Ja, liebe Kinder, die Weihnachtsfeiertage, Silvester und der Neujahrstag sind vorüber. Sicher habt ihr in der Neujahrsnacht auch länger aufbleiben und das Feuerwerk um Mitternacht zum Jahreswechsel ansehen dürfen. Gretel, Kasperl und Seppl durften das auch und haben dafür an Neujahr bis kurz vor Mittag geschlafen. Dann sind sie aber schnell aufgestanden, denn sie wollten das Neujahrsskispringen in Garmisch-Partenkirchen im Fernsehen nicht verpassen. Heute ist aber wieder Ruhe eingekehrt, aber die Spuren von der Silvesternacht sind noch auf den Straßen zu sehen. Überall liegen noch Reste von abgefeuerten Raketen und Krachern herum und irgendwie riecht es im ganzen Ort noch nach kaltem Pulverdampf. Seppl ist auch schon wieder unterwegs und hat zu seiner Freude festgestellt, dass noch viele Überreste des Neujahrsfeuerwerks auf den Gehsteigen und den Fahrbahnen herum liegen. Ungeduldig wartet er am Gehsteigrand, bis endlich kein Auto mehr kommt. Dann eilt er schnell auf die Straßenmitte und sammelt alle möglichen Kracher ein. Er vermutet, dass einige noch funktionsfähig sind und nur nicht losgegangen waren. Wenn sie schon die anderen Leute nicht mehr aufgelesen haben, dann will er sie wenigstens noch gar krachen lassen. In der Neujahrsnacht durfte er das nämlich nicht, weil es die Großmutter den Kindern verboten hat, Silvesterraketen, Kracher, Kanonenschläge oder Knallfrösche zu kaufen. Nicht nur, weil sie es für gefährlich hält, sondern weil sie nicht will, dass die Kinder ihr Taschengeld dafür verschwenden. Seppl hätte es natürlich schon gereizt, auch ein paar Raketen hoch in den nächtlichen Himmel zu schießen. Das will er aber heute nachholen. Und – tatsächlich – er findet sogar noch welche, an denen noch ein Stück Zündschnur dranhängt. „Hoho, da sind ja noch einige Blindgänger, die scheinbar nicht losgegangen sind!“, freut sich Seppl und hebt sie alle auf. In weiser Voraussicht hat Seppl daheim schon einmal eine Schachtel Streichhölzer eingesteckt. Er geht mit seinen Krachern und Böllern wieder zurück auf den Gehweg und legt diese schön nebeneinander auf eine Ruhebank ab. Dann sucht er sich den Kracher mit der längsten Zündschnur heraus und zündet eines seiner Streichhölzer an. Voller Spannung hält er die Flamme an die Zündschnur und hofft, dass sie schnell Feuer fängt. Doch – nichts passiert -, die Flamme geht wieder aus. „Zu dumm“, sagt Seppl zu sich, „die Kracher sind scheinbar feucht geworden!“ Aber es wäre nicht der Seppl, wenn er sich nicht zu helfen wüsste. Er steckt alle eingesammelten Feuerwerkskörper in seine Hosen und Jackentaschen und will sie so ins Haus schmuggeln, damit die Großmutter nichts merkt. Zuhause will er sie in die warme Bratröhre legen, damit sie schnell wieder trocken werden. Dann kann er sie heute bestimmt noch alle abfeuern. Mit schnellen Schritten eilt er nachhause und klingelt stürmisch an der Türglocke. Kasperl öffnet ihm die Tür: „Ja, Seppl, da bist du ja endlich! – Wo treibst du dich denn solange herum?“ Leicht stottert antwortet ihm der Seppl: „Ich – ich hab bloß noch etwas frische Luft geschnappt.“ Auch Großmutter ist zur Tür geeilt, da sie auch schon die ganze Zeit auf Seppl gewartet hat und vermutet, dass er von seiner freiwilligen Frischlufttour bestimmt einen großen Hunger mitbringt. Logisch hat Seppl einen Riesenhunger – wie immer! – Doch er will zuallererst seine eingesammelten Feuerwerkskörper trocknen. Das soll natürlich niemand wissen. Deshalb schwindelt er die Großmutter an und geht schnell in die Küche, um sich angeblich etwas zum Trinken zu holen. In Wirklichkeit aber geht er heimlich zum Küchenherd und legt alle Kracher und Böller auf das Backblech und schiebt es in die Bratröhre. Damit alles auch besonders schnell trocken wird, stellt er den Regler auf 100 Grad ein. Nun begibt er sich ins Esszimmer und hofft, dass die Kracher nach dem Abendessen wieder trocken sind und angezündet werden können.
Die Großmutter und Kasperle haben nichts davon bemerkt. Aber der kleine, rote Feuerteufel Fitzliputz hat Seppl schon die ganze Zeit beobachtet. Und, weil Seppl so leichtsinnig mit den Feuerwerkskörpern umgeht, will ihm der Feuerteufel einen Streich spielen. Dieser stellt sich vor die Bratröhre und spricht einen Zauberspruch:
„Ihr Kracher zündet euch allein,
im Ofen soll gleich Feuerwerk sein!“
Bevor ihn jemand erwischt, verschwindet der kleine Feuerteufel wieder aus dem Haus. Aber seine Spuren hat er hinterlassen. In der Bratröhre pfeift, zischt und kracht es unaufhörlich. Und es kracht so laut, dass es sogar die Großmutter bis ins Esszimmer hört. „Horcht mal, Kasperl und Seppl, was ist denn das?“, fragt sie die beiden Buben. Kasperl ahnt richtig, dass es aus der Küche kommen muss. Schnell machen sich alle Drei auf den Weg in die Küche. „Da seht einmal, der Ofen schießt und knallt!“, ruft die Großmutter. „Ja, guck mal, Großmutti“, stellt Kasperl fest, „und aus der Bratröhre raucht und qualmt es fürchterlich!“ Großmutter vermutet, dass wahrscheinlich ein Kurzschluß im Ofen ist. Um das zu klären, öffnet Kasperl schnell die Bratröhre. Dann hört man ihn nur noch Schreien: „Au! – Oh! – Autsch! – Aua!“ Erschrocken ruft die Großmutter: „Geh weg vom Herd, Kasperl! – Da kommen ja lauter Bomben aus der Röhre geflogen!“ Doch Kasperl kann nicht schnell genug weg springen und schon haben ihm die Funken und die glühenden Geschosse lauter Löcher in seinen bunten Kasperlanzug gebrannt. Endlich schafft es Kasperle, die Ofenklappe wieder zuzuschlagen. Doch im Inneren der Bratröhre rumort und knallt es weiter.
Plötzlich wird es dunkel und eine geheimnisvolle Melodie erklingt. Es erscheint eine Fee in weißem Kleid mit einem langen Schleier und spricht:
„Neujahrskracher, jetzt ist Schluss,
weil Kasperle nicht büßen muss!“
In diesem Moment hört das Schießen und Krachen in der Bratröhre auf. Großmutter bedankt sich bei der Fee für ihre Hilfe und möchte gerne wissen, wer sie denn eigentlich ist. Auch Kasperle hat diese Fee noch nie gesehen. Diese erklärt ihnen, dass sie die gute Neujahrsfee ist und verhindert hat, dass für Kasperl und Großmutter das neue Jahr gleich mit einem Unheil beginnt. Kasperl bedankt sich bei ihr und wundert sich nur, wie das Feuerwerk in den Ofen gelangt ist. Er hat es jedenfalls nicht hinein. Die Neujahrsfee weiß dies natürlich auch und bittet Seppl, seine leichtsinnige Tat zu gestehen. Ganz kleinlaut gibt Seppl zu, dass er die übrigen Silvesterkracher von der Straße aufgelesen hat. Und weil sie feucht waren, hat er sie in der Bratröhre trocknen wollen. „Das war eine große Dummheit!“, belehrt ihn die Neujahrsfee. „Um dir eine Lehre zu erteilen, hat dir der Feuerteufel Fitzliputz einen Streich gespielt!“ Kasperl schüttelt auch nur mit dem Kopf, weil Seppl so unvorsichtig war und meint: „Seppl, du weißt doch ganz genau, dass man Kracher und Feuerwerkskörper nicht einfach von der Straße aufheben darf. Und schon gar nicht soll man sie noch einmal anzünden, denn dabei kann es zu schweren Unfällen kommen. Seppl verspricht Großmutter, Kasperl und der Neujahrsfee, dass er bestimmt nie mehr so leichtsinnig sein wird und zukünftig die Finger von fremden Feuerwerkskörpern lässt.
Ihr, liebe Kinder, denkt bitte auch immer daran, denn ihr sollt ja auch niemals mit einem Unfall durch Feuerwerkskörper ins neue Jahr starten. Am besten, ihr lasst die Finger ganz und gar von solchen Raketen, Krachern und Böllern und spart lieber euer Geld. Oder ihr spendet es für die armen Kinder auf der Erde, die sonst verhungern müssen.
Es hoffen, dass ihr gut ins neue Jahr gekommen seid und wünschen Euch für 2009 alles Gute, viel Glück und stets Gesundheit:
Die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl.
© Wolfgang Herrnleben (GAP, 2009)






