„April, April, der weiß nicht, was er will!“ – Dieser Spruch hat sich in den ersten beiden Aprilwochen mehr als bewahrheitet. Mal schien die Sonne, mal regnete es, mal stürmte es und manchmal fiel sogar noch Schnee. Doch heute war es den ganzen Tag schön und es herrschten auch angenehme warme Temperaturen. Da machte es dem Kasperl schon viel mehr Freude heute Morgen aufzustehen und in die Schule zu gehen. Die ganze Natur strahlte und die Gärten wirkten im Sonnenschein viel freundlicher. Auch seine Klassenkameraden sowie alle Schülerinnen und Schüler waren bei dem herrlichen Wetter viel besser gelaunt als sonst und strömten voller Schwung und Elan ins Schulhaus. Alle sehnten sich danach, dass die Glocke zum Schulschluss läutete und sie nach Hause springen konnten. Viele hatten sich für den Nachmittag zum Ballspielen an der frischen Luft verabredet. Natürlich erst nach dem Mittagessen und der Erledigung der Hausaufgaben.
Auch Kasperl, Gretel und Seppl hatten heute schnell und eifrig alle ihre Aufgaben erledigt. Und danach stürmten sie gleich in den Garten. Erst wurden die Terrasse und die Wege gefegt, dann die Blumen- und Gemüsebeete gerichtet, bevor sie miteinander stundenlang Federball spielten. Nach dem langen Winter und den vielen kalten Regentagen machte das so richtig Spaß! – Es war sogar so warm, dass Großmutter auf der Terrasse den Abendbrottisch deckte. – Ah, an der würzigen Frühlingsluft schmeckte die Brotzeit noch mal so gut!
Kasperl hatte soviel gegessen, dass er beschloss noch einen Verdauungsspaziergang zu machen. Begeistert geht er durch die blühende Natur und findet es herrlich, den Vöglein beim Zwitschern ihrer munteren Liedchen zuzuhören, frische Luft zu atmen und sich an den ersten bunten Frühlingsblumen zu erfreuen. Da kommt ihm in den Sinn, er könnte doch der Gretel und der Großmutter einen Strauß bunter Blumen zu pflücken. Er ist sich sicher, Gretel und die Großmutti freuen sich darüber. Gerade als er damit beginnen will, Blumen für zwei Feld-, Wald- und Wiesensträuße zu pflücken, hört er ein lautes Weinen. Kasperl stellt sich wieder auf und horcht in alle Richtungen. Er stellt fest, dass das Weinen aus dem Wald kommt. Er lässt das Blumenpflücken erst einmal sein, um nachzusehen, ob vielleicht jemand seine Hilfe braucht. „Hallo, wer weint denn da?“, ruft er in den Wald. Kurz danach kommt ihm der kleine Wichtel Rotmütze entgegen getippelt. Kasperl ist ganz erstaunt, dass ein kleiner Wichtelzwerg so laut weinen kann. Rotmütze erzählt ihm, dass er den Schlüssel für sein Wichtelhäuschen verloren hat. Nun kann er nicht hinein und muss die Nacht im Freien schlafen. Kasperl lässt sich den Weg zu seinem Häuschen zeigen. Wichtel Rotmütze wohnt aber nicht in einem normalen Häuschen aus Stein oder Holz, sondern in einem alten, hohlen Steinpilz, in den er ein Fenster und eine Tür hinein gemacht hat, die man sogar zusperren kann. Aber, wenn man sie wieder aufsperren will, braucht man nun mal einen Schlüssel. – Aber, wo hat ihn der kleine Wichtel verloren? – Kasperl ist sicher, er muss hier in der Nähe sein und will Rotmütze beim Suchen helfen. Doch dieser versichert Kasperl, dass er schon jeden Millimeter am Waldboden um sein Häuschen abgesucht hat. – Aber ohne Erfolg! – Er muss ihn wohl irgendwo anders verloren haben. –
Da hat Kasperl eine gute Idee. Er will schnell den Schlossermeister Schlüsselbart zu Hilfe holen. Er wohnt ja gleich in der Nähe am Waldrand und kann die Tür bestimmt ganz einfach öffnen. Also macht sich Kasperl gleich auf den Weg zum Schlossermeister.
Wichtel Rotmütze setzt sich solange auf einen Baumstumpf. Ihm wird Angst und Bang, wenn er daran denkt, was alles passieren kann, wenn er heute Nacht nicht in sein Steinpilzhaus kann. Dann muss er auf dem kalten Waldboden schlafen und bekommt vielleicht einen Schnupfen. – Oje – oder die Waldeulen fallen über ihn her, weil sie ihn für einen kleinen, bunten Käfer halten. – Halt, da hat er eine einfache Lösung! – Er sucht sich einen Stein und will das Fenster einwerfen. – Gerade als er zum Steinwurf ausholt, kommt Kasperl mit Schlossermeister Schlüsselbart an. Kasperl kann den Wichtel gerade noch zurück halten. Rotmütze ist froh, dass Kasperle noch rechtzeitig gekommen ist, sonst wäre die Fensterscheibe von seinem Häuschen auch noch zu Bruch gegangen. Er bedankt sich schon mal beim Schlossermeister, dass dieser so schnell gekommen ist. Schlossermeister Schlüsselbart begutachtet das Schloss und holt seinen großen Schlüsselbund mit ganz vielen verschiedenen Schlüsseln aus der Jackentasche. Klimpernd probiert er einen Schlüssel nach dem anderen aus, doch keiner passt! – Alle seine Schlüssel sind für das kleine Wichtelhaustürschlüsselloch zu groß! – Nun schwinden bei Rotmütze alle Hoffnungen und er fängt zu weinen an. Kasperl tröstet ihn und bietet ihm an, doch einfach mit in Großmutters Haus zu kommen. Dort wird ihm seine Oma bestimmt ein kleines Bettchen zurecht machen. So muss er nicht auf dem kalten Waldboden übernachten.
Da erklingt auf einmal eine geheimnisvolle, helle Melodie, die einen Klang hat, wie hunderte kleine Glöckchen. Hinter ihren Rücken spricht eine liebe Frauenstimme: „Das ist nicht nötig, Kasperle! Ich werde dem kleinen Wichtel helfen!“ Alle Drei drehen sich um und erblicken die gute Wiesenfee! – „Ja, hopperla, hähä“, sagt Kasperl lachend, „da kommt die gute Wiesenfee als Schlüsseldienst, hähä!“ Die Wiesenfee hat zwar keine Schlüssel dabei, aber sie gibt ihnen einen nützlichen Hinweis: „Pflückt doch einen Strauß Schlüsselblumen und probiert die einzelnen Blumen durch. Eine davon wird ganz bestimmt passen und das kleine Türschloss öffnen!“ Kasperl fängt gleich das Pflücken von Schlüsselblumen an, die zufällig rings um das Wichtelhaus blühen. Schlossermeister Schlüsselbart nimmt Kasperl die Blumen nacheinander ab und sucht nach der richtigen Blume für das Schlüsselloch. Obwohl er sich das gar nicht vorstellen kann, denn noch nie hat er mit Schlüsselblumen ein Schloss geöffnet. Wichtel Rotmütze steht aufgeregt daneben und beobachtet den Schlossermeister dabei, wie er eine Blume nach der anderen testet. – Da plötzlich macht es „Klick-Klack“! – Tatsächlich, eine Schlüsselblume hat das Schloss gesperrt und die Tür geht wieder auf! – Freudig und erleichtert springt der Wichtel herum und bedankt sich bei Kasperl, dem Schlossermeister und der guten Wiesenfee für die Hilfe.
Kasperl steht nun mit dem Bündel Schlüsselblumen da und fragt die Wiesenfee, was er nun mit den abgepflückten Schlüsselblumen machen soll? – Die Fee rät ihm, die Blumen doch einfach mit nach Hause zu nehmen. Dort kann sie seine Großmutter trocknen und dann kann sie die Blüten für einen Hustentee verwenden. Kasperl hat das noch gar nicht gewusst: „Was, hähä, aus Blütenblumenschlüssel – äh – Schlüsselblumenblüten kann man Tee machen?“ –
Wichtel Rotmütze bietet ihm als Dank an, doch einige Schlüsselblumenpflanzen vor seinem Haus mit samt den Wurzeln auszugraben. Dann kann er sie in seinem Garten einpflanzen und hat alle Jahre immer wieder frische Blüten zum Tee machen. Aber die Wiesenfee muss Kasperl das untersagen, denn Schlüsselblumen stehen unter Naturschutz und deshalb darf man sie nicht ausgraben. Kasperl findet auch besser, die Blumen lieber in der freien Natur wachsen zu lassen. Er kann ja alle Jahre hierher kommen, um sich immer wieder frische Schlüsselblumen zu pflücken. Die Wiesenfee hält das auch für das Beste und hofft, dass sie mit allen Pflanzen in der Natur sorgsam umgehen und immer auf den Naturschutz achten. – Dann verabschiedet sie sich und verschwindet wieder unter dem Klang der Glockenmelodie.
Der kleine Wichtel Rotmütze verschwindet nun auch gleich in sein Wichtelhäuschen und legt sich selig und froh in sein kleines Bettchen. Auch Kasperl und der Schlossermeister machen sich auf den Heimweg, denn nun ist es doch etwas spät geworden.
Für Euch, liebe Kinder, wird es auch höchste Zeit zum Schlafengehen. Euere Zimmertür ist bestimmt nicht abgesperrt, so dass ihr ohne Hindernis bis zu Euerem Bett kommt.
Legt Euch schön hinein und schlaft schnell ein. Vielleicht ist morgen wieder so ein schöner Tag, dann habt Ihr umso eher ausgeschlafen und könnt Früh bald aufstehen. Genießt die warmen Frühlingstage und erfreut Euch an Gottes Natur.
Die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl wünschen Euch eine gute Nacht!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






