Viele von Euch, liebe Kinder, sind noch im Kindergarten, aber eine ganze Menge sind schon älter und müssen jeden Tag in die Schule gehen. Kasperl, Gretel und Seppl sind auch schon in der Schule und die Großmutti richtet ihnen jeden Morgen ein gesundes Frühstück für die Pause zusammen, mit Vollkornbrot, Käse, Obst und anderen gesunden leckeren Sachen, damit sie nach der Pause wieder fit für den Unterricht sind. Für Prinzessin Hannah packt der Schlosskoch auch immer ihre goldene Dose mit einem kräftigen Pausebrot und gesunden Vitaminen zusammen. Für Euch, liebe Kinder füllt Euere Mama oder Großmutti bestimmt auch jeden Tag eine Dose, damit ihr Euch während der Pause in der Schule oder im Kindergarten stärken könnt.
Kasperl hat seine Dose schon in den Schulranzen gepackt und macht sich auf den Weg zu Prinzessin Hannah, die er – wie jeden Tag – beim Königsschloss abholt.
Doch, Prinzessin Hannah wird wieder einmal nicht fertig und trödelt herum. Ihr Vater, der König treibt sie schon an: „Beeil dich, Hannah! – Du musst doch zur Schule! – Gleich wird Kasperl kommen und dich abholen!“ Prinzessin Hannah schlupft schnell in ihren dicken Mantel und huckelt ihren Schulranzen auf. Gerade noch, bevor sie zum Schlosstor hinausgeht, kommt König Georg schnaufend herbei geeilt: „Halt, langsam, Prinzessin Hannah! Du hast schon wieder dein Pausenbrot vergessen! – Unser Schlosskoch Maximilian hat dir wegen dem Erkältungswetter extra lauter gesunde Sachen in deine goldene Dose gepackt!“ Prinzessin Hannah steckt die Dose aber nicht gleich in ihren Schulranzen, sondern öffnet sie erst einmal, um nachzusehen, was ihr der Koch wohl hinein getan hat. „Was ist denn da drin?“, ruft sie entsetzt. „Eine Banane! – Die soll ich essen? – Da komm ich mir ja vor wie Jane, die Frau von Tarzan! – Die hat sich im Urwald auch nur von Bananen ernährt!“ – König Georg erklärt ihr, dass Bananen sehr gesund sind, weil sie viel Calcium und Vitamin C haben. Hannah will aber in der Pause keine Banane essen. Sie meint, die anderen Kinder lachen sie damit nur alle aus. König Georg redet aber mit sanfter Stimme auf sie ein und macht ihr klar, dass man in der kalten Jahreszeit täglich Vitamine braucht. Er bietet ihr an, statt der Banane, wenigstens einen Apfel oder eine Orange mitzunehmen. Doch Äpfel und Orangen mag Hannah auch nicht. König Georg weiß keinen Rat mehr, wie er die Prinzessin davon überzeugen kann, etwas Obst für die Pause mitzunehmen.
In diesem Moment klopft es an der Schlosstür und Kasperle tritt herein. „Guten Morgen, Herr König!“, begrüßt er die Majestät und fragt: „Ist Prinzessin Hannah fertig?“ Der König schüttelt nur verzweifelt den Kopf und meint: „Nein! – Aber ich bin fix und fertig!“ Dann berichtet er, welcher Jammer es mit Hannah ist, weil sie keine Banane oder ein anderes Obst für die Pause mitnehmen will. Kasperl versucht dann, die Prinzessin davon zu überzeugen, wie gut eine Banane schmeckt. Seine Großmutti gibt ihm auch immer irgendein Obst zum Pausebrot mit. Erstens ist das sehr gesund und zweitens auch noch sehr erfrischend. Prinzessin Hannah merkt gleich, dass Kasperl genauso ein Gesundheitsapostel ist, wie ihr Vater. Da sie keine Lust hat, noch länger zu diskutieren, packt sie die Dose mit der Banane halt doch in ihren Schulranzen und macht sich mit Kasperl mürrisch auf den Schulweg. Unterwegs spricht sie erst lange kein Wort mit Kasperle, doch dann kommt ihr eine Idee. „Du, Kasperl“, fragt sie ihn kleinlaut, „wollen wir nicht unser Pausebrot tauschen? – Mit der Banane mach ich mich doch nur lächerlich!“ – Sicherheitshalber erkundigt sie sich aber vorher noch, was denn Kasperl wohl dabei hat. – Als er ihr von seinem Vollkornbrot mit Käse und dem Apfel erzählt, zieht es Hannah vor, sich lieber unterwegs etwas Süßes beim Bäcker zu kaufen. Doch das lässt Kasperl nicht zu, weil sie damit nur ihren Zähnen schadet. Außerdem hat sie dann nichts Kräftiges im Magen, um die Schulstunden nach der Pause durchzuhalten. Nun ist Prinzessin Hannah wieder beleidigt. Kasperl kann darüber nur lachen und ist sich sicher, wenn es zur Pause läutet, hat sie bestimmt tüchtig Hunger und dann wird ihr das Brot und die Banane auch schmecken.
In der Schule trennen sich ihre Wege, weil sie nicht in derselben Klasse sind. In der Pause wollen sie sich aber wieder treffen.
Im Nu sind die ersten Schulstunden auch vorüber und es läutet zur Pause. Mit lautem Geschrei stürmen alle Kinder in den Schulhof, mittendrin Prinzessin Hannah mit ihrer goldenen Dose in der Hand. Auf die Banane hat sie aber trotzdem keine Lust. Aber, was soll sie damit machen? – Sie muss sie loswerden, bevor Kasperl kommt. Sie schaut sich kurz um, ob Kasperle schon in der Nähe ist. – Noch ist nichts von ihm zu sehen! – Schnell öffnet sie ihre Dose und lässt die Banane einfach zwischen den Kindern auf die Erde fallen. Erleichtert sagt sie zu sich: „So, weg ist das krumme Affenfutter!“ –
Unschuldig dreinschauend entfernt sie sich von der Stelle und schön läuft sie Kasperl in die Arme. Freude strahlend berichtet sie Kasperl: „Du Kasperl, ich hab die Banane schon ganz und gar aufgegessen! – Und sie hat mich wirklich so fit gemacht, dass ich jetzt Lust habe, mit dir Fangerles zu spielen!“ – Kasperl aber bittet sie, das nicht zu tun, denn sie dürfen doch im Schulhof nicht umeinander rennen! – Hannah meint aber, er soll kein Spaßverderber sind und rennt einfach los. „Fang mich doch! – Fang mich doch!“, ruft sie dabei und rennt kreuz und quer zwischen den Kindern hindurch. Kasperl ruft ihr nach, sie soll stehen bleiben, bevor sie die kleinen Schulkinder umwirft. Doch Hannah hört nicht und rennt, ohne auf die anderen zu achten weiter und weiter. – Kasperl bleibt nichts anderes übrig, als ihr doch hinterher zu gehen und sie zu bremsen. „Bleib endlich stehen, Hannah!“, ruft er dabei. „Wenn du so narrisch herum rennst, fällst du nur hin und machst dein schönes Kleid kaputt!“ – Kaum hat er das gerufen, hört er einen Aufschrei von der Prinzessin und sie ist nicht mehr zu sehen. – „Auweh!“, denkt sich Kasperl. „Da ist’s schon passiert!“ Er wühlt sich zwischen der Kindermenge hindurch und sieht mittendrin die Prinzessin am Boden liegen. Weinend vergräbt sie ihr Gesicht in den Händen: „Au, auweh, Kasperle, ich glaube, ich habe mir den rechten Arm gebrochen!“ – Kasperle schaut sich den Arm an und es scheint, dass sie sich nur das Handgelenk verstaucht hat. Kasperle muss ihr da schon Vorwürfe machen. Es wäre nämlich nicht passiert, wenn sie nicht so ungestüm durch den Pausenhof geflitzt wäre. Aber sie hat ja nicht auf ihn hören wollen. – Hannah entschuldigt sich weinerlich, dass sie doch wirklich nicht dazu kann. Es wäre ja nichts geschehen, wenn sie nicht ausgerutscht wäre. Kasperl sucht einmal den Boden ab, was sie da wohl zu Fall brachte. – Und – was entdeckt er am Boden? – „So was Leichtsinniges!“, meint Kasperl. „Wenn der, dem die Banane gehört, sie gegessen hätte, statt sie einfach wegzuwerfen, wäre sie nicht zu einer Gefahr geworden!“
Auf einmal erklingt eine helle, geheimnisvolle Melodie und in einem grünen Lichtkegel erscheint eine schöne Fee. – Kasperl erkennt sie – Es ist die gute Schülerfee! – Mit heller, glockenreiner Stimme spricht sie zur Prinzessin: „Ja, Prinzessin Hannah, es war deine eigene Banane, die für dich zu einer Falle geworden ist!“ – Kasperl glaubt, er hört nicht richtig! – Es war also Hannah’s Banane! – „Ich – ich“, stammelt die Prinzessin, „ich muss sie wohl verloren haben!“ – Doch die Schülerfee kennt natürlich die Wahrheit und bittet die Prinzessin doch zuzugeben, dass sie die Banane nicht verloren, sondern sie einfach weggeworfen und sich selbst damit in Gefahr gebracht hat. Schluchzend gibt Hannah ihren Fehler zu und sieht ein, dass es besser gewesen wäre, die Banane zu essen. Hannah verspricht der Schülerfee, so etwas nie mehr zu tun und immer brav alles zu essen, was ihr der Schlosskoch mitgibt.
Die Schülerfee glaubt ihr und weil die Prinzessin so einsichtig ist, will ihr die Fee auch ihren Arm wieder in Ordnung bringen. Sie hebt ihren goldenen Stab hoch und spricht:
„Prinzessin, vergiss nicht, Obst ist gesund,
drum heile dein Arm in dieser Sekund’!“
Es ertönt ein Glockenschlag und Hannah kann ihren Arm wieder bewegen, als wenn nichts gewesen wäre. – Artig bedankt sie sich bei der Schülerfee.
Kasperl findet, dass Hannah gerade noch einmal Glück gehabt hat. Aber sie soll sich für die Zukunft merken, dass man Obst und Obstschalen nicht einfach irgendwo hinwirft, denn leicht kann jemand darauf ausrutschen! – Aus diesem Grund sind ja dafür überall Abfalleimer aufgestellt! – Hannah wird das bestimmt nie mehr tun, sondern ab jetzt brav immer jedes Obst essen.
Ihr, liebe Kinder, esst hoffentlich auch immer viel Obst! – Gerade in der kalten Jahreszeit. Denn da liefert Euch alles Obst das wichtige Vitamin C und viele andere Vitamine. Wir wollen schließlich alle, dass Ihr immer gesund und fit bleibt. Vielleicht esst Ihr auch schon morgen zum Frühstück etwas Obst oder ein Müsli mit Früchten.
Und damit Ihr morgen Früh auch wieder fit seid, wird es Zeit, dass Ihr jetzt schön Heia macht.
Eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






