Man spürt nun überall, dass der Winter so langsam Einzug ins Land hält. Bisher ist zwar noch nicht viel Schnee gefallen und es gibt auch immer noch schöne, sonnige Herbsttage. Doch in den Nächten ist es oft empfindlich kalt und frostig. Und wisst Ihr, liebe Kinder, wer für den vielen Frost sorgt? – Das ist das kleine Frostmännchen. – Heute ist es in den Garten von Kasperls Großmutter geraten und sucht nach Dingen, welches es mit seinen frostigen Händchen zwicken kann, damit es sich mit Reif überzieht. Es marschiert durch die Gemüsebeete. Doch da gibt es nichts mehr, was es frostig machen kann, denn Großmutter, Gretel und Kasperl haben schon längst alles abgeerntet. Aber irgendwas muss doch im Garten zu finden sein! – So tippelt das Frostmännchen weiter durch den Garten! –
Ja – da auf der Wiese sitzt doch etwas herum. Was mag das wohl sein? – Das Frostmännchen geht einmal näher heran und wundert sich: „Ui, frosti, frosti, das sind ja auch so kleine Zwerge wie ich! Frosti, frosti, die werde ich alle zwicken! – Den Brillenzwerg! – Zwick! – Den Pfeifenzwerg! – Zwick! – Und den Rotmützenzwerg! – Zwick!“ Einen Gartenzwerg nach dem anderen zwickt das Frostmännchen mit seinen kleinen eisigen Händen, bis der letzte Zwerg vom Frost überzogen aussieht, als wäre er mit weißem Zucker bestreut! –
Da öffnet sich auf einmal die Haustür! Ui, da kommt scheinbar jemand, denkt sich das Frostmännchen und versteckt sich schnell hinter einem Baum.
Es ist die Großmutter vom Kasperl, die nur – wie jeden Abend – kontrollieren will, ob das Gartentürchen auch richtig abgesperrt ist. Auf ihrem Weg durch den Garten fallen ihr die weißen Zwerge sofort ins Auge. Sofort kehrt die Großmutter wieder um und läuft ins Haus zurück. „Kasperl! Gretel!“, ruft sie ins Haus. „Habt ihr im Garten schon die weißen Zwerge gesehen?“ Kasperl meint dazu erst einmal nur lachend: „Hähähä, aber Großmutti unsere Gartenzwerge sind doch nicht weiß, sonder kunterbunt!“ Die Großmutter sagt ganz entrüstet: „Na so schlecht sehe ich alte Frau auch noch nicht, dass ich weiß nicht mehr von bunt unterscheiden kann!“ Sie vermutet, dass es den Zwergen zu kalt im Garten ist. Und bittet die Gretel und den Kasperl, sich erst einmal selbst davon zu überzeugen und die Zwerge dann einzusammeln und über den Winter in den Keller zu bringen!
Kasperl und Gretel springen gleich hinaus in den Garten und – sie müssen feststellen, dass die Großmutter wirklich Recht hatte. Alle Gartenzwerge sind tatsächlich ganz und gar weiß. Sollen sie wirklich gefroren sein? Kasperl kann sich das gar nicht vorstellen, denn so eisig kalt ist es doch gar nicht. Trotzdem fangen die Beiden an, die Zwerge einzusammeln.
„Au!“, schreit die Gretel plötzlich. „Mich hat etwas ins Bein gezwickt!“ Und gleich danach beginnt sie am ganzen Körper fürchterlich zu frieren, ihre Zähne klappern vor Kälte und ihre Hände und Füße sind im Nu eiskalt geworden. Kasperl eilt gleich zu Gretel hin, um sich zu erkundigen, was denn passiert ist. Da steht die Gretel vor ihm und zittert vor Kälte wie Espenlaub. Sie kann sich nicht mehr bücken und nichts mehr anfassen, so steif gefroren ist sie. Kasperl fordert sie auf, gleich ins Haus zu gehen und sich vor den heißen Herd in der Küche zu setzen und sich wieder aufzuwärmen. Er sammelt eben die Gartenzwerge solange alleine ein. Doch Gretel kann keinen Schritt mehr gehen und steht nur zitternd und zähneklappernd vor Kasperl. „Warte Gretel“, sagt Kasperl, „ich heb nur noch den einen weißen Zwerg auf und dann trag ich dich in die Küche!“ Als Kasperl den letzten Zwerg ergreift und hoch hebt, fängt dieser plötzlich das Zappeln an und schimpft: „He, frosti, frosti, was soll denn das? Lass mich sofort los! Du tust mir weh, frosti, frosti!“ Kasperl ist ganz erstaunt, dass der Gartenzwerg lebt und sprechen kann. Da sagt ihm das kleine Frostmännchen, dass es gar kein Gartenzwerg ist. Außerdem droht es Kasperl damit, ihn auch zu zwicken wie die Gretel, wenn er es nicht sofort wieder frei lässt. Dann muss er auch frieren und kann sich nicht mehr bewegen. Kasperl betrachtet den kleinen Zwerg erst einmal ganz genau und dann erkennt er den zappelnden Wicht: „Ja da schau her, du bist doch das kleine freche Frostmännchen! Hähä, ich muss dich wohl mit einem der weißen Gartenzwerge verwechselt haben!“ Dem Frostmännchen ist das egal. Es fordert Kasperl auf, es sofort wieder frei zu lassen. Kasperl will das gerne tun, aber erst, wenn ihm das Frostmännchen verspricht, nie mehr seine Gretel oder andere Kinder zu zwicken, dass sie so arg frieren müssen. Dem Frostmännchen bleibt nichts anderes übrig, als dem Kasperl das Versprechen zu geben, wenn es wieder frei sein will. Kasperl setzt es darauf hin wieder in die Wiese und scheucht ihn aus dem Garten. Schnell flüchtet das kleine Frostmännchen. Aber ihr könnt sicher sein, das Frostmännchen wird weiter durch die Gärten sowie die Natur ziehen und Pflanzen, Gartenzäune, Spielgeräte und andere Sachen zwicken. Wenn ihr euch am morgen auf euerem Weg zur Schule oder in den Kindergarten genau umseht, werdet ihr sicher sehen, was das Frostmännchen über Nacht wieder alles gezwickt hat. Euch dürfte allerdings nichts passieren, denn es hat ja dem Kasperl versprochen, keine Kinder mehr zu zwicken und frieren zu lassen.
Kasperl legt alle anderen Gartenzwerge erst einmal wieder ins Gras und trägt erst einmal die frierende Gretel in die Küche, damit sie vor dem heißen Ofen wieder auftauen kann. Damit das schneller geht, kocht ihr die Großmutter noch einen heißen Kräutertee.
Dann holt Kasperl die Gartenzwerge und legt sie ins Kellerregal, wo sie sich auch wieder aufwärmen und bis zum Frühjahr schlafen können.
Ihr, liebe Kinder, legt euch jetzt auch schön in Euer warmes Bettchen und schlaft nun auch – natürlich nicht bis zum Frühjahr, sondern nur bis morgen Früh!
Eine gute Nacht und immer warme Füße wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2009)






