Der Hase im Nest

Für viele von Euch, liebe Kinder, sind jetzt gerade Osterferien! – Doch für die kleinen Hexen nicht! – Sie feiern Ostern nicht, deshalb gibt es für sie auch kein Osternest und kein Osterfest! – So auch für die kleine Hexe Durchblick nicht! – Sie musste auch heute in die Hexenschule gehen! – Und die kleine Hexe Durchblick ist ganz besonders glücklich, denn sie hat heute in der Hexenschule etwas ganz tolles gelernt. Die Hexenlehrerin Besenschlau hat ihnen heute nämlich erzählt, dass die Menschen in wenigen Tagen Osterfest feiern und die Menschenkinder vom Osterhasen Nester mit bunten Ostereiern bekommen. – Die kleine Hexe Durchblick findet es nur schade, dass sie vom Osterhasen nie so ein Osternest bekommt, weil Hexen angeblich in ihrem ganzen Leben nie so brav sind, dass sie auch so ein Osternest verdienen. – Die kleine Hexe Durchblick findet aber, sie müsste schon so ein Osternest bekommen, denn sie hat noch nie etwas Böses gehext. – Sie ist voller Überzeugung, dass sie deshalb eigentlich ein Nest mit bunten Osterhaseneiern bekommen müsste. – Doch sie weiß, dass sie – nicht einmal als kleine Hexe – keine Chance hat, nur ein einziges, kleines Osterhasenei zu erhalten. – Aber … sie möchte doch zu gerne auch einmal so ein buntes Osterhasenei haben! – Sie denkt sich: „Wenn sie mir schon niemals Osterhaseneier schenken werden, dann muss ich mir halt selber welche besorgen!“ – So will sich die kleine Hexe selbst ein Osterhasenei hexen.  Sie blättert in ihrem Hexenschulbuch und sucht nach einem passenden.Hexenspruch. – Doch, so viel sie auch sucht, sie findet einfach keinen Hexenspruch, mit dem dies gelingen könnte! –
Und während sie so blättert und sucht, kommt das kleine Häschen Schlappöhrchen mit einem leeren Osternest angehoppelt. Er kennt die kleine Hexe Durchblick noch nicht und fragt, wer sie denn sei. – Die kleine Hexe stellt sich vor und will aber auch wissen, wer das kleine Häschen ist und was es da bei sich hat? – Schlappöhrchen erzählt ihm, dass es ein Gehilfe vom Osterhasen ist und gerade heimlich ein leeres Osternest von einem Kind geholt hat, in das Ostereier und andere leckere Sachen gefüllt werden. Und dann wird es in der Nacht vor dem Ostersonntag zusammen mit den vielen anderen Nestern versteckt. Doch die kleine Hexe hat einen anderen Plan: Schlappöhrchen soll mit ihr kommen und für sie Ostereier ins Nest legen, damit sie auch endlich einmal ein Osternest bekommt. Aber Schlappöhrchen muss das ablehnen, denn Hexen bekommen keine gefüllten Osternester! – Das lässt sich die Hexe aber nicht gefallen und befiehlt Schlappöhrchen mit ihr zu kommen und für sie Eier in das Nest zu legen. Da Schlappöhrchen aber nicht mit der Hexe, sondern wieder zum Osterhasen zurück will, spricht die Hexe einfach einen Zauberspruch:
„Schlappöhrchen, ab in mein Haus, eins-zwei-drei,
und leg mir in das Nest viele bunte Osterei!“
Es blitzt, zischt und donnert und plötzlich sind Schlappöhrchen, die Hexe und das Nest von dem Ort spurlos verschwunden.
Zufällig ist Kasperle gerade im Wald unterwegs, denn er hat ja Schulferien! – Und was gibt es da Schöneres, als eine Wanderung durch den Wald zu machen? – Dabei beobachtet er die Rehlein, Hasen, Vöglein und pfeift dabei ein fröhliches Liedchen. Auf einmal sieht er sogar ein Osterhäschen zwischen den Bäumen hindurch hoppeln. „Kasperl, mümmel, Kasperl, mümmel-mümmel!“ – Da erkennt Kasperle den Hasen: Es ist der Osterhase selbst! – Kasperle fragt ihn, warum er denn so aufgeregt im Zick-zack durch den Wald hoppelt. Der Osterhase erzählt ihm, dass er auf der Suche nach seinem kleinen Häschen Schlappöhrchen ist. Es wollte eigentlich nur fort gegangen, um noch ein leeres Osternest von einem Kind zu holen. Doch es müsste längst zurück sein, ist aber leider noch nicht zurückgekehrt. Und deshalb macht sich der Osterhase Sorgen und hat sich auf die Suche nach Schlappöhrchen gemacht. Kasperl ist sich zwar sicher, dass das kleine Häschen nur mit anderen Waldtieren spielt und die Zeit vergessen hat. Er will sich auf die Suche machen und bittet den Osterhasen, wieder in seine Hasenwerkstatt zurück zu kehren und weiter zu arbeiten, denn er hat bis zum Osterfest bestimmt noch viel zu tun. Außerdem wird es bald dunkel. Der Osterhase nimmt den Rat von Kasperl an und hoppelt zurück zum Osterhasenbau, bittet Kasperl aber, unbedingt sein Schlappöhrchen wieder zu bringen.
Kasperl macht sich sofort auf die Suche. – Zunächst stöbert er das hohe Gras nach dem kleinen Häschen durch, dann läuft er den ganzen Bach ab. Doch zum Glück ist auch dort Schlappöhrchen nicht zu sehen. Kasperle hatte nämlich schon Angst, es ist ins Wasser gefallen. – Also marschiert Kasperl weiter und sucht im Wald. Er geht tief hinein und immer tiefer, der Wald wird dunkler und immer dunkler. – Auf einmal hört er: „Uhu! – Uhu! – Kasperle, wen suchst du denn?“ – Kasperl blickt nach oben und sieht auf einem Ast die Eule Schlafauge sitzen. Er erzählt ihr, dass er das kleine Osterhäschen Schlappöhrchen sucht. Die Eule weiß zwar nicht, ob es Schlappöhrchen war, aber sie hat vor kurzer Zeit die kleine Hexe Durchblick mit einem kleinen Häschen durch die Luft fliegen sehen. Sie ist der Meinung, sie sind in Richtung Hexenhaus geflogen. Kasperl kann sich nur vorstellen, dass dies nur Schlappöhrchen gewesen sein kann. Er bedankt sich bei der Eule für den wertvollen Tipp und geht mit schnellen Schritten zum Hexenhaus.
Als er dort angekommen ist, spitzt er gleich durch das Fenster, um nachzusehen, ob die Hexe da drin wirklich Schlappöhrchen gefangen hält. Und tatsächlich sieht er dort das kleine Häschen, das in dem leeren Osterkörbchen sitzt. Die Hexe steht davor und fordert es auf: „Los, du kleines Häschen, sitz nicht so faul im Nest herum! – Leg mir jetzt endlich ein paar schöne, bunte Ostereier!“ Schlappöhrchen versichert ihr, dass es doch keine Eier legen kann. Es ist doch schließlich nur ein Hase und keine Henne! – Die Hexe glaubt ihm aber nicht! Schließlich legen die Hasen für die Kinder auch Eier in die Nester, dann kann es auch für sie tun. – Als Kasperl das von draußen beobachtet, muss er lachen. Er kann es nicht fassen, dass die Hexe meint, dass Hasen Ostereier legen können. – Es ist für ihn jedenfalls ein lustiges Bild: Ein Hase sitzt in einem Nest und soll Eier legen! –
Das laute Lachen vor dem Haus hat die Hexe aufgeschreckt und sie rennt nach draußen. In und vor ihrem Haus darf nur sie lachen. Und wer sich traut, hier auch zu lachen, den wird sie verhexen. – Am Fenster sieht sie Kasperle, der sich vor Lachen schon den Bauch hält. – Sie fragt ihn, was er hier zu suchen hat und warum er so spöttisch lacht. Kasperl gesteht ihr, dass man über sie und das Häschen im Nest, welches Eier legen soll, nur lachen kann. Als Schlappöhrchen Kasperls Stimme hört, weiß es, dass er ihr hilft. Es hoppelt ganz schnell durch die offene Tür nach draußen und ruft Kasperle zu: „Kasperle, bitte hilf mir!“ – Die kleine Hexe Durchblick ist wütend, dass ihr das Häschen entwischt ist und bittet Kasperle, das Häschen sofort wieder ins Haus zu schicken, damit es endlich Eier legt. – Da muss Kasperle wieder ganz laut lachen: „Hähähä, Hexe Durchblick, glaubst du wirklich, ein Häschen kann Eier legen?“ Die kleine Hexe hat daran keine Zweifel, denn für die Menschenkinder legen die Hasen doch auch Eier. Kasperl muss nun noch mehr lachen und er erklärt der kleinen, dummen Hexe, dass die Osterhasen die Eier nur in die Nester hineinlegen. Vorher kochen und färben sie diese bunt. Aber die Arbeit des Eierlegens erledigen die Hennen.
Die kleine Hexe ist beschämt, dass sie das noch nicht wusste. Sie ist aber auch enttäuscht, dass sie nun wieder keine bunten Ostereier bekommt.
Kasperl weiß hier einen guten Rat! – Er empfiehlt der kleinen Hexe, sich doch einen Stall zu hexen und sich Hühner anzuschaffen. Sie legen ihr dann jeden Tag genügend Eier. – Und an Ostern kann sie sich dann so viele davon kochen und bunt färben, wie sie will.
Ihr, liebe Kinder, braucht keine Hühner zum Eierlegen und auch selbst keine Eier färben! Ihr bekommt Euere bunten Ostereier – wie jedes Jahr – am Ostersonntag vom Osterhasen in Euer Osternest …… wenn Ihr es findet, hähähä.
Eine gute Spürnase am Ostersonntag, für heute eine gute Nacht und ein frohes Osterfest  wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!

Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)