Seit letzter Woche ist wieder Advent, in vielen Orten sind die Weihnachtsmärkte mit ihren Buden aufgebaut. Es glitzert und funkelt überall, Lichterketten sind über den Straßen aufgehängt und es riecht nach Lebkuchen und Glühwein. Und alle Kinder wissen, dass es nicht mehr lange dauert, bis der Nikolaus zu ihnen kommt.
Auch Kasperl, Gretel und Seppl fiebern schon dem Tag entgegen. Aber vorher müssen sie noch ihre Wunschzettel schreiben. Deshalb sitzen sie schon einige Zeit am Küchentisch, jeder hat vor sich ein Blatt Papier liegen, einen Stift in der Hand und sie grübeln nach, was sie sich heuer vom Christkind wünschen können. Alle drei sind ja bescheiden und wollen sich nichts wünschen, was übertrieben und nicht zu erfüllen wäre. Kasperl ist als erstes fertig und faltet seinen Wunschzettel zusammen. Gretel ist neugierig und will wissen, was Kasperl auf seinen Zettel geschrieben hat. Aber Kasperl zeigt es ihr nicht, denn es soll sein Geheimnis bleiben. Dann versucht es Gretel beim Seppl. Doch auch er lehnt es ab, ihr seine Wünsche zu zeigen, denn die Wünsche darf niemand sehen, sonst gehen sie nicht in Erfüllung, meint Seppl. Gretel findet das sehr schade, denn sie hätte zu gerne gewusst, was sich die beiden Burschen zu Weihnachten wünschen. Nun, nachdem auch Gretel und Seppl ihre Zettel schön zusammen gefaltet haben, schlägt Kasperl vor, dass sie ihre Wunschzettel außen aufs Fensterbrett legen und dass schlafen gehen. Kasperl vermutet nämlich, dass der Nikolaus heute Nacht durch die Straßen zieht und die Zettel abholt. Gretel öffnet das Küchenfenster und alle drei legen die Zettel aufs Fensterbrett, in der Hoffnung, dass sie der Nikolaus findet und sie am Heiligen Abend vom Christkind ihre Wunschgeschenke bekommen. Dann gehen alle Drei in ihre Zimmer, um sich schlafen zu legen.
Es dauert nicht lange, da gehen in allen Zimmern im Haus von Kasperls Großmutter die Lichter aus. Auf diesen Moment hat draußen im Garten der Räuber Nehmichmir gewartet. Er schleicht um das Haus, bis er die Wunschzettel findet. Er nimmt sich die Zettel und steckt sie in seinen großen Sack, den er bei sich trägt. Und in diesem Sack ist noch mehr drin. – Nämlich ganz ganz viele Wunschzettel von allen anderen Kindern. Schadenfroh lacht er darüber, wenn er daran denkt, dass alle Kinder heuer an Weihnachten keine Geschenke bekommen. Er meint nämlich, wenn er alle Wunschzettel auf das Fensterbrett von seinem Räuberhaus legt und sie der Nikolaus bei ihm mitnimmt, dass er dann auch vom Christkind alle Geschenke bekommt. Hämisch lachend schleicht er sich wieder davon.
Gretel wälzt sich immer noch in ihrem Bett herum und hat noch kein Auge zugemacht, weil sie vor Spannung nicht schlafen kann. Sie muss wissen, ob der Nikolaus die Wunschzettel schon abgeholt hat. Also schleicht sie sich aus ihrem Zimmer und die Treppe hinunter in die Küche. Kasperl und Seppl schlafen komischerweise auch noch nicht und haben bemerkt, dass die Gretel ihr Zimmer verlassen hat. Sie schleichen ihr hinterher, weil sie denken, Gretel will doch nachsehen, was sie auf ihre Zettel geschrieben haben. Gerade als sie das Küchenfenster öffnet, kommen auch Kasperl und Seppl in die Küche. Kasperl meint, netzt hätten sie Gretel beim Spionieren ertappt: „Ja, Gretelein, was ist denn noch? Warum schläfst du denn noch nicht?“ Ganz verdutzt dreht sich Gretel um und stottert nur: „Da – da, seht, der – der Nikolaus hat unsere Wunschzettel schon abgeholt!“ „Na, also“, sagt Kasperl, „dann können wir ja endlich beruhigt schlafen!“
Gerade, als sie wieder die Treppe hochmarschieren, klingelt es an der Tür. Sie wundern sich alle, wer da so spät noch bei ihnen läutet. Kasperl rennt wieder zurück und öffnet die Tür. – Und, wer steht da vor der Tür? – Ja so was, es ist der Nikolaus! Kasperl wundert sich: „Ja, grüß Gott, Nikolaus. Warum kommst du heute schon zu uns und warum so spät. Wir sind eigentlich schon so gut wie im Bett!“ Der Nikolaus beruhigt Kasperl erst einmal, denn er ist nicht zu ihnen gekommen, um ihnen heute aus seinem goldenen Buch ihre guten sowie schlechten Taten vorzulesen und ihnen die Geschenke aus seinem großen Sack zu geben. Er ist heute nämlich nur unterwegs, um die Wunschzettel der Kinder für das Weihnachtsfest einzusammeln. Kasperl ist sich sicher, dass der Nikolaus doch ganz bestimmt auch ihre Zettel schon mitgenommen hat, die sie auf die Fensterbank gelegt haben. Doch der Nikolaus muss Kasperl enttäuschen. Denn er konnte ihre Wunschzettel nicht mitnehmen, weil er nirgends welche gefunden hat, genauso wenig, wie bei allen anderen Häusern, in denen Kinder wohnen, auch. Deshalb fragt sich der Nikolaus, ob denn alle Kinder heuer wohl keine Wünsche an das Christkind haben. – Kasperl versichert ihm aber, dass sie ihre Wunschzettel ganz sicher alle Drei auf’s Fensterbrett gelegt haben. Gretel, die inzwischen auch wieder zurück gekommen ist, vermutet, dass der Wind sie davon geblasen hat.
Auf einmal hören sie draußen ein lautes Bellen. Es ist Bello, Kasperls treuer Hund! – Kasperl fragt sich, was Bello wohl hat und warum er so aufgeregt bellt! Kasperl öffnet die Haustür und sieht einmal nach dem Rechten. Da sieht er den Räuber Nehmichmir herum hüpfen und schreien: „He, du blöder Köter, lass sofort mein Hosenbein los und lass mich gehen!“ Gretel steht mittlerweilen in ihrem Bademantel auch unter der Tür und erkennt den Räuber Nehmichmir, den Bello am Wickel hat. Kasperl fragt ihn gleich, was er denn wohl im Dunkeln in ihrem Garten zu suchen hat? – Dann sieht Kasperl, dass er auch einen großen Sack mit sich trägt, und will wissen, was er da drin hat. Der Räuber macht ihm erst einmal deutlich, dass ihm das gar nichts angeht und fordert Kasperl auf, lieber seinen Hund zurück zu pfeifen. - Doch Kasperl lässt sich nicht so einfach abwimmeln und will erst einmal wissen, was Nehmichmir in seinem Sack hat. Der Räuber sagt Kasperl, dass es ihm zwar gar nicht angeht, aber er hat nur Papier drin. Kasperl glaubt ihm aber nicht und will Bello nur zurück rufen, wenn er mal sehen darf, was er in seinem Sack hat. Was bleibt dem Räuber anderes übrig. Er muss es zulassen, sonst ruft Kasperl seinen Bello nicht zurück. Kasperl schaut interessiert in den Sack und was entdeckt er darin? – Richtig, lauter Papier! – Aber nicht irgendein Papier, sondern es sind die ganzen Wunschzettel, die der Nikolaus bei ihnen und bei allen anderen Kindern vermisst hat. Der Nikolaus ist völlig entrüstet! Denn nun hat die Erklärung dafür, warum er nirgends und auf keinem Fensterbrett der ganzen Häuser auch nur einen Wunschzettel gefunden hat. Die hat alle der Räuber Nehmichmir vor ihm eingesammelt. Der Nikolaus findet das nicht schön, dass der Räuber den Kindern die Weihnachtsfreude verderben wollte. Aber, zum Glück hat ja der Räuber alle Wunschzettel der Kinder, natürlich auch die von Gretel, Seppl und ihm, in seinem Sack. Kasperl nimmt dem Räuber den Sack ab und übergibt diesen dem Nikolaus und bittet ihn, diesen dem Christkind zu bringen, damit es weiß, was sich die Kinder wünschen. Den Räuber scheucht Bello endgültig laut bellend davon, denn er hat keine Geschenke verdient.
Nun hat der Nikolaus doch noch alle Wunschzettel der Kinder und vielleicht bekommen sie dann vom Christkind wirklich alles, was sie sich vom Christkind zu Weihnachten wünschen. -
Habt ihr, liebe Kinder, alle schon alle euere Wunschzettel geschrieben? – Wenn nicht, dann tut es möglichst schnell, damit sie der Nikolaus bei Euch einsammeln kann.
Wir hoffen, alle Euere Weihnachtswünsche gehen auch in Erfüllung und alles, was Ihr Euch gewünscht habt, liegt auch unter dem Christbaum! – Aber träumen könnt Ihr schon einmal von Eueren Geschenken. Drum legt Euch brav in Euer Bett und träumt was Schönes!
Euer Bamberger Kasperl und die Puppenbühne Herrnleben wünschen Euch eine gute Nacht!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2009)






