Die Adventswochen sind die Zeit, in der Kinder und auch die Erwachsenen viel Zeit zuhause verbringen, denn es wird ja jeden Tag bald dunkel und die kalten Temperaturen sowie das nasskalte Wetter locken nicht unbedingt jemanden zum Spielen nach draußen in den Garten.
Es ist die Zeit, wo man in der guten Stube beieinander sitzt, sich Geschichten erzählt, Weihnachtskarten schreibt, gemeinsam Weihnachtslieder singt oder etwas bastelt.
Kasperl und Gretel haben beschlossen, heute auch einen Bastelnachmittag zu machen. – Aber, was sollen sie basteln? – Weihnachtssterne aus Glanzpapier und Stroh haben sie schon jede Menge gebastelt, die an den frischen Tannenzweigen im ganzen Haus hängen. –
Da hat Gretel einen guten Einfall! – Sie will mit Kasperl zum Weihnachtsmarkt gehen. Dort wollen sie sich in das Angebot in den Buden ansehen, um vielleicht dabei eine Idee zu bekommen, was sie selbst auch herstellen können. Seppl lassen sie lieber zuhause, denn der würde sich auf dem Weihnachtsmarkt ja doch nicht für Basteleien interessieren, sondern nur für Bratwürste, Kinderpunsch und Weihnachtsbäckereien. –
Also, machen sich die Beiden auf den Weg und bummeln durch den Weihnachtsmarkt. Es dauert auch nicht lange, da entdecken Kasperl und Gretel etwas, was sie leicht auch selbst machen können. Gretel vergleicht die Preise und stellt fest, dass die Materialien nicht einmal ein Viertel davon kosten, als wenn sie es selbst basteln. Kasperl findet das auch eine tolle Idee. Schnell gehen sie in das nächste Geschäft und kaufen für ein paar Euro alles, was sie dazu benötigen. –
Sicher seid Ihr jetzt neugierig darauf, was Kasperl und Gretel basteln wollen, gell? –
Sie haben sich getrocknete Zwetschgen und hölzerne Schaschlikspießer gekauft. Draht, Stoffreste, Krepppapier, Nüsse und andere Dinge, die sie dazu eventuell benötigen, haben sie zuhause. – Na, was wollen Sie wohl daraus machen? – Genau: Zwetschgenmännchen. Diese wollen Sie dann auf die Fensterbretter und auf die Schränke im Haus aufstellen. Doch erst einmal liegt eine Menge Arbeit vor ihnen, bis es soweit ist.
Gleich, als sie wieder zuhause angekommen sind, setzen sie sich an den Küchentisch und fangen das Basteln an. Kurz, nachdem sie damit angefangen haben, kommt der Seppl neugierig in die Küche und wundert sich, was das wohl für ein komisches Abendessen werden soll. „Hallo, Kasperl und Gretel, warum spießt Ihr denn getrocknete Zwetschgen auf? Macht Ihr wohl Zwetschgenschaschlik?“ – Gretel erklärt ihm, dass sie Zwetschgenmännchen basteln. Kasperl fügt noch hinzu, dass diese genauso werden sollen, wie die Zwetschgenmännchen auf dem Weihnachtsmarkt. Als erstes fertigt Gretel ein Zwetschgenweibchen und der Kasperl ein Zwetschgenmännchen an. – Da will Seppl plötzlich doch mitmachen, deshalb soll ihm Gretel erklären, wie das geht. – Sie zeigt ihm, dass er erst einen Draht nehmen muss, diesen doppelt zusammenlegen und unten so aus einander zu biegen, dass zwei Beine entstehen. Kasperl hat das schon vorbereitet und steckt fünf Zwetschgen als Bauch über den Draht und obendrauf eine Walnuss als Kopf. Gretel macht weiter und verkleidet auch die Beindrähte mit Zwetschgen und ergänzt das jeweilige untere Ende mit einer Erdnuss als Fuß. Für die Arme nimmt Kasperl einen extra Draht, steckt von links und rechts auch wieder Zwetschgen darauf und befestigt diesen in der Mitte am Bauch. Kasperl und Gretel beginnen nun ihre Zwetschgenmännchen bzw. – weibchen mit Stoffresten und Krepppapier anzuziehen, denn sie brauchen ja Hose, Jacke, Rock und Kopftuch. –
Seppl ist plötzlich auch ganz begeistert und will eine Zwetschgenhexe herstellen, die der Hexe Wackelzahn ähnlich sehen soll. Und damit diese auch echt wirkt, will er ihr auch noch einen Besen in die Hand geben. Eifrig basteln nun alle Drei weiter und Kasperl meint lachend zu Seppl: „Hähähä, pass bloß auf, dass dich deine Zwetschgenhexe heute Nacht nicht selber verhext!“ – Als Seppl mit seiner Hexe fertig ist, meint Gretel sogar, dass sein Werk eher furchtbar aussieht. Ihr gefällt ihr Zwetschgenweibchen viel viel besser! – Das ist Seppl aber egal. Er will seine Zwetschgenhexe sogar auf sein Nachtkästchen stellen, denn er hofft, dass sich Gretel dann bestimmt nicht mehr in sein Zimmer traut und ihn aus dem Bett schubst. „Hohoho, dann brauch ich nie mehr in die Schule!“, hofft er voller Überzeugung. Da muss ihn Kasperl aber enttäuschen, denn er hat keine Angst vor Hexen und schon gar nicht vor einer Hexe aus Zwetschgen. Er garantiert ihm, dass er ihn mit Sicherheit jeden Morgen wecken wird.
Kasperl und Gretel haben inzwischen ihre Zwetschgenmännchen und –weibchen fertig gestellt. Wie geplant, stellen sie diese auf das Fensterbrett. Dann gehen alle Drei in ihre Zimmer und Seppl ist sich sicher, dass keiner von Beiden jemals mehr sein Zimmer betritt, denn seine Zwetschgenhexe wird sie davon abhalten. Er stellt die Zwetschgenhexe auf sein Nachtkästchen und hofft, dass er ab jetzt immer herrlich lange ausschlafen kann. – Er löscht sein Licht und kurz danach schläft er schnarchend ein.
Und – kaum ist er eingeschlafen – da erscheint ihm im Traum seine Zwetschgenhexe und auch sie droht ihm an, ihm bestimmt nicht dabei zu helfen, dass er nicht in die Schule muss. – Seppl kann sich das nicht vorstellen, denn er ist der Meinung, dass sich Kasperl und Gretel bestimmt nicht in sein Zimmer trauen, solange die Hexe auf seinem Nachtkästchen steht. – Doch, da muss ihn die Hexe enttäuschen. Dabei will sie ihm nicht helfen. Deshalb krabbelt sie unter seine Bettdecke und will ihn solange an seinen Füßen kitzeln, bis er freiwillig das Bett verlässt. – Obwohl Seppl sehr kitzelig ist, gibt die Hexe nicht auf und macht ihre Drohung wahr. Seppl will sich zwar wehren, doch gegen die Hexe hat er keine Chance. Er spürt das Kitzeln der Hexe und ruft im Schlaf ganz laut: „Nein, hoho, hör auf zu kitzeln, hoho. Das halte ich nicht lange aus, hohohohoho!“ Die Hexe will aber nur unter der Bedingung aufhören, wenn Seppl freiwillig aus dem Bett springt. – Seppl will aber nicht aus seinem weichen, warmen, kuscheligen Bett heraus, sondern bleibt liegen, obwohl er das Kitzeln der Hexe fast nicht mehr aushält und lacht … und lacht …. und lacht …. – Aber nicht nur im Traum. Denn sein lautes Lachen ist tatsächlich durch das ganze Haus zu hören. Es ist so laut, dass sogar die Gretel und der Kasperl wieder aus dem Schlaf gerissen werden. Beide eilen in Seppls Zimmer und rütteln ihn wach. Doch so leicht ist Seppl gar nicht aufzuwecken.und lacht und lacht immer weiter. – Kasperl vermutet sogar scherzhaft, dass Seppl wohl zum Abendessen zuviel Kichererbsen gegessen hat. – Gretel denkt aber völlig richtig und ist sich sicher, dass Seppl nur was Dummes träumt. - Beide rütteln weiter am Seppl und wecken ihn endlich auf, um ihn von seinem Traum zu befreien. – Endlich scheint Seppl wach zu werden, schlägt wild um sich und murmelt nur schlaftrunken: „ Schnell, schnell, Kasperl und Gretel, holt die Zwetschgenhexe unter meiner Bettdecke hervor!“ – Kasperl rüttelt weiter an seinem Freund und sagt zu ihm: „He, Seppl, wach auf, du träumst nur! Die Hexe steht doch bei dir auf dem Nachtkästchen!“ Seppl wacht endlich auf und sieht Kasperl und Gretel bei ihm am Bett stehen: „Ja, so was Dummes, ich muss wohl alles nur geträumt haben!“ Sofort beschließt er morgen aus der Zwetschgenhexe gleich eine Zwetschgenprinzessin zu machen, die ihm nachts keine Albträume mehr beschert und die er unbesorgt auf sein Nachtkästchen stellen kann. –
Habt ihr, liebe Kinder auch schon einmal Zwetschgenmännchen oder Zwetschgenweibchen gebaut? – Wenn nicht, dann versucht es doch einfach einmal am Wochenende. Euere Eltern oder Großeltern werden sich über so ein besonderes, selbst gebasteltes Weihnachtsgeschenk sicher freuen. – Aber denkt daran, wenn ihr vielleicht auf die Idee kommt, eine Zwetschgenhexe zu bauen, dass diese Euch auch in der Nacht im Traum erscheinen kann und ihr dann nicht richtig schlafen könnt. Dann habt ihr am Morgen nicht ausgeschlafen und verpennt sogar Weihnachten…..
Und das wollen wir uns doch sicher alle nicht entgehen lassen.
Damit ihr jeden Morgen rechtzeitig ausgeschlafen habt und früh bald aufstehen könnt, deshalb geht schnell in Euere Heia und schlaft gut!
Eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2009)






