Alle Kinder freuen sich zur Zeit, weil endlich wieder Ferien sind – Osterferien! – Noch dazu, weil es rechtzeitig zu Beginn der Ferien auch richtig Frühling wurde. Keine Schule – keine Hausaufgaben – nur Spielen, Toben und Faulenzen. Das Bamberger Kasperle, Gretel und der Seppl sind heute Abend ganz schön fertig, denn seit gestern sind „Großputztage“ bei Kasperls Großmutter. Das ganze Haus wurde vom Dachboden bis in den Keller blitzblank gekehrt und geputzt, der Garten sauber gemacht und hergerichtet und der ganze Müll entsorgt. Heute haben die drei Kinder die gute Stube und den Hausflur mit bunten Ostereiern und Blumen geschmückt, damit an den Osterfeiertagen alles schön bunt und freundlich wirkt. Schließlich kommen da – wie alle Jahre – Tante Frieda und Onkel Schorsch am Sonntag Nachmittag zum Kaffeetrinken. Jetzt sind alle Drei völlig fix und fertig vom vielen Arbeiten. Aber, sie konnten ja der Großmutter nicht alles alleine machen lassen und haben ihr gerne geholfen. Vor dem Abendessen haben sie sich zum Schluss noch selbst gereinigt und sind nacheinander in die Badewanne gestiegen. Nun sitzen sie in ihren bunten Bademänteln um den Esstisch herum und warten nur darauf, dass ihnen Großmutter zur Belohnung etwas Leckeres serviert. – Doch scheinbar soll noch keine Ruhe im Haus von Kasperls Großmutter einkehren. –
Es scharrt plötzlich wie wild an der Haustür und jemand kräht aus vollem Hals: „Kikeriki! – Kikeriki!“ Kasperl wundert sich, was das soll. So steht er auf öffnet leicht die Tür und spitzt durch den Spalt hinaus. Es ist Großmutters Gockel Buntfeder, der vor der Tür steht und so einen Radau macht. Kasperl kann nur mit dem Kopf schütteln und meint verwundert zu Buntfeder: „Was machst du denn für einen Krach, Buntfeder? – Ich glaube, deine Uhr geht falsch! – Hähähä, du musst Kikeriki rufen, wenn die Sonne aufgeht. – Nicht, wenn sie untergeht!“ Gockel Buntfeder ist völlig aufgeregt und erklärt Kasperl, das er mit seinem Rufen niemanden wecken wollte, sondern er wollte den Osterhasen alarmieren.
Kasperl muss ihn aber enttäuschen, denn der Osterhase ist nicht bei ihnen im Haus. Der Gockel findet aber, dass es höchste Zeit wird, dass er kommt, um die Eier abzuholen. Seine Hennen haben die Woche extra viele Eier gelegt, damit er sie möglichst frisch in die Osternestchen der Kinder verteilen kann. Kasperl kann sich gar nicht vorstellen, weshalb der Osterhase die wichtigen Eier für Ostern nicht abholt. Schnell zieht er darum Hose, Pullover, Jacke und Schuhe an und begleitet Buntfeder in den Hühnerstall. Tatsächlich, im Stall liegt ein ganzer Berg frisch gelegter Eier von Großmuttis glücklichen Hühnern. Kasperl kann das nicht verstehen: „Omei, omei“, sagt er zu Buntfeder, „die Eier sind ja alle noch roh und unbemalt!“ Buntfeder meint, das Beste wird es sein, in den Wald zu gehen und den Osterhäschen im Osterhasenreich einen Besuch abzustatten. Doch weder Kasperl noch Gockel Buntfeder wissen genau, wo die Osterhäschen ihre Werkstatt haben. – Logisch, das soll ja auch kein Mensch wissen. Buntfeder weiß nur, dass sie in irgendeiner Höhle leben. Er ist sich sicher, zu Zweit werden sie sie schon finden. Und schon stolziert er mit flinken Schritten auf seinen Kratzefüßen davon. Lauthals krächzt er immer wieder: „Kikeriki! – Kikeriki!“, denn er hofft, damit den Osterhasen aus seinem Bau zu locken. Kasperl eilt ihm hinterher und sucht am Boden nach Hasenspuren oder verlorenen Eiern, die ihnen den Weg weisen. Er hofft, der Osterhase erkennt ihn an seiner Stimme und ruft unentwegt: „Osterhase! – Osterhase!“. Doch kein Hase ist zu sehen und nicht die geringste Spur ist zu entdecken. Die Osterhasen müssen sich wirklich ein ganz geheimes Versteck ausgesucht haben, das man einfach nicht finden kann.
Plötzlich wird es düster im Märchenwald und eine geheimnisvolle Melodie erklingt. In einem roten Lichtkegel steht auf einmal eine zierliche Mädchengestalt in einem langen rosa Kleid vor ihnen. „Wer schreit denn hier so im Wald herum und stört mich und die Waldtiere beim Winterschlaf?“, fragt sie die Beiden etwas erbost. Kasperl und Gockel Buntfeder stellen sich dem gespenstischen Wesen anständig vor – so wie sich das gehört – und erklären ihm, das sie doch nur den Osterhasen suchen. Neugierig – wie Kasperle ist – will er natürlich auch wissen, wer sich da hinter dem verschleierten Gesicht verbirgt. – Da hebt sie den Schleier hoch und sie erkennen, dass es die gute Tierelfe ist, die Beschützerin aller Tiere in Feld und Wald. – Das trifft sich ja gut, denkt Kasperl, sie muss ja wissen, was mit den Osterhasen los ist. Kasperl und Buntfeder wundern sich, dass die Tiere alle noch Winterschlaf halten, wo doch Ostern direkt vor der Tür steht. Buntfeder macht ihr klar, dass es höchste Eisenbahn für den Osterhasen ist, bei ihm die unbemalten Eier abzuholen, sonst reicht ihm die Zeit nicht mehr, um sie bis zum Osterfest bunt zu färben. Das leuchtet der Tierelfe ein und sie findet es auch äußerst merkwürdig, da die Osterhasen sonst immer die Ersten sind, die nach dem Winter ihre Arbeit wieder aufnehmen. Selbstverständlich weiß sie, wo man die Osterhäschen findet und bittet Kasperl und den Gockel, dort einmal nach dem Rechten zu sehen. Sie erklärt ihnen den Weg, aber nur unter der Bedingung, dass sie dieses Geheimnis immer für sich behalten: „Geht diesen Weg noch ungefähr hundert Meter geradeaus weiter, dann seht ihr links davon einen großen Felsbrocken. Genau dahinter findet ihr den Eingang zur Höhle des Osterhasen!“ Kaum hatten sich Kasperl und Buntfeder für diesen Hinweis bedankt, war die Tierelfe wieder verschwunden. Die geheimnisvolle Melodie, die ihr Erscheinen begleitete, ist auch wieder verstummt.
Das rote Licht ist auch gewichen und nun haben Beide wieder klare Sicht. Sofort machen sie sich auf den Weg und halten Ausschau nach dem besagten Felsbrocken. „Da, sieh mal, Kasperle!“, krächzt der Gockel ganz aufgeregt, „Das – da muss der Eingang zur Hasenhöhle sein!“ Kasperl will sich gleich davon überzeugen und ruft in die Höhle hinein: „Hallo, Osterhase! – Dein Freund Kasperle ist hier! – Komm doch bitte einmal heraus!“ Damit der Osterhase auch wirklich merkt, dass Besuch da ist, kräht auch der Hahn in die Höhle: „Kikeriki! Kikeriki!“
Gähnend und ganz verschlafen kriecht der Osterhase endlich aus seinem Bau heraus. „Mümmel, mümmel“, murmelt er noch völlig schlaftrunken, „was ist denn los? Wer weckt mich denn da aus meinem Winterschlaf auf?“ Buntfeder meint leicht energisch, er soll man seine Augen richtig aufmachen. – Ja, jetzt erkennt der Osterhase seine Freunde, den Kasperl und seinen Eierlieferanten Buntfeder. Immer noch nicht ganz wach, will der Osterhase wissen, was er für sie tun kann. Sie erklären ihm Beide, dass es Zeit wird für die vielen Kinder die Ostereier zu bemalen und dass ein ganzer Berg frischer Eier im Hühnerstall nur darauf wartet, endlich abgeholt zu werden. Der Osterhase findet die Hektik etwas übertrieben, denn es sind doch noch ein paar Wochen bis Ostern. Dann erschrickt er aber ganz schön, als sie ihn darauf hinweisen, dass das Osterfest schon direkt vor der Tür steht. Der Osterhase setzt seine Brille auf und guckt auf seinen Kalender. – Ui, da wird er auf einmal wieder hell wach. „Oje, mümmel, mümmel, wir haben verwinterschlafen!“, gibt er kleinlaut zu. Gleich will er auch seine kleinen Häschen wecken und sie morgen Früh mit allen Wägelchen und Schubkarren los schicken, um die Eier abzuholen. Da aber höchste Eile geboten ist, findet Kasperle, es dauert zu lange, bis seine Osterhäschen in ihren kleinen Wägelchen alle Eier abtransportiert haben. Deshalb will er sie alle in Großmuttis großen Handwagen laden und selbst hierher fahren. Jetzt, wo er das Versteck der Osterhäschen kennt, ist das ja kein Problem für ihn. Buntfeder hat Sorge, dass die Nester für die Kinder auch noch rechtzeitig fertig werden. Aber da kann ihn der Osterhase beruhigen. Er sichert ihm zu, dass sie heute Nacht noch alle bereit gestellten Nestchen der Kinder abholen und vorbereiten. So müssen sie morgen nur noch die Hühnereier anmalen und darin verteilen. Denn unbemalte Ostereier wollen sie den Kindern nicht schenken. Notfalls arbeiten sie Tag und Nacht. „Jaja“, meint Kasperl lachend, „müde könnt ihr ja nicht mehr sein, hähä. Ihr müsst ja heuer besonders ausgeschlafen haben, hähä.“
Ja, liebe Kinder, die Osterhäschen haben heute noch viel zu tun und müssen die ganze Nacht wach bleiben, damit ihr alle euere Osternestchen bekommt. Ihr aber, seid ja nicht erst vom Winterschlaf aufgewacht und müsst deshalb schön schlafen. Rechnet schnell noch aus, wie oft ihr noch schlafen müsst, bis der Osterhase zu euch kommt und dann schließt euere Äuglein und träumt was Schönes.
Die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl wünschen Euch ein frohes Osterfest und für heute eine Gute Nacht!
Wolfgang Herrnleben (GAP, 2009)






