Kasperl und Seppl nerven die Großmutter schon die ganze letzte Zeit damit, dass sie endlich einmal wieder eine Radtour machen und in einem Biergarten an der frischen Luft Brotzeit machen wollen. Aber entweder hat es geregnet oder es war so heiß, dass die Sonne nur so vom Himmel brannte. Doch heute ist genau das richtige Wetter. Es ist nicht zu heiß, leicht bewölkt und es weht ein seichtes Lüftchen. – Also – genau das richtige Wetter für eine Radltour. Großmutter hat somit keine Ausrede und muss dem Wunsch von Kasperl und Seppl nachgeben. Kasperl und Seppl freuen sich schon den ganzen Nachmittag auf ihren Fahrradausflug zum Biergarten. Sie haben emsig die drei Fahrräder geputzt, geölt und genügend Luft in die Reifen gepumpt.
Endlich ist es soweit und sie starten ihre Fahrt. Erst fahren sie schön gemütlich hintereinander. Doch dann plagt Seppl schon wieder einmal Hunger und Durst und er will so schnell wie möglich den Biergarten erreichen. Er tritt immer fester in die Pedale und rast im Eilzugtempo der Großmutter und dem Kasperl davon. Großmutter ruft ihm noch nach: „Hallo, Seppl, fahr doch nicht so schnell! Deine Großmutter kann doch nicht mehr so schnell Radfahren!“
Doch Seppl hört das schon gar nicht mehr! – Er will als Erster im Biergarten ankommen. Schließlich hat er vom Radfahren schon einen Bärenhunger und einen Riesendurst bekommen. So fährt er immer schneller und schneller, dass ihm der Fahrtwind nur so durch die Haare und um die Ohren bläst. Kasperl kann darüber nur lachen und meint, dass Seppl wohl Angst hat, er bekommt nichts mehr zum Essen und zum Trinken. Damit Seppl nichts passiert, bittet Großmutti den Kasperl, ihm doch etwas auf den Fersen zu bleiben. Außerdem soll Kasperl einen Tisch im Schatten reservieren. Sie will während dessen in gemütlichem Tempo weiter fahren und lässt Kasperl auch davon ziehen.
Seppl ist inzwischen aber soweit enteilt, dass ihn Kasperl auch nicht mehr einholen kann. So ist Seppl schon mit großem Vorsprung vor seinem Freund im Biergarten eingetroffen. Er stellt sein Rad in den Fahrradständer und schließt es ab. Von der irren Fahrt ist er natürlich mächtig ins Schwitzen gekommen und hat jetzt erst einmal Durst. Auf der Tafel über dem Gertränkeausschank liest er: „Radlermaß!“ – „Ja!“, denkt er sich, „Das ist genau das Richtige! Schließlich bin ich ja der schnellste Radler!“ – Als er an der Reihe ist, bestellt er sich bei der hübschen, jungen Kellnerin gleich so eine „Radlermaß“! – Doch diese kann Seppl diesen Wunsch nicht erfüllen, denn er ist noch ein Kind und das Jugendschutzgesetz verbietet es, an Kinder und Jugendliche Alkohol auszuschenken. – Alles andere, ob Limo, Spezi oder Mineralwasser will Seppl jedenfalls nicht. – So kehrt er mürrisch um und setzt sich mit trauriger Miene an einen freien Biergartentisch. „So ein Mist!“, schimpft er vor sich hin. „Warum bekomm ich denn keine solche Radlermaß? – Ich bin doch schließlich der schnellste Radfahrer! Da müsste ich doch zur Belohnung eine solche Radlermaß bekommen! – Noch dazu, wo ich einen solchen Durst habe!“
Aus der Ferne beobachtet ihn der Alkoholteufel Rauschi. – Er muss darüber lachen, weil er den Seppl so traurig auf der Bierbank sitzen sieht. – Aber der freche Alkoholteufel will dem Seppl seine gewünschte Radlermaß beschaffen. Rauschi hat nämlich immer seine größte Freude daran, wenn Erwachsene und Kinder Alkohol trinken und einen Rausch bekommen. Ihm gefällt es, wenn sie betrunken sind, immer lustiger werden, durch die Gegend torkeln und mit dem Fahrrad umfallen. Mit frechem Lachen nähert er sich dem enttäuschten Seppl: „Hehehe, Kleiner, was ist denn los? Warum sitzt du denn so traurig da?“ Seppl nennt dem kleinen Rauschi als Grund, dass er es ungerecht von der Frau Wirtin findet, ihm keine Radlermaß einzuschenken, obwohl er doch wirklich ein Radfahrer ist.
„Hehehe“, lacht der Alkoholteufel wieder, „dafür habe ich dir eine besorgt!“ Versteckt hinter seinem Rücken hat er eine Radlermaß herbei gezaubert, holt sie nach vorne und stellt sie vor Seppl auf den Tisch. „Hehehehe, lass sie dir gut schmecken!“, freut sich Rauschi. Seppl strahlt über das ganze Gesicht und freut sich schon auf seinen ersten Schluck von der kühlen Radlermaß. „Oh, vielen Dank! – Was muss ich dafür bezahlen?“, will er noch wissen. – „Nix, nix, nix!“, antwortet Rauschi, der Alkoholteufel und verschwindet mit einem lauten Lachen: „Hehehehe!“ Er ist sich sicher, er wird seinen Spaß haben, wenn Seppl die Radlermaß schnell leer getrunken hat. Und darauf muss er auch nicht lange warten. Kaum ist der Rauschi weg, hebt Seppl den Maßkrug schon zum Mund und will einen kräftigen Schluck davon nehmen.
In diesem Moment fängt es in dem Krug heftig zu Blubbern an und eine hohl klingende Stimme spricht zu Seppl: „Halt, Seppl! Trink nicht von diesem Bier!“ Seppl erschrickt und stellt den Krug wieder ab. Er will wissen, wer da zu ihm spricht? – Da meldet sich der Maßkrug wieder und warnt Seppl noch mal, nicht von ihm zu trinken. Doch Seppl sieht das nicht ein. Laut sagt er zum Krug: „Du hast mir gar nichts zu sagen! Ich hab nämlich großen Durst und trinke soviel ich will!“
Kasperl und Großmutter haben ihn gerade in diesem Moment zwischen den vielen anderen Gästen gefunden und wollen wissen, mit wem er sich denn unterhält? Als Kasperl seinen Freund vor dem Maßkrug sitzen sieht, vermutet er, dass Seppl schon einen Rausch hat und sich mit dem Krug unterhält. „Hähähä“, sagt Kasperl lachend, „dir ist das Bier wohl schon in den Kopf gestiegen, hähähä!“ – Großmutter wundert sich, wie Seppl zu dem Biergemisch gekommen ist und will wissen, wer ihm das verkauft hat? – Seppl beteuert der Großmutter, dass er sie nicht gekauft, sondern geschenkt bekommen hat.
Da meldet sich der Maßkrug wieder und erzählt der Großmutter sowie dem Kasperl, dass der Alkoholteufel Rauschi wirklich dem Seppl die Radlermaß geschenkt hat, damit er einen Rausch bekommt und der Teufel dann seinen Spaß hat. – Kasperl schaut sich um und kann es erst nicht glauben, dass tatsächlich der Bierkrug gesprochen hat. Doch der Krug bestätigt ihm, dass er wirklich gesprochen hat, weil er den Seppl unbedingt warnen musste, von ihm zu trinken. –
Seppl will das aber nicht einsehen, denn so eine Radlermaß ist für ihn als Radfahrer doch genau das Richtige! – Kasperl erklärt Seppl aber, dass dies leider nicht so ist. Eine Radlermaß ist nur etwas für große Radfahrer, denn sie besteht zwar zur einen Hälfte aus Limonade, aber die andere Hälfte ist richtiges Bier mit Alkohol! – Und das ist nichts für Kinder! – „Dann soll ich sie jetzt wohl wegschütten, was?“, fragt Seppl enttäuscht. Großmutter hält ihn davon ab. In der Radlermaß ist zwar Alkohol und damit ist sie nur nichts für Kinder. Aber die Großmutter ist ja erwachsen und alt genug. Sie darf die Radlermaß ruhigen Gewissens trinken. – So nimmt sie Seppl die Maß ab. – Dieser sitzt nun vor seinem leeren Platz und ist ratlos, womit er sich nun seinen Durst löschen soll? – Kasperl empfiehlt ihm, halt eine Limonade, ein Mineralwasser oder einen Saft zu trinken.
All das löscht seinen Durst auch und enthält keinen Alkohol.
Ihr, liebe Kinder, trinkt hoffentlich auch kein Bier oder andere alkoholische Getränke! – Nicht nur, wenn ihr mit dem Fahrrad unterwegs seid, sondern auch sonst immer! – Denn – Alkohol ist nichts für Kinder und macht – dumm! – Heißt es jedenfalls! –
Vielleicht habt ihr heute auch eine Fahrradtour hinter euch und liegt schon müde im Bett? –
Dann könnt ihr bestimmt auch gut schlafen und freut euch schon auf den nächsten Ausflug zu einem Biergarten, auf eine Brotzeit und ein erfrischendes, alkoholfreies Getränk!
Eine gute Nacht wünschen Euch, die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






