Gretel und das Bamberger Kasperle unternehmen nach dem Abendessen noch einen kleinen Verdauungsspaziergang und genießen dabei die milde Abendluft und erfreuen sich an den grünen Wiesen und an der Natur. Doch es fängt schon das Dämmern an, die Blümchen schließen langsam ihre Blütenkelche und die Tiere haben sich auch alle in ihrem Bau oder im schützenden Wald verkrochen. Nur eines scheinbar nicht, denn plötzlich entdeckt Gretel in der Wiese ein kleines Häschen. Sie findet es gar zu süß und will gerade zu ihm hingehen, da hält sie Kasperl gerade noch am Arm fest und flüstert ihr zu: „Bleib hier, Greteleinchen und lass dem kleinen Häschen seine Ruhe!“ Gretel möchte aber trotzdem hin, denn das Häschen hat scheinbar gar keine Angst vor ihr, sonst wäre es doch schon längst davon gehoppelt. Doch Kasperl erklärt ihr, dass das Häschen deshalb so ruhig in seiner Mulde sitzen bleibt, weil es sich mit seinem Tarnpelz sicher fühlt. Das leuchtet der Gretel ein und beide gehen weiter ihres Weges zurück nach Hause. „Ade, mein kleines Häschen!“, ruft Gretel dem Häschen zu, das bleibt aber weiter regungslos in seiner Mulde sitzen und rührt sich nicht vom Fleck.
Kaum sind Kasperl und Gretel in sicherer Entfernung, schnauft das Häschen tief durch, da die Gefahr vorüber ist: „Mümmel, mümmel, ein Glück, die beiden Menschen sind wieder fort gegangen!“, sagt es zu sich, bleibt aber weiter still in der Wiese sitzen. Das kleine Häschen Braunfellchen wartet nämlich auf die Rückkehr seines Hasenvaters Braunohr, der unterwegs ist, um etwas zum Abendessen zu beschaffen. Aber wo bleibt er nur solange? Dem kleinen Häschen knurrt vor Hunger schon der Magen. Als es Braunfellchen vor Hunger nicht mehr aushält, will es nicht mehr länger warten und hoppelt los, um sich selbst etwas zum Knabbern zu suchen. Kaum ist es in den Wald gehoppelt, begegnet ihm der Räuber Schlapphut und fragt es, warum es denn so spät am Abend noch alleine unterwegs ist. Braunfellchen vergisst vor lauter Hunger, vor dem Räuber auszureißen und erzählt ihm, dass es noch auf Nahrungssuche, weil ihr Vater Braunohr bis jetzt noch nichts gebracht hat. Ganz vertrauenserweckend bemüht sich der Räuber um das kleine Häschen und verspricht Braunfellchen, ihm nichts zu tun. Das kleine Häschen glaubt ihm und zeigt keine Angst. Es schöpft auch keinen bösen Verdacht, als ihm der Räuber sagt, dass es nur mit ihm kommen solle, weil bei seinem Räuberhaus viele leckere Gräslein wachsen. Ohne an mögliche Gefahren zu denken, folgt Braunfellchen dem Räuber tiefer in den Wald zu seinem Räuberhaus.
Inzwischen ist Hasenvater Braunohr auf der Wiese angekommen und hält nach seinem kleinen Häschen Ausschau. Doch er erkennt nur noch die Mulde, in dem sein Braunfellchen auf ihn warten sollte. Aber die Mulde ist leer. Wo ist sein Braunfellchen nur? – Da fällt ihm ein, dass er aus der Ferne einen fremden Mann gesehen hat, hinter dem ein Häschen her gehoppelt ist. Das muss sein Braunfellchen gewesen sein, denkt er sich. Doch von Beiden ist nichts mehr zu sehen. Sie sind schon viel zu weit im dunklen Wald verschwunden. Aber, wo soll Braunohr das Suchen anfangen? – Alleine findet er sein Braunfellchen so schnell bestimmt nicht. Außerdem wird es immer finsterer. Er überlegt kurz und dann kommt ihm die Idee, Kasperle um Hilfe zu bitten. Der ist ja auch oft im Wald unterwegs und kennt sich bestimmt gut aus. Sofort macht er sich auf den Weg und hoppelt schnell Richtung Kasperls Haus. Logisch, der Hase kommt natürlich schneller vorwärts als Kasperl und Gretel und so holt er sie noch weit vor ihrem Zuhause ein. Gretel bemerkt den Hasen als Erste und ruft gleich freudig aus: „Sieh mal, Kasperle, das süße, kleine Häschen ist uns hinterher gehoppelt!“ Doch Kasperl erkennt, dass dies an anderer, größerer Hase ist. „Mümmel, mümmel“, bittet sie der Hasenvater, „bleibt doch bitte einmal stehen. Ich bin der Hasenvater Braunohr und habe gesehen, wie mein Söhnchen Braunfell mit einem komischen Mann in den Wald gelaufen ist! Ich glaube, es war ein Räuber! Hoffentlich tut er meinem kleinen Häschen nichts zuleide!“ Kasperl vermutet gleich, das kann eigentlich nur der Räuber Schlapphut gewesen sein und will sicherheitshalber gleich hinterher gehen, damit dem kleinen Häschen nichts passiert. Gretel macht sich natürlich auch große Sorgen um das kleine, süße Häschen, das vorhin so lieb drein schaute. Deshalb macht Gretel auch auf der Stelle kehrt und so eilen alle Drei in Windeseile auf den Wald zu. Hasenvater Braunohr ist natürlich wieder viel schneller und so haben Kasperl und Gretel große Mühe, ihm zu folgen. Am Waldesrand bleibt der Hase aber erst einmal stehen und wartet auf die Zwei, denn er hofft, Kasperl kennt den Weg zum Haus des Räubers Schlapphut. Schließlich dürfen sie keine Zeit verlieren. Nun geht Kasperle mit großen Schritten voraus und schon nach kurzer Zeit sieht Gretel durch die Bäume das Räuberhaus spitzen. Nun laufen sie noch schneller und als sie bei dem alten, halb zerfallenen Haus tief im Wald ankommen, suchen sie ringsherum nach dem Häschen. Doch weder vom kleinen Braunfell noch von Räuber Schlapphut ist etwas zu sehen. Sind vielleicht noch gar nicht da? Oder war es vielleicht doch nicht der Räuber und sie sind hier völlig falsch? – Da schreit Gretel auf einmal: „Schnell, Kasperl und Braunohr, kommt einmal her. Hier in dem Gitterkäfig ist Braunfellchen eingesperrt und zittert vor Angst!“ Kasperl eilt sofort herbei und lässt das arme, kleine Häschen sofort wieder frei. „Keine Angst, kleines Häschen! Komm nur heraus! Wir tun dir nichts!“, sagt Kasperl zu dem ängstlichen kleinen Langohr und gibt ihm seine Freiheit wieder.
Räuber Schlapphut hört in seinem Haus fremde Stimmen und kommt in dem Moment heraus, um nachzusehen, wer da vor seinem Räuberhaus zu Gange ist. Gerade wollte er losschimpfen, da erkennt er Kasperle und bleibt wie erstarrt stehen. Er weiß, gegen Kasperle hat er keine Chance, denn er hat ihn schon oft überlistet.
Kasperl setzt ihn davon in Kenntnis, dass er das Häschen wieder frei gelassen hat und fordert ihn mit Nachdruck auf, in Zukunft bloß keine Tiere mehr zu fangen und einzusperren. Sie brauchen ihre Freiheit und leben alle friedlich in der Natur, die das Zuhause aller Tiere ist.
Der Räuber Schlapphut hat Angst vor Kasperle und bevor er wieder Ärger mit ihm bekommt, verspricht er ihm, nie mehr Tiere zu fangen und ihnen ganz bestimmt nie etwas Böses zu tun. Das Hasenkind Braunfellchen muss dafür aber seinem Hasenvater versprechen, nie mehr so leichtsinnig zu sein und einfach mit fremden Menschen weg zu gehen. Kleinlaut verspricht es Braunfellchen und hoppelt mit seinem Vater zurück zu ihrem Bau, wo es endlich seine Abendmahlzeit bekommt.
Ihr, liebe Kinder, wisst sicher längst, dass man nie mit fremden Leuten mitgeht und wenn sie einem noch so tolle Sachen versprechen. Denkt bitte daran, dass kann gefährlich werden!
Und sicher wisst ihr auch, dass es nun Zeit für Euch ist, ins Bett zu gehen.
Drum hoppelt – äh – geht schnell hinein und träumt was Schönes!
Eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GAP, 2009)






