Kasperl, Gretel und Seppl sind schon seit drei Tagen alleine zuhause, weil die Großmutter schon so lange weg war! – Aber keine Sorge, Großmutter ist von den drei Kindern nicht davon gelaufen, weil sie sie geärgert haben. – Nein! – Großmutter hat die Drei viel zu lieb und würde die Kinder normalerweise niemals alleine lassen. – Doch Kasperl, Gretel und Seppl haben ein Jahr lang fast ihr ganzes Taschengeld gespart und ihrer Großmutter zum letzten Geburtstag eine Busreise mit dem Altenclub geschenkt. Großmutti hatte zu den Kindern großes Vertrauen und wusste, dass sie sehr vernünftig sind und sie sie mit ruhigem Gewissen schon mal ein paar Tage alleine lassen kann, ohne dass sie Unfug treiben! – Und das nicht nur, weil Kasperls Hund Bello auch noch daheim war und immer wachsam auf Haus und Garten aufpasst.
Kasperl, Gretel und Seppl wissen, dass Großmutti heute Abend wieder zurückkommt. Deshalb haben sie schon den ganzen Tag fleißig in der Wohnung gearbeitet. Sie haben die Vorhänge gewaschen, Fenster und Böden geputzt, Staub gewischt und die Teppiche ausgeklopft. Gerade sind sie damit fertig und haben die Putzmittel wieder ordentlich aufgeräumt, da klingelt es schon die Türklingel.
Freudig rennt Kasperl zur Tür und öffnet sie! – Ja! – Hurra! – Großmutti ist wieder da! – Auch Gretel und Seppl kommen herbei gestürmt und fallen – so wie Kasperl – der Oma um den Hals! – Seppl, freut sich natürlich am meisten, dass die Großmutti wieder da ist, denn für ihn gibt es dann endlich wieder was Gescheites zum Essen. „Hallo, liebe, allerliebste Großmutti!“, ruft er deshalb voller Begeisterung, „Endlich bist du wieder von der langen Altenfahrt zurück!“ – Großmutter ist ganz gerührt von dem herzlichen Empfang, dass sie Seppl und Kasperl gleich unter der Haustür ihr Mitbringsel überreicht: Echte Murmeln aus der Kugelmühle bei Berchtesgaden! – Kasperl und Seppl freuen sich so darüber, dass sie Beide dafür Großmutti mit einem dicken Kuss belohnen. – Seppl ist ganz begeistert, denn ab jetzt müssen sie nicht mehr mit Haselnüssen tatzern. Er fordert Kasperl auf, gleich mit ihm in den Garten zu gehen und die neuen, echten Berchtesgadener Murmeln auf dem Sandweg auszuprobieren. Eilig rennt er voraus und gräbt gleich eine Mulde in den Erdboden. Kasperl hat eine noch bessere Idee! – Er hat schon vor ein paar Tagen in eine alte Schuhschachtel halbrunde Tore in die Seitenwände geschnitten. Schnell holt er sie aus dem Haus und will dann versuchen mit den neuen kugelrunden Murmeln, die Eingänge zu treffen.
Mit großer Begeisterung fangen Beide an, mit den neuen Murmeln zu tatzern. – Und es geht wahrlich besser, als bisher mit den Haselnüssen. Die Berchtesgadener Murmeln rollen so prima und zielgenau, dass sie gar nicht mehr aufhören können. Klappernd stoßen sie aneinander, schubsen sich gegenseitig weg und immer wieder landet eine in den kleinen Toren der Schuhschachtel.
Von dem Geklapper der Murmeln ist auch die Feldmaus Spitzohr aufgewacht! – Sie läuft in ihrem unterirdischen Gang entlang und spitzt vorsichtig aus dem Ausgang hinaus. Da entdeckt sie Kasperl und Seppl, die wieder murmeln. „Piep, piep“, sagt sie zu sich, „die Beiden haben ja was Neues! – Heute kullern sie ihre Haselnüsse mal nicht nur in eine Erdmulde, sondern in einen umgedrehten Schuhkarton! Piep!“ - Das ist für Spitzohr äußerst praktisch! Sie braucht sich jetzt nämlich nur einen unterirdischen Gang bis unter den Schuhkarton zu buddeln und kann so ganz unbemerkt die Haselnüsse stibitzen und in ihre Wohnung holen. – Und niemand kann sie dabei sehen! – In aller Eile, scharrt und gräbt sie einen neuen Gang bis zu der Stelle, über der die Schuhschachtel mit den Löchern steht. –
Kasperl und Seppl haben von all dem natürlich nichts bemerkt und begeisternd weiter eine Murmel nach der anderen rollen lassen, bis keine mehr da war. – Doch Beide denken noch lange nicht daran, mit ihrem Spiel aufzuhören. Deshalb spurten sie schnell zum Schuhkarton, um die neuen, tollen Murmeln für die nächste Spielrunde wieder alle einzusammeln. Seppl hebt den Schuhkarton hoch und kann seinen Augen nicht glauben: „Ja, gibt es denn so was!“, sagt er ganz paff zu Kasperl. „Unter deinem Schuhkarton ist keine einzige Murmel mehr! Die neuen Dinger haben sich wohl alle in Luft aufgelöst!“ – Kasperl kann es nicht glauben und blickt ebenfalls unter den Schuhkarton. Doch Kasperl entdeckt ein Mäuseloch, genau unter dem Schuhkarton und meint, dass die neuen Murmeln bestimmt alle da hinein gekullert sind. -Oder hat sie vielleicht eine Feldmaus alle in ihren Bau geschleppt? – Seppl will die neuen, schönen Kugeln unbedingt wieder haben, denn so schöne Murmeln hatten sie noch nie! – Seppl schlägt vor, die Feldmaus einfach aus ihrem Mauseloch heraus zu locken. – Doch wie? – Kasperl hat eine gute Idee! – Einige Murmeln haben ja den Eingang zum Schuhkarton verfehlt. Die will Kasperl nach und nach auch noch hineinrollen und dann den Karton blitzschnell hoch heben. Er ist sich sicher, dass die Feldmaus, dann wieder herauskommt und ihren neuen Kugel abtransportiert. Dann erwischen sie die Maus bestimmt! – Also stellt Seppl den Schuhkarton wieder an die gleiche Stelle über das Mäuseloch und Beide beginnen damit aus nächster Nähe die Murmeln durch die Eingänge zu rollern. Nachdem sie ein paar hinein getroffen haben, hebt Kasperl ganz schnell den Schuhkarton hoch! – Und? – Tatsächlich, da ist die Feldmaus Spitzohr schon wieder bei der Arbeit und will eine Murmel in ihren Bau schleppen. „Wer bist denn du, freche Feldmaus?“, will Kasperl wissen, „Warum klaust du unsere neuen Murmeln?“ – Die Feldmaus bittet um Verzeihung, aber sie braucht die Nüsse doch dringend als Nahrung für ihre kleinen, hungrigen Mäusekinder! – Doch hat sich festgestellt, dass die Haselnüsse heute so eine harte Schale haben, die sie nicht knacken kann. So kann sie ihren Kleinen die köstlichen Kerne nicht füttern. – Kasperl erklärt ihr, dass dies doch heute das erste Mal keine Haselnüsse sind, sondern echte, steinerne Murmeln aus Berchtesgaden. Spitzohr erschrickt, als sie daran denkt, dass eines ihrer Kinder eine dieser steinernen Murmeln einfach so hinter geschluckt hat. Sie hofft , dass keines ihrer kleinen Mäusekinder noch keine von diesen Murmeln in den Mund genommen hat. – Kasperl hofft das auch nicht, denn es kann für Mensch und Tier gefährlich werden, wenn man Kugeln aus Glas, Stein oder Holz verschluckt. Leicht kann man nämlich daran ersticken, wenn sie im Hals stecken bleibt. Voller Sorge tippelt Spitzohr in ihren Bau zu den Mäusekindern, um sie zu warnen. – Nach kurzer Zeit kommt sie erleichtert wieder aus dem Mäuseloch nach oben. – Aber nicht alleine! – Nein! – Sie bringt alle Murmeln wieder mit nach oben und kullert sie Kasperl und Seppl wieder vor die Füße. „Piep, Piep“, sagt sie zu Kasperl und Seppl, „es ist noch nichts Schlimmes passiert! – Meine Kinder haben irgendwie gemerkt, dass es keine Haselnüsse sind und haben keine Murmel in den Mund gesteckt!“ –
Alle sind froh und glücklich, dass kein Unglück passiert ist!
Ihr, liebe Kinder, wisst hoffentlich, dass man Schusser, Kugeln oder Murmeln niemals in den Mund stecken darf. – Leicht kann man sie nämlich dabei verschlucken und daran ersticken! – So wie die einmaligen Murmeln aus Berchtesgaden sind sie nur zum Tatzern, Murmeln oder Rollen da. Aber niemals dazu, um sie in den Mund zu stecken! – Auch nicht aus Gaudi! –
So, wie für die Mäusekinder wird es aber für Euch auch Zeit zum Schlafen gehen! –
Also, ab in Eueren Bau – äh, Quatsch, hähä – in Euer Bett! Schlaft gut und träumt was Schöne
Das wünschen Euch: die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
© Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






