Heute hat Kasperl seine Hausaufgaben ganz schnell erledigt, denn er ist bei jemandem eingeladen, wo er sehr gerne hin geht. Seit gestern ist er ganz aufgeregt und freut sich schon den ganzen Tag recht narrisch darauf. Und nun ist es soweit: Frisch gewaschen, mit seinem schönsten Kasperlanzug und geputzten Schuhen macht er sich auf den Weg zu Prinzessin Stefanie. Schnell ist er beim Königsschloss, klopft an die dicke Holztür.und ruft: „Halli-hallo, Prinzessin, ich bin’s, dein Freund Kasperle!“ Kurz danach hört er die leichten Tippelschritte der Prinzessin hinter der Tür und sie öffnet sie mit Knarren. Freudig empfängt sie Kasperl: „Grüß dich, Kasperl, du kommst gerade richtig! Der Kakao ist schon heiß!“ Na, das ist doch genau das Richtige für Kasperl, denn Kakao trinkt er besonders gern. Natürlich will er auch sofort wissen, was es wohl dazu zum Essen gibt. Vom Marsch auf den hohen Schlossberg hinauf hat er schließlich Hunger bekommen. Als ihm die Prinzessin erzählt, dass es Zwetschgenkuchen gibt, den sie selbst gebacken hat, läuft dem Kasperl schon das Wasser im Mund zusammen: „Mmmmh, prima, Zwetschgenkuchen mag ich besonders gern, hähä!“ Stefanie führt Kasperl in den roten Speisesalon und bittet ihn, schon einmal den Kakao in die Tassen einzugießen, während sie den frischen Zwetschgenkuchen aus der Schlossküche holt. – Und da kommt Stefanie mit einem riesigen, herrlich duftenden Zwetschgenkuchen. Sie legt Kasperl gleich das größte Stück auf den goldenen Kuchenteller und wünscht ihm guten Appetit. Kasperl beißt gleich kräftig hinein und sagt schmatzend zur Stefanie: „Mmmh, Prinzessin Stefanie, ich hätte nicht gedacht, dass du so gut backen kannst. – Das ist ein super-leckerer Zwetschgenkuchen!“ Beide essen nun den Zwetschgenkuchen, trinken den Kakao dazu und erzählen sich gegenseitig von dem, was sie die letzten Tage in der Schule erlebt haben.
So merken sie nicht, dass sich jemand in der Küche zu schaffen macht. Es ist der kleine, freche Zuckerschlecker mit seinen roten Pausbacken. Er ist wütend und schimpft, weil ihm die Prinzessin den Zwetschgenkuchen davon getragen, bevor er auch nur etwas davon probiert hatte. Dabei hatte er sich so gefreut, als er ihn gerochen und entdeckt hat. Aber unverrichteter Dinge will er die Schlossküche auch nicht verlassen. Also macht er sich auf die Suche nach anderen süßen Leckereien. Da findet er auf dem Küchentisch eine Schüssel. Er klettert den Rand hoch und sieht hinein: „Was soll denn das sein? – Das sieht aus wie ein weißer Pudding!“ Mit einem seiner kleinen krummen Finger taucht er in die weiße Masse hinein und schleckt ihn ab. „Iih, das ist ja nur einfache Sahne und noch dazu ohne Zucker!“ Logisch – ein Zuckerschlecker kann Sahne nur dann essen, wenn sie richtig süß ist. Richtig pappig vor Zucker muss sie sein. Deshalb macht sich der Zuckerschlecker in der Schlossküche gleich auf die Suche nach der Zuckerdose. – Irgendwo muss sie doch sein! – Es dauert nicht lange, da hat er die Dose gefunden. Es ist zwar kein normaler Streuzucker, sondern es muss sogar Puderzucker sein. Er meint, dass ist ja noch besser, denn diesen feinen Puderzucker mag er noch lieber. Gleich mischt er einen ganzen Berg davon unter die Sahne und ist sich sicher, nun wird sie gleich nach seinem Geschmack sein.
Kasperl ist inzwischen schon beim dritten Stück Zwetschgenkuchen angekommen und bei jedem Bissen lobt er die Backkünste der Prinzessin. Da fällt der Prinzessin ein, dass er ihm bestimmt noch besser schmecken wird, wenn sie die Sahne dazu holt. Sie hat sie doch extra frisch geschlagen, nur vorhin versehentlich in der Küche stehen lassen. „Das macht nix, Stefanie“, sagt Kasperl lachend, „hähähä, dann tu ich auf das nächste Stück halt dreimal soviel Sahne oben drauf, hähä!“ Stefanie geht gleich los, um die Sahne zu holen, damit sie diese nicht umsonst steif geschlagen hat.
Als der Zuckerschlecker die Schritte der Prinzessin näher kommen hört, versteckt er sich schnell unter dem Tisch und schimpft dabei: „Zuckeri, zuckera, jetzt kommt die Prinzessin schon wieder und ich hab noch nicht einmal von meiner süßen Sahne probieren können!“ Und dazu wird er auch keine Gelegenheit mehr bekommen, denn die Prinzessin trägt ihm die Sahneschüssel in den Speisesalon davon.
Als Stefanie mit der Sahneschüssel die Küche verlassen hat, kriecht der Zuckerschlecker wieder unter dem Tisch hervor. „Zuckeri, zuckera, zuckerosa!“, schimpft er. „Jetzt hat sie mir die Sahneschüssel auch noch davon geschleppt!“ Was soll er nun naschen? Er braucht doch dringend was Süßes! Vom Puderzucker ist nichts mehr da, denn den hat er ja komplett in die Sahne eingerührt. Also macht er sich wieder auf die Suche und hofft, in irgendwelchen Dosen Würfel- oder Streuzucker zu finden. Er hat Glück! – Er stößt auf die Dose mit Streuzucker. Die will sich aber nicht wieder abnehmen lassen. Flugs klettert er hinein und setzt sich mitten in den Zucker. Dann beginnt er genüsslich und schmatzend den Zucker zu essen. „Hehehe, ich werde die Dose ratzeputz leer schlappern!“, ruft er freudig aus seinem Zuckerbett.
Prinzessin Stefanie schöpft ihrem Freund Kasperl gerade eine große Haube Schlagsahne auf das nächste Stück Zwetschgenkuchen und bittet ihn, nun zu sagen, ob ihm ihr Kuchen jetzt noch besser schmeckt. Das lässt sich Kasperl nicht zweimal sagen. Er sticht mit der Kuchengabel einen riesigen Bissen mit einem großen Sahneturm ab und schiebt diesen voll freudiger Erwartung in den Mund. Als er so darauf herum kaut, hat der das Gefühl, es wird immer mehr im Mund, so dass er kaum noch „Papp“ sagen kann. „Brrr, Stefanie“, bringt er gerade noch heraus, „du hast die Sahne wohl mit Gips angerührt?“ Doch die Prinzessin versichert ihm, dass sie die Sahne angerührt hat wie immer. Kasperl findet, es ist nur eine propfige Masse und schmeckt wie ein Mehlbrei. Stefanie kann es nicht glauben und als sie auch davon probiert, muss sie Kasperl Recht geben. Sie kann das beim besten Willen nicht verstehen.
Da hören Beide aus der Küche ein dumpfes „Au! Au! Oh weh!“. Sie machen sich darauf hin gleich auf den Weg in die Schlossküche, um zu erkunden, woher das Gejammer kommt. Zunächst können sie aber niemanden sehen. Halt – da hören sie wieder etwas! – „Au! Aua! Auweh! Meine Zähne!“ Kasperl glaubt, dass das Gejammer aus der Zuckerdose kommt. „Hähähä, Stefanie, mir scheint euere Zuckerdose auf dem Schrank kann reden, hähä!“ Die Prinzessin hat den Verdacht, Kasperl will sie nur foppen. Kasperl steht aber genau neben ihr und die Töne kommen wo ganz anders her. „Au! Au! Ich halte das bald nicht mehr aus!“ Tatsächlich, es scheint wirklich aus der Zuckerdose zu kommen. Kasperl holt die Dose vom Schrank und sieht hinein: „Hähähä, ja da schau her! Wer sitzt denn da in der Zuckerdose!“ Kasperl erkennt ihn sofort: Den frechen Zuckerschlecker! - Entsetzt stellt die Prinzessin fest, dass er die Zuckerdose bis auf den Grund leer geschleckt hat. Zu seiner Entschuldigung meint der Zuckerschlecker nur, ihm ist ja nichts anderes übrig geblieben, weil ihm die Prinzessin den ganzen Zwetschgenkuchen und die süße Sahne weggenommen hat. Lachend muss ihn Kasperl beruhigen: „Hähähä, da hast du nichts versäumt, denn das war bestimmt keine süße Sahne. Ich würde es eher als Gips bezeichnen, hähä!“ Der Zuckerschlecker kann das gar nicht glauben, schließlich hat er doch extra die ganze Dose Puderzucker darunter gemischt. Dass das wohl nicht stimmen kann, beweist ihm die Prinzessin und zeigt ihm die Puderzuckerdose. Diese ist nämlich noch ganz voll, dafür ist die Mehldose völlig leer. „Aua! Aua!“, ruft der Zuckerschlecker mit schmerzverzerrtem Gesicht und kann es nicht glauben. Doch es ist nun mal so. Kasperl lacht ihn aus und meint, es kommt nur davon, weil er nicht lesen kann. Dann hätte er nämlich die beiden Dosen nicht verwechseln können. Nun jammert der Zuckerschlecker noch mehr: „Au! Aua! Auawehwehweh!“ Stefanie bittet ihn, endlich mit dem Jammern aufzuhören. Wenn jemand Grund zum Jammern hat, dann ist es sie selbst, weil er ihre ganze Sahne verdorben hat. Der Zuckerschlecker jammert aber nicht wegen der Sahne, sondern weil er fürchterliche Zahnschmerzen hat. – Kein Wunder, wenn man soviel Zucker auf einmal isst. – Gell, Kinder, das wisst sogar ihr? Dem Zuckerschlecker schmecken halt Zucker und Süßigkeiten am besten. Da braucht er sich nicht wundern, wenn er jetzt Zahnweh hat. Was soll er nun bloß dagegen tun, will er wissen. Kasperl kann ihm nur raten, morgen gleich zum Zahnarzt zu gehen.
Ihr, liebe Kinder kennt euch sicher besser aus und wisst, dass zuviel Naschen ungesund ist. Und zuviel Zucker, Bonbons und Schokolade sind nun mal sehr schädlich für die Zähne und Karies ist die Folge. Drum ernährt euch lieber gesund mit viel Obst, Gemüse, Vollkornbrot und Salat. Die Prinzessin rät euch außerdem mindestens jeden Morgen, Abend und nach jedem Essen mindestens zwei bis drei Minuten die Zähne zu putzen, vor allem wenn ihr Süßigkeiten gegessen oder süße Limonade getrunken habt.
Dann kann es auch nicht passieren, dass ihr wegen Zahnschmerzen nicht schlafen könnt.
Immer gesunde Zähne und eine schmerzfreie Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2009)






