Eigentlich wollten Kasperl und Seppl heute wieder ins Freibad gehen. Doch weil es heute nicht so richtig sonnig und heiß war, machten sich Beide gleich nach dem Mittagessen zu einer Wanderung in die Berge auf. Unterwegs wollten sie nach seltenen Gebirgsblumen suchen und sie fotografieren. Abpflücken wollten sie die Blumen natürlich nicht, denn sie wissen gut genug, dass sie unter Naturschutz stehen.
Als sie nun müde und erschöpft wieder nach Hause kommen, hören sie schon ein Bruzzeln durchs offene Küchenfenster bis in den Garten. Seppl ist begeistert, dass Gretel schon dabei ist, das Abendessen zu machen. Er hat vom langen Marsch nämlich einen Bärenhunger mitgebracht und braucht jetzt nichts weiter, als was Deftiges in seinen Magen. Gretel hört die Beiden kommen und ruft zum Fenster hinaus: „Hallo, Ihr Zwei! Da seid ihr ja wieder! Gleich gibt’s Abendessen!“ Dann bittet sie Kasperl, ein Glas Erdbeermarmelade aus dem Keller zu holen. Während sich Kasperl artig sofort auf den Weg in den Keller macht, lümmelt sich Seppl außen auf das Fensterbrett und schaut in die Küche zur Gretel. Neugierig wie er ist, will er wissen, ob es wohl bloß Marmelade zum Abendessen gibt. Gretel beruhigt ihn und sagt ihm, dass sie gerade dabei ist Pfannkuchen zu backen, die sie dann mit Marmelade bestreichen und zusammen rollen. Darauf hin verzieht Seppl sein Gesicht und mit enttäuschter Miene meint er: „Na, mir wär aber ein Wurstbrot lieber, als so ein süßes Gepapp!“ Doch Gretel erinnert ihn daran, dass Freitag ist und deswegen gibt es heute weder Fleisch noch Wurst. Sie fordert Seppl auf, ins Haus zu gehen, seine Wanderschuhe auszuziehen, seine Hände zu waschen und sich an den Tisch zu setzen. – Naja, begeistert ist Seppl nicht, aber schließlich hat er einen Mordshunger und dann muss er heute wohl ohne Wurst und Fleisch satt werden. Kaum sitzt er am Tisch, kommt auch Kasperl mit dem Marmeladenglas aus dem Keller zurück, schraubt den Deckel auf und stellt es mitten auf den Tisch. Gretel legt auf jeden Teller einen knusprig, goldgelb gebackenen Pfannkuchen und erklärt Beiden, dass sie mit dem Löffel einen großen Klatsch Erdbeermarmelade in die Mitte des Pfannkuchens geben sollen, dann die Marmelade gleichmäßig verstreichen und den Pfannkuchen zusammenrollen. Seppl ist als Erstes damit fertig, schneidet ein Stück vom Pfannkuchen ab und steckt es sich gierig in den Mund. „Pfui! Ich!“, ruft er auf einmal so laut, dass Kasperl und Gretel erschrecken und ihre Gabel fallen lassen, „Die Marmelade schmeckt ja ekelhaft!“ Gretel kann sich das gar nicht vorstellen, sie essen sie doch oft genug zum Frühstück und auf den Brötchen schmeckt sie doch auch. Kasperl probiert auch seinen ersten Bissen von der Pfannkuchenrolle und muss dem Seppl ausnahmsweise Recht geben: „Brrrr, Gretel! Es stimmt! Die Erdbeermarmelade schmeckt eher wie Farbe!“ Gretel vermutet, dass sich wohl Seppl wieder einen seiner Streiche erlaubt und die Marmeladengläser im Keller leergenascht hat. Und damit es nicht gleich auffällt, hat er sie vermutlich mit roter Farbe wieder aufgefüllt. Doch Seppl schwört, dass er bestimmt nichts damit zu tun hat.
Kasperl beschließt, noch einmal in den Keller zu gehen, um nachzusehen, ob noch mehr solche falschen Marmeladengläser mit Farbe im Regal stehen. Klappernd schiebt er dort die Gläser herum und betrachtet sie. – Tatsächlich! – Er muss feststellen, dass noch mehr solcher falscher Marmeladengläser mit roter Farbe im Regal stehen. Lachend spricht er zu sich: „Hähähä, na wenn das nicht doch ein typischer Seppl-Streich war, würde ich mich sehr wundern!“ – In diesem Moment hört Kasperl ein leises „Piep, piep, piep!“ irgendwo im Keller. – Es kommt von der kleinen Kellermaus Rosa, die plötzlich auf Kasperls linkem Schuh Platz genommen hat. „Piep, piep, Kasperle“, sagt sie mit ihrer hohen Stimme, „es war nicht der Seppl!“ Sie berichtet ihm, dass die Hexe Schleckermaul die eigentlich Schuldige ist. Sie hat fünf Marmeladengläser mitgenommen und sie gegen die Farbgläser ausgetauscht. Kasperl wundert sich, wie es die Hexe Schleckermaul geschafft hat, in den Keller zu kommen. Die Kellermaus Rosa erzählt ihm, dass er und Seppl einmal nicht aufgepasst und die Kellertüre offen gelassen haben. Als sie dann im Garten spielten, konnte sich die Hexe unbemerkt in den Keller schleichen. Kasperl dankt der Maus Rosa für die Auskunft und macht sich gleich mit seinem Hund Bello auf den Weg zum Hexenhaus, um die Gläser wieder auszutauschen.
Bello nimmt die Spur der Hexe auf und führt Kasperl schnurstracks direkt zum Hexenhaus der Hexe Schleckermaul. Dort bittet ihn Kasperl einen Riesenspektakel zu machen und so heftig zu bellen, bis die Hexe aus dem Haus kommt. Dann soll er sie solange um das Haus herum jagen, bis er heimlich ins Haus gehen und die Farbengläser wieder gegen die echte Marmelade ausgetauscht hat.
Verständig und folgsam wie Bello ist, gehorcht er seinem Herrchen Kasperle und bellt wie wild vor der Hexenhaustür. Wütend kommt die Hexe heraus gehumpelt und Bello scheucht sie immer im Kreis um das Haus herum. Kasperl nutzt die Gelegenheit, als sie gerade hinter dem Haus sind, eilt hinein und tauscht die Gläser wieder aus. Dann versteckt er sich hinter einem Baum. Sein schlauer Bello hat dies sofort erkannt und läuft zu ihm. Die Hexe Schleckermaul ist froh, dass sie vor dem Hund wieder ihre Ruhe hat und geht wieder in ihr Haus zurück. Sie schmeißt die knarrende Tür ins Schloss und will sich über die leckere Erdbeermarmelade hermachen.
Kasperl und Bello schleichen sich derweil zu einem Fenster und beobachten die Hexe. Kasperl freut sich schon auf das dumme Gesicht der Hexe, wenn sie ihre eigene rote Farbe aus dem ersten Glas löffelt. – Und tatsächlich, nach der aufregenden Jagd mit Bello, öffnet die Hexe gleich eines der Gläser und steckt sich einen Löffel voll in den Mund. Doch leider ist es keine frisch-fruchtige Erdbeermarmelade, die auf ihrer Zunge landet. „Iiiiih! – Das ist doch keine Erdbeermarmelade!“, schreit sie wütend, „Das kann doch nicht sein, dass ich meine eigenen Farbengläser wieder mit zurück genommen habe! – Ich hab sie doch sicher ins Kellerregal beim Kasperl gestellt!“ Als Kasperl das beobachtet, kann er sich das Lachen nicht mehr verbeißen! – Sein „Hähähähähä!“ ist weit hören, ja sogar bis ins Hexenhaus! – Ja, er lacht sogar so laut, dass es selbst die schwerhörige Hexe mitbekommt. Sie reißt das Fenster auf und sieht davor Kasperle, der sich vor Lachen schon den Bauch hält. Sofort ahnt sie, dass er hinter diesem Streich steckt. „Ah, du blöder Kasperl,“ schimpft sie mit krächzender Stimme, „steckst wohl dahinter!“ Kasperl antwortet ihr nur lachend: „Ja, hähähä, Hexe Schleckermaul, denk an das Sprichwort – Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein! Hähä!“ Die Hexe Schleckermaul fleht ihn an, ihr doch wenigstens wieder ein Glas Erdbeermarmelade zu lassen. Kasperl aber empfiehlt ihr, sich doch selbst Erdbeermarmelade einzumachen, bevor sie diese woanders stiehlt.
Dann macht Kasperl kehrt und geht mit Bello und der richtigen Erdbeermarmelade wieder nach Hause zurück, denn er will nun endlich Gretels Pfannkuchen mit richtiger Erdbeermarmelade essen.
Habt Ihr, liebe Kinder, auch schon zu Abend gegessen? – Gab es vielleicht bei Euch auch gefüllte, süße Pfannkuchen mit herrlicher Erdbeermarmelade? – Wenn nicht, dann vielleicht nächsten Freitag. Eure Mama macht Euch die bestimmt gerne, wenn Ihr sie Euch wünscht.
Wir wünschen Euch auf alle Fälle für heute eine gute Nacht und hoffen, Ihr schlaft gut und träumt was Schönes! – Bis zum nächsten Mal: Euer Bamberger Kasperl und die Puppenbühne Herrnleben!
© Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






