Die Großmutter vom Bamberger Kasperl ist gerade in der Küche und bereitet das Abendessen vor. Für heute Abend hat sie sich etwas besonders Feines und Gesundes ausgedacht. Und obwohl dieses Essen sehr gesund ist, kann sie es nicht jeden Tag zubereiten, denn es kostet viel Vorbereitungszeit. Deshalb ist Großmutti schon seit zwei Stunden damit beschäftigt, allerlei Sorten Gemüse zu putzen und zu schneiden. – Jetzt seid ihr bestimmt neugierig geworden, was Großmutti daraus kochen will, stimmt’s? – Da seid ihr nicht alleine, denn als Kasperle sich in der Küche umsieht, was Großmutter schon die ganze Zeit arbeitet, fragt er sie natürlich auch ganz neugierig, was sie denn da alles putzt und schnippelt. Großmutter hat nämlich auf dem Küchentisch schon lauter verschieden bunte Häufchen aus kleinen Würfeln, Scheiben, Streifen und Ringen aufgeschlichtet. Sie zählt Kasperl alles auf, was das für Gemüsesorten sind: Gelbe Rüben, Weißkraut, Wirsing, Sellerie, Lauchstangen und Suppengrün. Kasperl will nun endlich wissen, was Großmutti daraus machen will. „Na, was wird das schon werden?“, antwortet Großmutti, „Natürlich ein gesunder Gemüseeintopf!“
In diesem Moment betritt auch Seppl die Küche und hat gerade noch die letzten Worte der Großmutter gehört. Ganz entsetzt fragt er nach, ob es wirklich einen Eintopf bloß mit Gemüse gibt. Aber Großmutter kann ihn beruhigen. Selbstverständlich wird sie auch etwas Fleisch mit darunter mischen. Doch es fehlt noch etwas anderes, um den Eintopf perfekt zu machen. Deshalb bittet sie Kasperl und Seppl, doch schnell in den Keller zu gehen und noch ein paar Kartoffeln zu holen, denn die dürfen in einem richtigen Gemüseeintopf nicht fehlen. Kasperl und Seppl nehmen den großen Korb und machen sich sofort gehorsam auf den Weg, die steilen Treppen in den tiefen, dunklen Keller hinab. Als die Beiden Kartoffeln einsammeln wollen, finden sie in der Ecke, in der die Kartoffeln sonst liegen nur einen dichten Wald aus lauter gelben Trieben. Sie sehen sich mit einer Taschenlampe im restlichen Keller um und finden nirgends Kartoffeln. Ratlos wollen sie sich gerade wieder auf den Weg zur Großmutter machen, um sie zu fragen, wo sie denn die Kartoffeln hingeschlichtet hat. Da hören sie plötzlich etwas im Keller herumrollern. Ängstlich halten sie Ausschau, wo dieses rollende Geräusch herkommt, da ertönt eine tiefe Stimme: „Halt, ihr Burschen! Bleibt hier! Es sind noch genügend Kartoffeln hier im Keller!“ Sie erkennen, dass die Stimme von einer Riesenkartoffel kommt, die bis vor ihre Füße gekullert ist. Es ist der Kartoffelkönig! Seppl will von ihm wissen, wo die Kartoffeln versteckt sind. Der Kartoffelkönig kann nur herzhaft über die Dummheit der Beiden lachen, denn die Kartoffeln liegen doch wie immer in der Ecke. Nur konnten sie sie nicht sehen, weil aus ihnen in der Zwischenzeit lauter Triebe gewachsen sind. Kasperl muss nun auch lachen, weil sie die Kartoffeln unter dem vielen Gestrüpp nicht gleich entdeckt haben. Der Kartoffelkönig erklärt ihnen, dass es doch ganz normal ist. Aus den letzten eingelagerten Kartoffeln wachsen doch immer diese Triebe heraus. Diese braucht man bloß mit den Händen abzustreifen und schon kommen die blanken Kartoffeln wieder zum Vorschein. Kasperl bedankt sich bei ihm für den wertvollen Rat und dann rollert der Kartoffelkönig wieder auf dem Kellerboden davon in sein Versteck.
Kasperl und Seppl machen sich über den zugewucherten Haufen her und streifen nach und nach die Triebe von den Kartoffeln ab und legen sie in den Korb. Seppl ist mit Begeisterung dabei und meint die abgestreiften Triebe sehen aus wie kleine Würmer.
Ohne, dass es Kasperle merkt, taucht hinter dem Seppl auf einmal ein kleines, hässliches, grünes Männchen mit einem langen Schwanz und kleinen Hörnchen auf dem Kopf auf. – Es ist der hinterlistige kleine Giftteufel! - Er will Seppl einen Streich spielen und fragt ihn, ob ihm denn die kleinen Würmer gefallen? – Seppl blickt auf den Haufen Triebe, die vor ihm auf dem Boden liegen und findet, sie sehen wirklich lustig aus. Der freche Giftteufel rät ihm, diese doch nicht einfach auf den Boden zu werfen, sondern sie alle einzusammeln und sie mit den Kartoffeln zur Großmutter zu bringen. Verwundert schaut ihn Seppl an und versteht das erst nicht. Doch der kleine Giftteufel erklärt ihm mit einem breiten Grinsen im Gesicht, dass der langweilige Eintopf doch lustig aussieht, wenn die kleinen Triebe wie Würmer dazwischen herum schwimmen. Außerdem knackt es beim Essen dann jedes Mal so schön, wenn man auf so einen Wurm drauf beißt. Seppl kann sich das auch gut vorstellen und will den Tipp des Giftteufels befolgen. Hämisch lachend verschwindet der Giftteufel wieder. Dummerweise konnte Kasperl das Teufelchen nicht hören und sehen, da dieser nur dem Seppl erschienen ist. – Inzwischen sind im Korb genügend Kartoffeln und Kasperl meint, dass sie nun wieder hinauf zur Großmutter müssen. Er nimmt den Korb und steigt damit die Kellerstiege wieder nach oben. Seppl sammelt schnell die herum liegenden Triebe auf und geht mit diesen in den Händen hinterher.
Großmutter wundert sich schon, wo die Beiden denn solange bleiben. Kasperl entschuldigt sich damit, weil sie doch erst die vielen Triebe von den Kartoffeln abmachen mussten.
Schon steht auch Seppl in der Küchentür und zeigt stolz die kleinen, grünen Triebe, die er in den Händen hält. Begeistert meint er zur Großmutter, dass es doch bestimmt lustig aussieht, wenn sie wie lauter Würmer im Eintopf herum schwimmen.
Großmutter kann ihn gerade noch davon abhalten, die Triebe in den Kochtopf zu werfen und warnt Seppl davor diese „kleinen Würmer“ jemals zu essen. Sie enthalten nämlich das Gift „Solanin“, dass genauso, wie die ganze Kartoffelstaude, die aus dem Erdboden heraus wächst nicht gegessen werden darf. Auch in allen grünen Stellen, die in der Kartoffel sind, ist dieses Gift enthalten, deshalb muss man auch diese sorgfältig entfernen. „Ja mei, Seppl“, sagt Kasperl ganz entsetzt, „wolltest du uns alle vergiften?“ Das war natürlich nicht Seppl’s Absicht und er erzählt, dass es ja auch nicht seine Idee war, sondern die vom Giftteufel, der ihm im Keller erschienen ist. „Dann wäre Großmuttis Gemüseeintopf wohl für die Katz gewesen!“, sagt Kasperl lachend. Und die Großmutter kocht den Eintopf ja gerade deshalb, weil er gerade in der kalten Jahreszeit wegen seiner vielen Vitamine sehr gesund ist. Und die Kartoffeln geben außerdem mit ihren vielen Nährstoffen viel Kraft und gehören deshalb in jeden Gemüseeintopf mit hinein, aber keinesfalls ihre Triebe und die grünen Stellen.
Seppl wird sich auch nie mehr vom bösen Giftteufelchen hereinlegen lassen und freut sich schon auf Großmuttis Gemüseeintopf, denn das Schönste daran ist, dass Seppl dazu kein Messer und keine Gabel braucht, sondern ihn einfach bequem löffeln kann.
Beim nächsten Mal wollen Kasperl und Seppl der Großmutter auch beim Gemüseputzen und –schneiden helfen, weil das bestimmt großen Spaß macht und schneller geht.
Auf die Hilfe freut sich Großmutti heute schon und euere Mami sicher genauso, wenn es bei Euch wieder einmal Eintopf gibt.
Vielleicht schon morgen, denn ein Eintopf ist gut, wärmt und ist sehr gesund.
Und gesund sollt ihr, euere Geschwister und Eltern immer alle bleiben.
Viel Gesundheit, Kraft und für heute eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl.
© Wolfgang Herrnleben (2008)






