Kasperl und Seppl spielen bei dem herrlichen Sommerwetter schon den ganzen Nachmittag im Garten. Der Gretel war es aber zu heiß in der prallen Sonne und bei der Schwüle. Sie ist deshalb in der kühlen Küche geblieben, hat geputzt, den Herd und den Kühlschrank sowie das Küchenbuffet ausgewaschen und gereinigt. Auch die Speisekammer hat sie sauber gemacht und wieder schön eingeräumt. Bei der Gelegenheit hat sie auch einen ganzen Korb mit leeren Saftflaschen gefüllt, die sich in der Speisekammer angesammelt haben.
Nun will sie noch Rühreier mit Speck und einen bunten Salat fürs Abendessen zubereiten. Als sie den Korb mit den Eiern aus der Speisekammer holt, wäre sie beinahe über den Flaschenkorb gefallen. – Aber sie konnte gerade noch das Gleichgewicht halten, sonst wären die Eier alle auf dem frisch geputzten Küchenboden gelandet. Damit ihr das am Ende nicht noch einmal passiert ruft sie durch das offene Küchenfenster nach dem Seppl. Der nimmersatte Seppl denkt natürlich, das Abendessen ist schon fertig und kommt sofort angerannt. Doch Gretel muss ihn enttäuschen. Erstens hat sie noch gar nicht damit angefangen und der Tisch muss auch erst noch gedeckt werden. Dafür hat sie aber eine kleine Arbeit für den Seppl. Dieser ist natürlich gar nicht begeistert, dass er mit dem Korb voll leerer Flaschen noch bis zu den Glascontainern laufen muss. „Ach immer ich! Kann das nicht der Kasperl machen?“, fragt er mürrisch. Außerdem muss er sich erst stärken, weil der Korb bestimmt ganz schwer ist. Er schlägt vor, erst nach dem Abendessen zu gehen. Gretel lässt aber nicht mit sich handeln, denn sie kennt den Seppl. Nach dem Abendessen kann er sicher auch wieder nicht gehen, weil sein Bauch so voll ist und er sich nicht mehr bewegen kann. Kasperl ruft sie dafür herbei, damit er inzwischen den Tisch deckt und später will sie ihn in den Keller schicken, um neuen Vorrat verschiedener Säfte zu holen. Aber das kann er erst dann tun, wenn der Korb leer ist. Also bleibt dem Seppl nichts anderes übrig, als doch mit dem Korb los zu marschieren. Sie ruft ihm noch hinterher, dass er die Verschlüsse noch abschrauben muss und die Glasflaschen in die richtigen Löcher für grünes, braunes oder weißes Glas werfen muss. Seppl schimpft vor sich hin und geht mit dem klappernden Korb den langen Gartenweg entlang. Eigentlich ist der Weg zu den Glascontainern gar nicht so weit, denn sie stehen gleich in der nächsten Seitenstraße. Weil Seppl schon gar keine Lust hat, ist ihm der Korb natürlich angeblich viel zu schwer. Bei jedem zweiten Schritt wechselt er den Korb von der linken in die rechte, dann wieder von der rechten in die linke Hand und so weiter. Als er am Gartentürchen ankommt, fällt ihm was Besseres ein. Warum soll er denn bis zu den Glascontainern laufen. Hier am Zaun steht doch ihr Mülleimer für den Restmüll, der wird doch sowieso jede Woche geleert. Da können die Müllmänner doch auch die Glasflaschen mitnehmen. Schließlich sind leere Flaschen doch auch nur Abfall, denkt er sich. Also öffnet er den Deckel und lässt die Flaschen nacheinander schön vorsichtig in die Mülltonne rutschen, damit die Gretel das Klappern nicht hört. Dann schlendert er mit dem leeren Korb wieder zum Haus zurück. Kasperl wundert sich, dass Seppl schon wieder da ist. Doch dieser erwidert nur: „Ja, logisch! Wenn ich Hunger hab, dann bin ich flink wie ein Wiesel!“ Dann drückt er dem Kasperl den leeren Korb in die Hand und schickt ihn in den Keller, um neuen Saft zu holen. Seppl will mit seiner Uhr die Zeit stoppen, um zu vergleichen, ob Kasperl genauso schnell wieder da ist, wie er vom Glascontainer. Als Kasperl wieder in der Küche ankommt, meint Seppl, er war viel schneller! – Naja, ist ja auch kein Wunder! – Aber, wie das ging, weiß nur der Seppl! – Oder doch auch noch jemand anderes? –
Ja! – Nämlich der Umweltgnom Fredy! - Dieser hat nämlich den Seppl beobachtet, wie er die leeren Saftflaschen einfach in die Hausmülltonne geworfen hat. Und das ärgert den Umweltgnom, der immer unterwegs ist, um große Leute und Kinder zu beobachten, ob sie sich auch wirklich an die Regeln des Umweltschutzes halten. Und wer dagegen verstößt und von ihm dabei erwischt wird, dem erteilt er dann eine Lehre. Umweltgnom Fredy überlegt kurz und dann kommt ihm eine gute Idee. Er holt die Flaschen alle wieder aus der Mülltonne und stellt sie in Reih und Glied auf dem Gartenweg hintereinander auf. Dann stellt er sich davor und kommandiert die Flaschen: „Achtung! Alle Flaschen hören jetzt auf mich, den Umweltoffizier Fredy! Wir marschieren jetzt wieder zum Seppl zurück! – Im Flaschenschritt – Marsch! – Links – zwei – drei – vier, Links – zwei – drei – vier …….!“ Und tatsächlich folgen ihm die Flaschen wie Soldaten mit lauter Geschepper bis zur Haustür! Fredy lässt die Flaschen wieder anhalten: „Abteilung Halt!“ Dann klingelt er Sturm mit der Türglocke! –
Kasperl wundert sich, wer so spät am Abend noch kommt und so narrisch mit der Glocke läutet. Er öffnet die Tür und wundert sich über die Flaschenarmee, die in einer Linie aufgereiht vor der Tür steht. Gretel, die inzwischen auch herbeigeeilt ist, erkennt sofort, die leeren Saftflaschen, die sie am Nachmittag in den Korb geschlichtet hat. Da tritt der Umweltgnom Fredy nach vorne, den Kasperl und Gretel gut kennen. Gretel will von ihm wissen, warum er sie nicht in den Glascontainern gelassen hat. Fredy hat da eine Erklärung: „Ganz einfach, weil sie dort gar nicht drin waren!“ Sofort ruft Gretel den Seppl herbei und will von ihm wissen, wo er die Flaschen hingeworfen hat. Kleinlaut und stotternd gibt Seppl zu, dass er sie nur draußen in die Hausmülltonne geworfen hat. Zu seiner Entschuldigung ergänzt er nur: „Das ist doch wurscht, wo man die leeren Flaschen hinschmeißt. Die Müllabfuhr schüttet doch sowieso alles wieder durcheinander!“ Doch der Umweltgnom Fredy muss ihm eines Besseren belehren und erklärt ihm, dass die Glasflaschen aus den Glascontainern vom übrigen Hausmüll getrennt bleiben. Sie werden nämlich nicht verbrannt oder auf den Müllberg gekippt, sondern wieder eingeschmolzen und zu neuen Flaschen verarbeitet. Und deshalb müssen vorher die Verschlüsse abgeschraubt und die Glasflaschen nach grün, weiß und braun sortiert eingeworfen werden.
Seppl hat sich das alles genau angehört und steht ganz betröppelt da. Er verspricht dem Umweltgnom Fredy, zukünftig alles für den Umweltschutz zu tun, damit dieser sich nicht mehr über ihn ärgern muss. Dann macht Seppl kehrt und will wieder ins Haus zurück, dabei murmelt er nur noch kurz in seinen nichtvorhandenen Bart: „Also dann, Umweltgnom Fredy, jetzt kannst die Flaschen zum Container marschieren lassen! Servus!“ Doch so hat sich das der Umweltgnom Fredy nicht gedacht. Er springt dem Seppl hinterher und zieht ihn an den Hosenträgern seiner Lederhose wieder heraus. „Ja, freilich, du Schlauberger!“, sagt Fredy im Befehlston, „Das würde dir so passen! Zur Übung trägst du sie schön selbst zu den Glascontainern und wirft sie ohne Deckel richtig sortiert ein!“ Seppl merkt schon, ihm bleibt nichts anderes übrig. Er holt den Korb wieder aus der Küche und macht sich mit den Flaschen auf den Weg. Kasperl und Gretel können nur herzhaft über Seppls Niederlage lachen.
Ihr, liebe Kinder haltet Euch bestimmt immer brav an den Umweltschutz und ärgert den Umweltgnom Fredy nicht. Eure Eltern und Geschwister ärgert ihr hoffentlich auch nicht, so dass ihr alle in friedlicher Stimmung in Euer Bettchen marschieren könnt.
Die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl wünschen Euch einen ruhigen Schlaf und eine gute Nacht!
© Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






