Endlich sind auch in Bayern Sommerferien. Viele Kinder sind mit ihren Eltern schon in Urlaub gefahren und manche sind auch leider schon wieder zurück. Doch es gibt auch noch ganz viele Kinder, die können sich noch auf die Urlaubsreise freuen, weil sie ihn noch vor sich haben.
Die Urlaubsreise von Kasperl, Gretel und Seppl führte die Drei nicht in die weite Ferne, denn sie verbringen ihre Ferien lieber in den bayerischen Bergen. Ganz alleine hat sie Großmutter in den Zug gesetzt und sie sind nach Garmisch-Partenkirchen gefahren. Dort wohnen nämlich Onkel Hans und Tante Liesl. Und das Beste ist, sie besitzen einen großen Bauernhof. Ganz oben unter dem Dach haben sich die Drei in den bayerisch-gemütlichen Gästezimmern einquartiert. Wenn sie zu den kleinen Dachfenstern hinaus blicken, können sie bei Sonnenschein das ganze Wettersteingebirge und die Zugspitze sehen. Es ist der höchste Berg Deutschland, dessen Gipfel fast 3000 Meter über dem Meeresspiegel liegt!
Gretel gefällt es auf dem Bauernhof von Onkel Hans und Tante Liesl viel besser, als zu Hause in der Stadt. Sie ist ganz begeistert, dass sie mit Kasperl und Seppl ein paar Ferienwochen in Garmisch-Partenkirchen verbringen darf. Tante Liesl freut sich auch immer, wenn die drei Kinder zu Besuch kommen. Sie sind nämlich immer sehr fleißig und helfen bei allen Arbeiten auf dem Bauernhof mit. Gretel macht die Arbeit mit den vielen Hühnern besonders viel Spaß. Sie hat sie schon wieder alle in den Stall getrieben und ihnen genügend Körner zum Fressen gegeben. Kasperl ist mit Onkel Hans im Kuhstall und hat ihm beim Stallausmisten geholfen. Onkel Hans ist ganz überrascht, wie schnell diese Arbeit zu Zweit erledigt war. Kasperl fährt noch schnell die leere Schubkarre voll Mist zum Misthaufen. Dann will er einmal nachsehen, ob Seppl im Schweinestall auch schon alles erledigt hat. Seppl hat schon den ganzen Stall ganz alleine blitzblank sauber gemacht. Nun füllt er den Schweinen nur noch ihr Abendessen in die Futtertröge. Freudig grunzend machen sich die Schweine und Ferkel schmatzend über ihr Futter her.
Als Kasperl den Seppl zwischen den vielen Schweinen sieht, muss er erst einmal lautstark lachen: „Hähähä, Seppl, wie siehst du denn aus? – Hast du zusammen mit den Schweinchen aus ihren Trögen gegessen? – Du bist ja voller Dreck und Speck! – Wenn man dich so anschaut, könnte man dich selber mit einer Suckelsau verwechseln, hähä!“
Gretel kommt auch dazu und als sie Seppl sieht, fordert sie ihn auf, schleunigst mit ihr zum großen Ziehbrunnen in der Hofmitte zu gehen und sich dort gründlich zu säubern.
Kasperl hilft derweil noch seinem Onkel, alle Gartengeräte in die Scheune zu bringen. Genau in dem Moment ist über den ganzen Hof Tante Liesl’s rufende Stimme zu hören: „Beeilt euch und wascht euch schnell! Das Abendessen ist fertig!“ – Na, diese verlockenden Worte spornen alle an, besonders schnell die letzten Arbeiten zu erledigen! – Tante Liesl mach nämlich immer ein leckeres, kräftiges Essen. Und für Seppl ist es besonders wichtig, dass es davon immer riesige Portionen gibt. Drum beeilt er sich mit dem Gesicht- und Händewaschen, was der Gretel aber nicht gefällt! – Mit der Katzenwäsche wird er nämlich nie richtig sauber. Also zieht sie noch einen Eimer voll Wasser aus dem Ziehbrunnen und schrubbt den Seppl so richtig ab. Seppl stöhnt und jammert dabei: „Oh! Au! Gretel, schrubb doch nicht so auf meiner zarten Haut herum! – Man meint ja, deine Hände sind ein Putzrasch! – Au! Oh! Ach! Aua! Auweh!“ – Während Seppl so herum jammert, hat Gretel das Gefühl, als ob sie von irgendwo her noch Hühnergegacker hört. Deshalb bittet sie Seppl, mal mit seinem Gejammer aufzuhören und lauscht. – Ja! – Jetzt hört es Seppl auch! Das Hühnergegacker scheint aus dem Wald zu kommen. Lachend meint Seppl, dass der Hühnermagd Gretel die Hennen davon gelaufen sind. – Doch, Gretel kann sich das nicht vorstellen. Sie hat doch alle Hühner in den Stall gelockt und durchgezählt, ob auch wirklich alle drinnen sind. Dann hat sie gleich die Stalltüre abgeschlossen. – Es kann doch nicht sein, dass sich welche von den Hennen verlaufen haben. – Um das heraus zu finden, machen sich Gretel und Seppl auf den Weg in den Wald. Dort entdecken sie eine alte Holzhütte und es scheint, dass das Hühnergegacker von dort kommt. Gretel geht zur Hütte, klopft an die Tür und ruft: „Hallo, ist da jemand?“ – Doch, es rührt sich nichts! – Seppl steht daneben und spottet nur: „Hoho, meinst du, die Hühner rufen HEREIN? – Da auch nach dem zweiten Mal Rufen niemand antwortet, öffnet Seppl vorsichtig die knarrende Tür und sieht hinein. – Gretel und Seppl trauen ihren Augen nicht! – In der Hütte sitzen dicht gedrängt Hunderte von traurigen Hühnern. Gretel ist ganz entsetzt und fragt: „Ja, sagt einmal, ihr Hennen, wer hat euch denn da hinein gepfercht?“ – Ihr werdet es kaum glauben, Kinder, aber eine der Hennen fängt tatsächlich das Sprechen an und gibt Antwort. Gackernd erzählt sie, dass sie von der Hexe Krummbuckel gefangen wurden. Sie hat sie hier eingesperrt und lässt sie nie heraus. Sie dürfen nicht draußen herum laufen und im Gras scharren. Die liebe Sonne haben sie auch schon lange nicht mehr gesehen. In ihrem Gefängnis müssen sie für die Hexe nur jeden Tag ganz viele Eier legen, die sie verkaufen will. Gretel und Seppl bedauern die armen Hühner und lassen sie auf der Stelle frei. Die sprechende Henne bedankt sich im Namen aller für die Rettung. Dann laufen sie schnell davon und suchen in der Natur nach Futter.
Gretel und Seppl eilen nun auch wieder zurück zum Bauernhof, denn dort wartet ja Tante Liesl schon lange mit dem Abendessen. Während sie am Tisch sitzen und es sich schmecken lassen, erzählen Gretel und Seppl von der Befreiung der Hühner im Wald. Kasperl, der Onkel und die Tante können die Geschichte kaum glauben.
Inzwischen ist die Hexe Krummbuckel vom Markt zurückgekehrt, wo sie die Eier ihrer gefangenen Hühner verkauft hatte, um Geld zu verdienen. Als sie vor ihrer Hütte steht, bleibt sie vor Schreck erstarrt stehen. Voller Entsetzen stellt sie fest, dass die Haustür sperrangelweit offen ist und alle Hennen verschwunden sind. „Zum Kuckuck, die muss jemand absichtlich heraus gelassen haben!“, schimpft sie mit ihrer krächzenden Stimme vor sich hin. „Wer mag das nur gewesen sein?“, fragt sie sich. – Doch das kann sie ja leicht herausfinden und will die Übeltäter bestrafen. Mit ihrem Hexenbesen und einem Spruch wird sie diese Widersacher herbeihexen:
„Hexenbesen, eins-zwei-drei,
hol mir die Diebe ins Hühnerhaus herbei!“
Es zischt und blitzt! – Und? – Was passiert? – Seppl und Gretel sind plötzlich wie aus heiterem Himmel vom Esstisch verschwunden! – Die Stühle auf denen sie saßen, stehen auf einmal ohne sie da! – Tante Liesl glaubt ihren Augen nicht! – Was war das für ein seltsamer Spuk? – Kasperl kann sich schon denken, wer dahinter steckt und macht sich gleich auf den Weg, um die Hütte der Hexe Krummbuckel zu suchen.
Diese will nun in ihrer Hütte nachsehen, wer ihrer Hühner freigelassen hat. Damit sie ihr nicht auch noch ihren Besen abnehmen, lässt sie diesen draußen vor ihrer Hütte stehen. Dann humpelt sie wütend in die Hütte und droht Gretel und Seppl Hiebe an, wenn sie nicht schleunigst alle ihre Hühner wieder einfangen.
Kasperl hat die Holzhütte auch schon gefunden und ist sich sicher, dass er an Ort und Stelle ist, denn neben der Tür sieht er einen Hexenbesen. Sicherheitshalber nimmt er diesen lieber an sich. Bis nach draußen hört er die Hexe mit Gretel und Seppl schimpfen: „Ihr fangt mir sofort meine Hühner wieder ein, sonst verhex ich Euch Beide und ihr müsst immer hier bleiben!“ – Da stürmt Kasperl in die Hütte und lacht: „Hähähä, wie willst du sie denn verhexen? Deinen Hexenbesen habe nämlich ich! – Und wenn du die Gretel und Seppl nicht sofort freilässt, dann verhex ich dich!“ – Doch die Hexe will sie nicht freilassen. Erst will sie ihre Hennen alle wieder haben. Kasperl macht ihr deutlich, dass ihr die Hühner nicht gehören, weil sie nicht würdig mit ihnen umgeht. Sie sperrt sie ja nur Tag und Nacht ein und lässt sie nie hinaus, deshalb waren die Hühner alle traurig! – Und nur glückliche Hühner, die im Freien leben, legen auch gute Eier. – Gretel erklärt ihr, dass Tante Liesl ihre Hühner auch den ganzen Tag im Hof herum laufen lässt und da legen sie genauso viel – wenn nicht sogar noch viel mehr – Eier! – Nur nachts werden sie ins Haus gelassen, damit sie auf ihren Stangen schlafen und vor dem Fuchs in Sicherheit sind. – Die Hexe verspricht, die Hühner in Zukunft artgerecht zu halten, falls sie wieder zu ihr zurückkommen. Denn Eier von glücklichen Hühnern kann sie vielleicht noch besser verkaufen, als die von traurigen Hühnern. Dann macht sie sich auf den Weg, um die Hennen zu suchen und wieder anzulocken.
Ihr, liebe Kinder, müsst hoffentlich nicht den ganzen Tag im Zimmer oder im Haus bleiben, weil schlechtes Wetter ist. Ihr habt hoffentlich schönes Urlaubswetter und könnt Baden und Wandern gehen. Vielleicht macht Ihr ja auch Urlaub auf einem Bauernhof! – Ehrlich, da kann man auf den Feldern und mit den Tieren von Früh bis Spät viel erleben.
Und abends schlaft Ihr dann immer todmüde auf Euerer Stange – äh – in Euerem Bett ein, hähä.
Noch schöne Ferien und herrliches Urlaubswetter sowie für heute eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
© Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






