Wer von Euch, liebe Kinder hat daheim im Garten noch einen Sandkasten und spielt darin noch? – Also Kasperl und Seppl haben ihren Sandkasten noch, in dem sie früher als Kinder viele Nachmittage verbracht haben. – Doch nun sind sie eigentlich zu groß dafür und decken ihn nur noch ab, wenn irgendein Besuch mit kleinen Kindern kommt! – Wie gesagt: EIGENTLICH!! –
Heute Nachmittag kam Seppl plötzlich auf die Idee, sie könnten doch auch mal wieder im Sandkasten spielen. Er deckte mit Kasperl den hölzernen Sandkasten ab, siebten eine Stunde lang den verschmutzten Sand durch, befreiten ihn von Blättern und Steinen und rechneten die Oberfläche des Sandes wieder schön glatt. Seppl holte die Plastikförmchen aus dem Kellerregal und dann ging es los. Kasperl baute eine prächtige Sandburg und Seppl formte aus dem Sand verschiedene Kuchen. Natürlich ging das mit dem trockenen Sand nicht. So holte Seppl einen Gießer voll Wasser und schüttete dieses in eine Ecke im Sandkasten, um den nassen Sand dann mit dem anderen zu vermischen, so dass es eine schöne klebrige Sandteigmasse wurde.
Begeistert wühlten die beiden, kleinen, großen Kinder den ganzen Nachmittag im Sandkasten, formten, bauten und matschten mit dem nassen Sand. Dabei vergaßen sie völlig, dass es mittlerweilen schon Abend geworden ist.
Ihre Großmutter hat das aber nicht vergessen! –
Deshalb steht sie nun pünktlich wie immer unter der Terrassentür und ruft: „Kasperl, Seppl! – Es ist Zeit zum Abendessen und zum Schlafen gehen!“ Kasperl und Seppl können es zwar nicht glauben, dass es wirklich schon so spät ist, doch sie gehorchen brav, räumen alle Spielsachen in den Sandkasten und decken ihn wieder ordentlich zu. Als sie dann vor der Großmutter stehen und ins Haus wollen, traut die Oma ihren Augen nicht! – Vom Spielen mit dem nassen Sand sehen Beide aus, wie zwei Ferkel, die sich im Matsch herum gewälzt haben. Die zwei Lauser sind natürlich der Meinung, dass sie doch gar nicht so dreckig sind! Seppl meint: „Ach, Großmutti, wenn der nasse Sand trocken ist, dann musst du uns nur etwas abstauben und schon sind wir wieder sauber!“ – Doch Großmutti lässt nicht mit sich handeln. Es gibt vor dem Schlafengehen keinen Weg an der Badewanne vorbei. – Kasperl und Seppl merken, dass sie wohl keine andere Wahl haben. Aber eine Bitte hat er an die Großmutter: „Hähä, Großmutti, aber ich geh nur in die Wanne, wenn mehr Schaum als Wasser drin ist, hähä!“ – Großmutter muss ihn aber enttäuschen. – Auch mit viel Schaum geht der Schmutz nicht weg. Da muss wohl genug Wasser in die Badewanne gelassen und viel Seife zum Einsatz kommen! – Oje! – Damit es schneller geht und das Abendessen nicht solange warten muss, beschließen die zwei Burschen gleich gemeinsam in die Badewanne zu gehen.
Seppl dreht gleich den Wasserhahn auf und beginnt sich auszuziehen. Auch Kasperl entledigt sich seines dreckig-bunten Kasperlanzuges. Dabei merkt er, dass es im Badezimmer tüchtig zu dampfen beginnt. „Halt, Seppl!“, ruft er, „Du musst erst das kalte Wasser einlaufen lassen!“ Seppl meint, dass sei doch völlig wurscht, ob erst heiß oder erst kalt. Kasperl erklärt ihm aber, wenn man erst heißes Wasser in die Wanne lässt und dann auf das kalte vergisst, bevor man hinein steigt oder gar hinein fällt, dann kann man sich arg verbrühen. Seppl überlegt kurz und muss ihm dann Recht geben. Wenn man erst kaltes Wasser rein lässt und die Wanne dann mit heißem auffüllt, wird es nur langsam wärmer. Und wenn die Temperatur passt, dreht man den heißen Wasserhahn ab. Vorsichtig hält Kasperl immer wieder den Zeigefinger ins Wasser und als es eine angenehme Wärme hat, dreht er den Hahn ab. Genau in dem Moment klopft Großmutter schon an die Tür und ruft: „Was ist denn ihr Zwei! Schaut, dass Ihr bald fertig werdet! Das Abendessen steht schon auf den Tisch!“ – Das Wort „Abendessen“ wirkte wie ein Zauber! – Flugs waren Beide aus sämtlichen Kleidungsstücken gehüpft und Seppl wollte mit Anlauf in den Badewanne springen. – Zum Glück konnte ihn Kasperl gerade noch aufhalten! – „Nicht doch, Seppl! Man springt nicht in die Badewanne. Denn dabei kann man leicht ausrutschen und sich Arme und Beine brechen!“ Seppl sieht das ein und so steigen Beide vorsichtig ins reinigende Nass. Kaum sitzt Seppl in der Wanne platscht er wild mit den Händen und Füßen im Wasser herum, dass es nur so spritzt. Natürlich bekommt Kasperl dabei jede Menge Wasser ins Gesicht und schimpft: „Mensch, Seppl, plantsch doch nicht so narrisch! Du spritzt ja das ganze Badezimmer nass! Da ist Großmutti hinterher bestimmt sauer, wenn sie das sieht!“ Gut! – Seppl hört mit der Wasserspritzerei auf, dafür fängt er zu Singen an:
„In der Badewanne bin ich Kapitän,
ja in der Badewanne ist es wunderschön……“
Leider ist sein Gesang sehr falsch und klingt fürchterlich! – Kein Wunder, dass ihn Kasper bittet, sofort damit aufzuhören! „Also gut“, meint Seppl, „wenn ich nicht selbst singen darf, dann will ich beim Baden wenigstens Radio hören!“ – Nur zu dumm, das Radiogerät steht ein Stück weg auf dem kleinen Schränkchen. Seppl versucht aber, sich soweit aus der Wanne zu strecken, bis er es erreicht. – Kasperl hält ihn aber fest und zieht ihn in die Wanne zurück. „Nicht Seppl, wenn man im Wasser ist, darf man keine elektrischen Geräte anfassen!“ Seppl findet das sehr unlogisch, denn – schlau wie er ist – weiß er, dass die Waschmaschine auch elektrisch und mit Wasser gefüllt ist. Also wehrt er sich gegen Kasperl und will unbedingt das Radiogerät anfassen.
In diesem Moment erklingt eine geheimnisvolle Melodie und das Badezimmer wird von grellem Licht erstrahlt. Beide hören eine helle Stimme: „Halt, Seppl, sei nicht leichtsinnig und setz dich sofort wieder in die Badewanne. Wenn du im Wasser bist und Geräte anfasst, die an den elektrischen Strom angeschlossen sind, kannst du einen elektrischen Schlag bekommen und sterben!“ Beide sind vor Schreck ganz steif geworden. Kasperl als erstes den Mut und fragt fürchtig: „Hallo, wer spricht da zu uns? Wer bist du?“ – Da sagt die Stimme, dass sie Seppl’s Schutzengel sei und weist Beide nochmals darauf hin, dass es sehr leichtsinnig ist, wenn Mensch, Wasser und Strom zusammen kommen. Beide versprechen dem Schutzengel in Zukunft immer daran zu denken. Seppl setzt sich brav wieder in die Badewanne und bedankt sich bei seinem Schutzengel, dass er ihm vielleicht das Leben gerettet hat und er es nie mehr vergessen wird.
Dann verschwindet das grelle Licht und die geheimnisvolle Melodie verstummt. Noch zitternd vor Schreck sitzen Beide wie erstarrt in der Badewanne und erst nach kurzer Zeit sind sie wieder in der Lage, sich ordentlich von Kopf bis Fuß zu säubern.
Ihr, liebe Kinder, habt das sicherlich alles schon gewusst und seid nicht so leichtsinnig wie der Seppl! – Also macht keinen Blödsinn in der Badewanne und fasst, wenn ihr im Wasser seid keine elektrischen Geräte, wie Radios, Föns oder Ähnliches an, was am Strom angeschlossen ist. Nicht immer ist Euer Schutzengel gleich in der Nähe!
Niemals einen Unfall im Bad, in Küche und im ganzen Haushalt sowie für heute eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






