Liebe Kinder, Ihr habt an Ostern sicher alle Euer Osternest gefunden, gell? – Sicher steht es noch irgendwo in Euerer Wohnung oder Euerem Haus, auf einem Tisch, auf einem Schränkchen oder unter dem Bett. – Oder habt Ihr es schon leer gegessen und bis zum nächsten Jahr wieder weg geräumt? – Nein, gell! – Ihr seid sicher alle kleine Genießer, die nur sparsam jeden Tag etwas aus dem Osternest naschen, damit der Vorrat an Ostereiern möglichst lange reicht!
Kasperl und Gretel naschen jeden Tag nach dem Abendessen auch nur ein Osterei oder vielleicht einmal zwei aus ihrem Nest. – Nur der nimmersatte Seppl konnte sich wie immer nicht beherrschen! – Er hat sein Osternest schon fast leer gefuttert. Es sind nur noch zwei Schokoladeneier und ansonsten nur noch Moos drin. Gretel kann das gar nicht glauben, hebt das Moos hoch und sieht nach, ob nicht vielleicht darunter noch ein paar Ostereier versteckt sind. – Doch es ist kein weiteres Ei zu finden. Gretel kann es gar nicht glauben, dass Seppl sein Nest schon wieder fast leer gegessen hat. Sie und Kasperl haben ja auch noch jede Menge Ostereier in ihren Nestern. Seppl kann sich das nur damit erklären, dass der Osterhase bei Gretel und Kasperl wahrscheinlich mehr Ostereier ins Nest gelegt hat, als bei ihm. Dabei hatte er sich extra das größte Nest ausgesucht und mit viel frischem Moos ausgelegt. Kasperl weiß, dass das Absicht von Seppl war. Vor Schadenfreude muss er Seppl auslachen, denn deswegen hatte ihm der Osterhase auch nicht mehr Eier ins Nest gelegt. Gretel bestätigt auch, dass in allen drei Nestern die gleiche Anzahl von Ostereiern war. Doch, wenn man so gierig ist, wie der Seppl, dann ist im Nest nach ein paar Tagen eben nichts mehr drin. Seppl bringt zu seiner Entschuldigung nur vor, dass Ostereier eben nur an Ostern richtig gut schmecken. Und bevor die letzten beiden Schokoladeneier am Ende alt werden oder Kasperl und Gretel sie ihm wegessen, nimmt er seine beiden Schokoeier lieber aus dem Nest. Dann geht damit auf die Terrasse, setzt sich auf einen Gartenstuhl und will sie sich schmecken lassen.
Doch dann zögert er und betrachtet die zwei letzten Schokoladeneier, die ihm noch geblieben sind. Wenn er die auch genascht hat, dann hat er ja gar keine Eier mehr, denkt er sich. Er überlegt kurz und dann sagt er zu sich: „Hmmm, zaubern müsste man können. Dann könnte ich aus den beiden kleinen Eierchen, riesengroße Schokoladeneier zaubern, die mir bis zum nächsten Ostern reichen! – Aber wie?“ – In diesem Moment kommt Bello an, macht Männchen vor Seppl und bellt! – Er möchte, dass Seppl mit ihm spielt, wenn er schon im Garten ist. Aber Seppl hat jetzt keine Zeit und fordert Bello auf, doch still zu sein. Er muss schließlich überlegen, was er mit den beiden kleinen Eiern machen könnte. – Da kommt ihm eine Blitzidee! – Er könnte doch zum guten Zauberer Klackeradatsch ins Zauberschloss gehen. Genau – der kann ihm aus den beiden kleinen Schokoeiern bestimmt zwei riesengroße Schokoladeneier zaubern. Da Bello immer noch um ihn herumspringt, beruhigt er ihn und schlägt ihm vor: „Weißt du was, Bello? Wir Beide könnten etwas Gassi gehen! Kommst du mit?“ – Na, das lässt sich Bello nicht zweimal sagen. Vor Begeisterung wedelt er mit dem Schwanz und springt vor Freude neben Seppl her.
Da das Schloss des Zauberers nicht weit weg ist, sind die Zwei rasch dort angekommen. Seppl klopft an das alte Holztor und ruft: „Hallo, Zauberer Klackeradatsch! Mach bitte einmal auf! Ich bin’s, der Seppl!“ – Es dauert nicht lange, da öffnet der Zauberer das Tor und wundert sich, warum Seppl so spät am Abend noch zu Besuch kommt. Da zeigt ihm Seppl die zwei kleinen Schokoladeneier und fragt ihn, ob er daraus vielleicht zwei große Eier zaubern könnte. Da Seppl weiß, das der Zauberer auch gerne Schokolade isst, bietet er ihm als Belohnung eines der großen Eier an, wenn der Zauber wirklich geklappt hat. – Dieser Verlockung kann der Zauberer nicht widerstehen und meint, es sei für ihn doch kein Problem. Seppl sagt zu Bello, er soll hier schön heraußen vor dem Zauberschlosstor auf ihn warten, bis er wieder zurückkommt. Bello gehorcht brav und setzt sich ins Gras, während Seppl mit dem Zauberer im Schloss verschwindet.
Seppl ist ganz gespannt, ob der Zauberer dieses Kunststück wirklich schafft. Zauberer Klackeradatsch ist sich allerdings ganz sicher, dass er in seinem Zauberbuch den passenden Zauberspruch findet. Nach dem er kurz in dem dicken Buch geblättert hat, ist er fündig geworden. Er bittet Seppl, die Eier auf den Boden zu legen und spricht:
„Schokoladeneier, simsalabimmer,
werden so groß, wie ein ganzes Zimmer!“
Es wird kurz dunkel, es donnert und rumort, blitzt und als es wieder hell ist, sind aus den kleinen Ostereiern tatsächlich riesengroße Schokoladeneier geworden. Sie sind so groß, dass vom Boden bis zur hohen Decke des altertümlichen Schlosses reichen! – Aber, wo sind der Seppl und der Zauberer? – Sie sind nirgends mehr zu sehen! – Auf einmal sind leise Klopfzeichen zu hören und eine gedämpfte Stimme! – Sie stammt von Seppl: „Hallo, Zauberer Klackeradatsch, was hast du denn gemacht? – Ich bin hier in einem riesengroßen Schokoladenei gefangen und kann nicht mehr heraus!“ – Aber nicht nur der Seppl! – In dem anderen Riesenei ist der Zauberer eingeschlossen. Er vermutet, dass an seinem Zauberspruch etwas nicht in Ordnung gewesen sein muss. Aber, wie sollen sie nur aus den beiden Riesenschokoeiern wieder frei kommen? – Die Eier haben ganz dicke Schalen und um sich da durch zu beißen, müssten sie jede Menge Schokolade vertilgen. Doch soviel Schokolade auf einmal kann kein Mensch vertragen. Seppl bittet den Zauberer, den Zauberspruch doch einfach wieder rückgängig zu machen. Zauberer Klackeradatsch muss ihm aber gestehen, dass dies so einfach nicht geht. Dazu müsste er nämlich einen passenden Zauberspruch sagen. Das geht aber nicht, denn dazu bräuchte er sein Zauberbuch. Aber das liegt dummerweise draußen neben den Eiern auf dem Tisch.
Auf einmal hören Beide, dass die Zimmertür knarrend geöffnet wird. Der Zauberer fragt nach, wer sich da in sein Schloss gewagt hat. Es ist Kasperle, den Bello hierher gelockt hat, weil es ihm wohl draußen vor dem Schloss alleine zu langweilig geworden ist. Kasperl zwängt sich zwischen den riesigen Eiern hindurch, geht drum herum, aber er sieht weder den Zauberer, noch den Seppl. Weil er sie nicht findet, ruft er nach den Beiden: „Hallo, Seppl! – Hallo, Zauberer Klackeradatsch! – Wo seid ihr? – Ich sehe hier bloß zwei Rieseneier! – Wo kommen die her?“ – Da hört er Seppls Stimme: „Wir sind hier herinnen, Kasperl! – Hol uns da heraus!“ Kasperl will wissen, wo sie drinnen sind. Da meldet sich auch der Zauberer: „In den Eiern, Kasperl! – Seppl ist in dem einen und ich in dem anderen Ei!“ Seppl bittet Kasperl, ihnen doch zu helfen. Aber, wie soll Kasperl das tun? – Soll er sich wie ein Maulwurf durch die dicken Eierschalen beißen, bis die Löcher so groß sind, dass Beide wieder nach draußen kriechen können? – Nein, soviel Schokolade verträgt Kasperls Magen auf einmal nicht. Da würde es ihm ja nur schlecht werden! – Aber, wie soll er die Beiden sonst aus dem Schokoladengefängnis befreien? – Der Zauberer macht ihm einen Vorschlag. Kasperl soll einfach im Zauberbuch auf dem Tisch nachsehen. Er erinnert sich, dass auf Seite 835 ein Spruch steht, mit dem man alles wieder klein machen kann. Kasperl blättert in dem staubigen Buch und findet tatsächlich den passenden Spruch. „Also gut“, Zauberer Klackeradatsch, „dann versuch ich mich mal als Zauberkünstler!“ Mit mächtiger Stimme und ganz theatralisch spricht Kasperl laut den Spruch:
„Simsalabim, simsalabein,
Rieseneier werdet wieder klein!“
Nach erneutem Donnern, Rumoren, Blitzen und einer kurzen Dunkelheit stehen Seppl und der Zauberer wieder direkt vor Kasperl. – Und wo sind die großen Schokoladeneier? – Na, ganz einfach! – Sie wieder so klein geworden, wie sie vorher waren und liegen wieder auf dem Fußboden. Seppl bedankt sich bei seinem Freund, dass er sie ihn aus dem Schokoladengefängnis befreit hat. Auch Klackeradatsch bedankt sich bei Kasperl und ist froh, dass ihn Bello zum Glück ins Zauberschloss gelockt hat. Seppl muss zugeben, dass das große Ei wohl auch für ihn zuviel Schokolade gewesen wäre, obwohl er ja wirklich gerne Schokolade isst. Kasperl kann ihn auch nur darauf hinweisen, dass Schokolade zwar gut und lecker ist, aber jeden Tag zuviel davon, ist trotzdem ungesund.
Seppl sieht das nun auch ein und deshalb gibt er dem Zauberer ein Schokoosterei ab, auch wenn es nicht mehr so groß ist.
Ihr, liebe Kinder wisst sicher auch, dass man auf einmal nicht zu viele Schokoladen- und Zuckereier essen soll, denn erstens ist es ungesund und zweitens habt ihr dann viel länger Freude an Euerem Osternest.
Bestimmt habt Ihr heute schon ein Ostereier gegessen. Wenn noch nicht geschehen, dann nach dem Naschen noch die Zähne putzen und dann „Hokus-pokus-verschwindibus“ ab in Euer Bett.
Eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






