Die letzten Tage war überhaupt kein Wetter, um in den Garten zu gehen. Immer wieder hat es geregnet, gestürmt und manchmal zog sogar ein heftiges Gewitter auf. Die Großmutter hat dem Bamberger Kasperl und der Gretel beruhigend erklärt, dass es wohl mit der jährlichen Schafskälte zusammen hängen muss, die aber normalerweise nur ein paar Tage dauert. Die Einzigen, die dies nicht unbedingt schlecht fanden, waren Kasperl und Seppl. Denn weil es jeden Tag genügend geregnet hatte, brauchten sie den Garten nicht zu gießen. Doch über Nacht haben sich die Wolken am Himmel verzogen und es schien den ganzen Tag die Sonne. Auf so einen Tag hat Gretel schon lange gewartet, denn im Kellerregal hat sie in lauter kleinen Holzkistchen verschiedene Blumenzwiebeln einsortiert, die sie doch so gerne schon längst eingepflanzt hätte. Nachdem sie heute besonders schnell ihre Hausaufgaben erledigt hatte, ist sie nun immer Keller und holt ihre Holzkistchen aus dem Regal und trägt sie nacheinander in den Garten. Dort reiht sie diese gut überlegt am Rande des Blumenbeetes auf. Sie will die Zwiebeln ihrer Sommerblumen nämlich mit System einpflanzen, damit sie dann im Sommer ein schönes Muster ergeben, wenn sich die verschieden farbigen Blütenkelche öffnen. Gretel kniet neben dem Blumenbeet, hackt, gräbt, schaufelt und setzt eine Zwiebel nach der anderen in die aufgelockerte Erde. Und das tut sie unermüdlich und merkt gar nicht, dass sich schon der Abend naht.
Kasperl kommt auch gerade in den Garten, um nach der Gretel zu sehen. „Na, Gretelein, was werkelst du denn solange im Garten herum?“, fragt er sie. Gretel erklärt ihm, ohne aufzublicken, dass sie noch ein paar Zwiebeln einpflanzen muss, aus denen ihre Sommerblumen wachsen sollen. Sie bittet Kasperl, ihr doch zu helfen, damit sie bis zum Abendessen noch fertig wird. Kasperl will natürlich auch, dass sie sich im Sommer wieder an einem herrlich bunten Blumenbeet erfreuen können und krempelt deshalb schon einmal die Ärmel hoch. Er lässt sich von Gretel erklären, an welchen Stellen die Zwiebeln gepflanzt werden müssen und folgt brav ihren Anweisungen. Die beiden stecken eine Blumenzwiebel nach der anderen in den Boden, bedecken sie mit Erde und es leeren sich so langsam die vielen Holzkistchen. Aber es sind schon noch einige Zwiebeln übrig, die alle noch ihren Platz im Blumenbeet bekommen sollen.
Kasperl und Gretel arbeiten emsig wie die Bienen und bemerken vor lauter Eifer gar nicht, dass sich die Wetterhexe hinter den großen Stachelbeerstrauch in ihrem Garten gehext hat. Sie beobachtet sie Beiden und schimpft über die Pflanzerei, die jetzt an dem schönen Tag wieder in vielen Gärten am Gange ist. Die Wetterhexe hasst grüne Wiesen, bunte Blumen und blühende Gärten. Sie mag es lieber, wenn die Gärten und die Natur das ganze Jahr nur grau und kahl bleiben. Sie überlegt, was sie tun kann, damit es nicht bis zum Herbst oder sogar bis zum Winter dauert, bevor alles wieder farblos und traurig wird. Da fällt ihr ein, sie hat ja noch ein paar Schlechtwetterboten in ihrer Schürzentasche. Doch viele hat sie nicht mehr übrig, weil sie heuer schon so viele verbraucht hat. Eigentlich muss sie sparsam damit umgehen, damit diese noch für den Rest des Frühjahrs und den Sommer reichen. Doch es nützt nichts, sie muss sie wohl alle opfern, damit es auch ein richtiges Unwetter wird. So holt sie ihre restlichen Regenkugeln, Blitzsteine, Donnerschläge und eine Windtüte aus der Tasche und wirft sie mit großem Schwung hoch in den Himmel. Dabei murmelt sie einen Hexenspruch und es dauert nur wenige Sekunden, da verteilen sich ihre Schlechtwetterboten über den ganzen Himmel. Und schon fängt es an zu stürmen, es blitzt, donnert und der Regen prasselt auf die Erde nieder.
Im Nu sind Kasperl und Gretel patschnass. „Na hopperla! Was ist denn nun los?“, wundert sich Kasperl. „Gretel, wir müssen aufhören!“ Gretel ist ganz außer sich: „Ich versteh das nicht, Kasperle. Grade schien doch noch die Sonne!“ Kasperl kommt es vor, als ob ein Orkan angefegt kommt, solch einen starken Wind hatte die Hexe aus ihrer Windtüte gehext. Gretel ist dem Heulen nahe: „Oje, Kasperl, meine ganzen Pflanzen und Zwiebeln schwemmt es davon!“ Kasperl tröstet sie erst einmal und findet, es ist wohl erst einmal das Beste, sie stellen sich im Gartenhäuschen unter, bevor sie auch davon geschwemmt werden. Als sie Beide zum Gartenhäuschen flüchten und am Stachelbeerstrauch vorbeieilen, hört Kasperl etwas. „Nanu, wer lacht denn da so frech?“, fragt Kasperl und hat sofort bemerkt, aus welcher Richtung das kam. Obwohl er von dem strömenden Regen schon nass bis auf die Haut ist, geht er hinter den Stachelbeerstrauch und wen entdeckt er da? – Die Wetterhexe, die immer noch schadenfroh lacht. „Du hast uns wohl das schlechte Wetter eingebrockt?“, ist Kasperl sofort klar. Gretel ist auch wieder zurückgelaufen und wirft ihr weinerlich vor: „Das ist gemein von dir! Jetzt hab ich im Sommer überhaupt keine selbst gepflanzten Blümchen im Garten, weil es alle meine Pflanzen und Blumenzwiebeln davon geschwemmt hat!“
Doch wie durch ein Wunder hört es plötzlich wieder auf zu regnen, die Wolken und das Gewitter verziehen sich und kräftige Sonnenstrahlen trocknen den Rasen, die Sträucher und die Pflanzenbeete. „Da sieh mal, Gretel“, ruft Kasperle und schaut dabei nach oben, „die liebe Sonne kommt uns zu Hilfe!“ Mit hellen Klängen wie von einem Glockenspiel hat sich die Sonne durch die dichten Wolken gedrängt und das Unwetter sowie alle Wolken vertrieben. „Wir danken dir, liebe Sonne!“, ruft ihr Kasperle freudig zu. „Sie kam leider zu spät!“, bedauert Gretel. „Mein ganzer Blumengarten ist schon total zerstört!“ Doch die Sonne fühlt mit Gretel und meldet sich vom Himmel zu Wort: „Wartet, Kasperle und Gretel, ich bringe alles wieder in Ordnung, was die Wetterhexe mit ihrem Schlechtwetter-Feuerwerk angerichtet hat. Es wäre doch auch für mich, die Sonne, sehr langweilig, wenn in meinen Sonnenstrahlen keine bunten Blumen leuchten!“ Gretel ist noch immer sehr betrübt und kann sich nicht vorstellen, wie die Sonne ihre Blumenzwiebeln und Pflanzen wieder in die Blumenbeete zurück bringen will.
Da spricht die Sonne ein Machtwort vom Himmel:
„Im Garten soll alles wieder in Ordnung sein,
damit uns im Sommer seine Blumen erfreun!“
Es ertönt daraufhin ein lautes Klingen wie von Tausend Glocken, die Strahlen der Sonne wirbeln und kreisen durch den ganzen Garten und die Blumenerde, die Zwiebeln und Pflänzlein sind wieder geordnet und fein säuberlich in Gretels Blumenbeeten.
„Ach ich danke dir so sehr, liebe Sonne!“, bedankt sich Gretel ganz artig und strahlt wie Sonnenstrahlen über ihr ganzes Gesicht. Kasperl beobachtet in dem Moment die Wetterhexe und muss herzhaft lachen: „Hähähä, na du böse Wetterhexe, du machst ein Gesicht, als wenn du gleich deinen Hexenbesen auffuttert möchtest, hähä!“ Die Hexe ärgert sich wirklich, denn wegen ihrem bösen Streich hat sie nun keine Schlechtwetterboten mehr in der Schürzentasche, mit denen sie die Sonne gleich wieder vertreiben könnte. Auch wenn es schon Abend ist, kann die Sonne über die Hexe auch nur von oben herunter lachen: „Ja, da bist du selbst schuld, Wetterhexe. Deine Zeit für heuer ist um. Du musst nun zurück ins Regenreich und bis zum nächsten April warten, bis deine Taschen wieder mit Schlechtwetterboten gefüllt werden!“ Wütend und enttäuscht setzt sich die Hexe auf ihren Besen und mit einem lauten Zisch reitet sie auf ihm weit davon, bis sie in weiter Ferne nur noch als Punkt am Himmel zu sehen ist und hinter dem Horizont verschwindet. Gretel freut sich nun schon darauf, wenn ihre Sommerblumen alle ihre Kelche öffnen und den ganzen Garten in ein buntes Blütenmeer verwandeln.
Die Sonne verabschiedet sich, denn sie muss auf ihrer Bahn weiter ziehen und Platz machen für den guten Mond und die dunkle Nacht.
Ihr, liebe Kinder habt euren Platz im Bett sicher auch schon gefunden und könnt vielleicht wie die Gretel von einem blühenden Blumenbeet träumen, wenn ihr auch einen Garten habt.
Die Puppenbühne Herrnleben und euer Bamberger Kasperle wünschen euch eine gute Nacht!
Wolfgang Herrnleben (2008)






