laufen sie zurück in den Schlosspark, denn bald werden ihre Gäste eintreffen, mit denen sie ihr Sommerfest feiern wollen. Kasperl hat dann sicher viel vom misslungenen Streich der Hexe Schleckermaul zu erzählen.
Ihr, liebe Kinder könnt diese Geschichte ja auch einmal eueren Freunden erzählen und wenn ihr heute schon zu Abend gegessen habt und kein eigenes Sommerfest feiert, dann seid ihr sicher schon fertig zum Schlafen gehen.
Die Puppenbühne Herrnleben und euer Bamberger Kasperl wünschen Euch eine gute Nacht und für morgen einen schönen, warmen Sommertag!
Wolfgang Herrnleben (2008)






