Eigentlich sind die Hühner von Kasperls Großmutter die Glücklichsten auf der Welt. Sie können den ganzen Tag frei im Garten und im Hof herumlaufen und –scharren, bekommen nur die besten Körnchen und haben zum Schlafen einen großen Stall. Dafür haben Großmutter, Kasperl und Gretel jeden Tag eine Menge damit zu tun, die Eier zu suchen und einzusammeln. Die Hühner lassen sie nämlich überall wo sie gehen und stehen im ganzen Garten liegen. Aber wenigstens sind es Eier von wirklich glücklichen Hühnern, die allen besonders gut schmecken. Großmutter hat alle Hühner heute schon in ihren Stall getrieben, denn auch für das Hühnervolk wird es bald Zeit zum Schlafen.
Doch irgendwie kehrt heute im Hühnerstall keine Ruhe ein. Bis ins Haus ist ein wildes Gegacker zu hören. Das Bamberger Kasperle macht sich deshalb auf den Weg zum Stall, um noch einmal nachzusehen, warum die Hühner so aufgeregt sind. Als der die Stalltür öffnet, hallt ihm das Gegacker noch lauter entgegen. Da kommt gleich Großmuttis Lieblingshenne Otti auf ihn zu. Kasperl erkundigt sich bei ihr: „Ja, sag mal, Otti, warum seid ihr denn so aufgeregt?“ Otti erklärt ihm, dass sie beschlossen haben, heute im Hühnerstall auch einmal Fasching zu feiern. Kasperl muss erst einmal herzlich lachen und findet das aber eine ganz lustige Idee. Doch will er schon wissen, weshalb sie so aufgeregt sind. Otti sagt ihm darauf ganz betrübt: „Gack, gack, gack, Rotkamm, unser Gockel ist weg!“ Kasperl meint, dass er sich wahrscheinlich ein ruhiges Plätzchen gesucht hat, weil er für den Faschingstrubel vielleicht schon zu alt ist. Küken Lieschen, das das Gespräch bisher verfolgt hat, mischt sich gackernd ein und versichert, dass Rotkamm mitfeiern wollte. Es weiß, dass er sich sogar extra auf den Weg gemacht hat, um sich für den Faschingsball zu verkleiden. Doch solange kann das doch nicht dauern. Er müsste schon längst wieder zurück sein. Weil sie sich mittlerweilen Sorgen um das Oberhaupt des Hühnervolkes machen, herrscht Aufregung bei allen Hühnern. Kasperl beruhigt die Hennen und die Küken erst einmal. Kasperl schätzt, dass es halt etwas dauern kann, bis sich ein Gockel faschingsmäßig verkleidet. Kasperl ist sich sicher, Rotkamm kommt bestimmt rechtzeitig zu ihrem Faschingsball.
Da kommt auch noch Henne Gretchen dazu und schlägt vor, Rotkamm eine tolle Überraschung zu bereiten, wenn er in den Stall zurückkehrt. So fragt sie Kasperl: „Du, Kasperl, kannst du uns nicht ein paar von eueren bunten Luftschlangen bringen? Hier in unserem Hühnerstall sieht es sonst so langweilig aus!“ Kasperl hält das für eine Superidee und will auch gleich welche holen und den Stall schön bunt dekorieren. Otti bittet ihn dann auch noch, gleich noch ein paar Körnchen von der Großmutter für ihr Körnerbuffett zu besorgen. Und Lieschen findet das zu einem richtigen Faschingsball doch auch Musik gehört und fragt Kasperl, ob er nicht ein kleines Radio mitbringen kann. Kasperl muss lachen, über alle das, was den Hühnern einfällt. Aber weil sie ihnen das ganze Jahr fleißig Eier legen, will er ihnen die Freude bereiten und alle ihre Wünsche erfüllen. Mit lautem Gegacker bringen die Hühner ihre Begeisterung darüber zum Ausdruck. Am meisten freut sich das kleine Küken Lieschen und lädt Kasperl für seine Unterstützung herzlich zu ihrem Faschingsball ein. „Das ist aber lieb, Lieschen.“, freut sich Kasperl, „Ich komme selbstverständlich sehr gerne!“ Auch Henne Gretchen ist sicher, dass es mit Kasperle besonders lustig wird. „Hühnergackerfantastisch!“, ruft Henne Gretchen Kasperl hinterher. „Und bring auch unseren Freund Bello mit!“ Kasperl will es seinem Hündchen ausrichten und eilt davon. „Hurra, hurra, gack-gack-gack!“, gackern die Hennen alle durcheinander und sind sich sicher, dass ihr Hahn Rotkamm bestimmt große Augen machen wird, wenn er sieht, was sie aus ihrem Hühnerstall für einen tollen Ballsaal gemacht haben.
Da plötzlich hören sie von draußen ein: „Kikeriki! Kikeriki!“ So, was Dummes, denken sich die Hennen, er kommt schon zurück. Jetzt hätte er sich auch noch ein bischen Zeit lassen können, bis alles fertig gewesen wäre. Aber Henne Gretchen trommelt alle Hennen zusammen und bittet sie, die Stalltüre von innen feste zuzudrücken, damit er noch nicht herein kann. Von draußen schimpft es: „Kikeriki! Was ist denn los? Lasst mich sofort hinein!“ Otti erklärt Rotkamm, dass er sich noch etwas gedulden muss, weil sie eine Überraschung vorhaben. Da drängt sich das kleine Küken Lieschen zwischen den vielen Hennen hindurch und will unbedingt einmal durch eine Ritze der Holztür hinaus spitzen. Es ist wieder einmal neugierig und ist ganz gespannt, als was sich Rotkamm verkleidet hat. „Hihihi, gack, gack“, hüpft das Küken lachend herum, „er hat sich als Fuchs verkleidet. Er wollte uns wohl Angst einjagen, hihi!“
In diesem Moment kommt auch Kasperl mit Bello an. Gerade wollten sie die Hennen durch die Tür schlüpfen lassen, da rennt Bello kläffend los und jagd den Fuchs davon. Henne Otti ruft ganz aufgeregt: „Gack, gack, gack, Kasperl, pfeif deinen Hund Bello zurück! Das ist doch kein echter Fuchs. Das ist doch unser verkleideter Hahn Rotkamm!“ Doch Kasperl muss die Hennen eines Besseren belehren. Er zeigt ihnen die Fußspuren am Boden und meint, sie sollen sie doch einmal genau betrachten. „Sind das Spuren von Hühnerfüßen?“ fragt er sie. Nein, das sind eindeutig Spuren von einem echten Fuchs. Kasperl hat nämlich ein Lexikon, in dem die Fußspuren von allen Tieren drin sind. Und wenn man welche im Sand oder im Schnee entdeckt, braucht man diese nur zu vergleichen und man weiß gleich, wem sie gehören. Nun schauen die Hennen die Spuren auch einmal genau an und geben zu, dass das keinesfalls die Fußspuren vom Hahn Rotkamm sein können. Henne Gretchen hat schon die Befürchtung, dass der Fuchs ihrem Hahn ein Leid angetan hat, weil er immer noch nicht da ist. Aber da könnten sie den Fuchs gleich selbst fragen, denn Bello zieht den Fuchs am Schwanz hierher. Damit die Hühner in Ruhe Fasching feiern können, bindet Kasperl den Fuchs an einem Baum fest und er kann ihnen beim Fasching feiern nur zusehen.
Gerade als die Hennen auf den Fuchs einpicken wollen, um zu erfahren, was er mit ihrem Hahn gemacht hat, da ertönt erneut ein „Kikeriki! Kikeriki!“ Freudig und erleichtert ruft Henne Otti: „Da kommt ja Hahn Rotkamm!“ Das Küken Lieschen kann auch schon wieder kichern: „Hihihi, seht nur, er ist als Schlotfeger verkleidet!“ Rotkamm erklärt ihnen, dass es wohl heute auch das passende Kostüm war. Er saß nämlich die ganze Zeit oben auf dem Schornstein, nachdem er vor dem Fuchs geflüchtet war.
Aber nun ist er ja wieder da. Alle Hennen sind glücklich und freuen sich. Und ausgelassen beginnen sie mit ihrem Faschingsball im Hühnerstall. Kasperl hängt schnell einige Luftschlangen auf, Otti richtet das Körnerbuffett her und als die Musik aus dem Kassettenrekorder erklingt, singen sie alle:
Im Hühnerstall ist Faschingsball,
das ist für uns ein klarer Fall.
Tock, tock, tock, tock, Kiker-kikeriki.
Da legen wir, das steht schon fest,
nur bunte Eier in das Nest.
Tock, tock, tock, tock, kiker-kikeriki.
Lange feierten die Hühner bei Bombenstimmung, bis sie müde auf ihren Stangen eingeschlafen sind.
Ihr, liebe Kinder feiert bestimmt auch noch bei einem Kinderfasching mit. Nur müsst ihr wenn’s aus ist nicht auf einer Stange schlafen, sondern ihr fallt danach in euer weiches Bettchen.
Die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl rufen Euch für die letzten Faschingstage ein donnerndes „Helau! Helau! Helau!“ zu und wünschen Euch eine gute Nacht!
© Wolfgang Herrnleben (GAP, 2009)






