Wie ihr ja alle wisst, liebe Kinder, hat vor ein paar Wochen der Frühling begonnen. Das ist auch die Zeit, in der Großmutter und Gretel ihren jährlichen Frühjahrsputz veranstalten. Das heißt, das ganze Haus wird auf den Kopf gestellt und von oben bis unten geschrubbt und gesäubert. Heute schickt die warme Frühlingssonne wieder ihre Strahlen in den Garten. So wollen Großmutter und Gretel auch die dicken Federbetten in den Garten bringen. Dort sollen sie über den Wäscheleinen erst einmal auslüften und später werden sie mit dem Bettklopfer tüchtig ausgeklopft, damit auch der letzte Winterstaub verfliegt. So hängen nun die dicken Federbetten von Gretel, Seppl und vom Bamberger Kasperl über den Wäscheleinen und bewegen sich im lauen Frühlingswind leicht hin und her. Aber nicht nur Großmutter und Gretel nützen die warmen Sonnenstrahlen, sondern auch Räuber Schlapphut. Der hat sich aufgemacht, um seine erste Beutetour im Frühling zu starten. Zufällig kommt er dabei auch an Großmutters Haus vorbei. Vorsichtig späht er über den Gartenzaun in den Garten. „Na holla, was hängt denn da über den Wäscheleinen? Hohohoho!“, lacht er in sich hinein, „Vier prall gefüllte Federbetten! – Das wäre doch genau das Richtige für die kalten Nächte in meinem Räuberhaus!“ Schnell schlupft er durch das Gartentor und schleicht gebückt ganz vorsichtig Richtung Wäscheleine. Dabei guckt er sich ständig um, damit ihn Kasperls Hund nicht bemerkt. Nachdem er diesen nicht hört, denkt er, dass er wohl eingesperrt sei. „Ah, das ist aber schön weich und mollig!“, sagt er zu sich und befühlt dabei das rote Bett auf der Leine. Aber vielleicht ist ja das grüne, das gelbe oder auch das blaue Bett noch viel weicher und wärmer. Nacheinander berührt er die Betten, streicht mit den Händen über den Bettbezug, knautscht sie zusammen und kommt zu dem Entschluss, das rote Bett ist am schönsten. Schuppsdibubbs nimmt er es flink von der Leine. Dann schaut er sich sicherheitshalber nach allen Seiten um. Niemand ist zu sehen oder zu hören. Gierig rafft er das Bett zusammen und will auf dem schnellsten Weg aus dem Garten verschwinden. Aber mit dem großen, dicken Federbett in den Armen komme ich ja unmöglich durch das schmale Gartentor, denkt er sich. „Was mach ich da bloß?“, grübelt er. In diesem Augenblick kommt Gretel mit dem Bettklopfer in der Hand aus der Haustüre in den Garten. Vor Schreck bleibt sie wie angewurzelt stehen, als sie den Räuber mit dem Bett in seinen Händen sieht. „Das gibt es doch nicht! – Hilfe! – Ein Räuber! – Kasperl! Großmutter! Hilfe!“, schreit sie plötzlich los, als sie ihre Schrecksekunde überwunden hat und fuchtelt dabei wie wild mit ihrem Bettpatscher in der Luft herum. „Oje, holla-holla!“, erschrickt der Räuber Schlapphut und rennt dabei ein paar Schritte dem rettenden Gartenzaun entgegen. Das Bett hält er dabei aber immer noch fest in den Händen. Gretels Geschrei hat inzwischen Kasperls Hund Bello aus seinem Hundekorb gelockt. Und schon kommt Bello aus dem Haus geflitzt. Logisch erkennt Bello sofort, dass da jemand im Garten ist, der hier nichts zu suchen hat. Schnell versucht der Räuber auszureißen. Doch Bello rennt mit einem Riesentempo auf den flüchtenden Räuber zu. „Holla-holla, was mache ich nur?“, überlegt der Räuber Schlapphut krampfhaft, bevor er den Gartenzaun erreicht. „Mich kriegst du nicht!“, ruft er Bello zu, „Ich werfe das Bett einfach über den Zaun und steige schnell hinterher. Haha, na holla, dann erwischt du blöder Kläffer mich nicht!“ Gesagt, getan! Schon steht der Räuber auf der anderen Seite des Gartenzaunes und ist aus dem Garten draußen. Dort hebt er das Bett wieder auf, rafft es zusammen und läuft laut lachend Richtung Wald davon. Bello bellt dem Räuber zwar wie wild noch hinterher, aber er kann es nicht verhindern, dass Schlapphut zwischen den Bäumen in den Wald verschwindet. Da – endlich kommt Kasperl aus dem Haus in den Garten und fragt: „Ja, sag mal Gretelein – Pastetelein, was ist denn los? Warum macht Bello denn so einen Radau hier heraußen?“ Gretel aber kann jetzt vor lauter Aufregung die Tränen nicht mehr zurück halten und erzählt Kasperle, was passiert ist. „Ausgerechnet mein schönes, rotes Bett hat der Räuber mitgenommen!“, schluchzt sie. Kasperl nimmt sie in seine Arme und tröstet sie. „Jetzt hör doch auf zu weinen, Gretelein. Ich werde sofort versuchen, dein rotes Bett wieder zurück zu holen. Ich mach mich gleich mit Bello auf den Weg, mein Gretelein.“ Bello steht aber immer noch bellend am Gartenzaun und hört nicht auf Kasperls Rufen. „Bello, komm sofort her! Du musst mit mir auf Räubersuche gehen!“, ruft Kasperl noch einmal. Doch Bello rührt sich nicht vom Fleck, obwohl er sonst sofort auf Kasperls Kommandos hört. „Bello, was ist denn los? – Komm her!“ – Doch auch nach dem dritten Rufen rührt sich Bello nicht vom Fleck und bleibt bellend und schwanzwedelnd auf seinem Platz stehen. Jetzt muss Kasperl doch einmal nachsehen, warum Bello heute seinen Befehlen nicht folgt und geht auch zum Gartenzaun. „Ja, da schau her, Gretel. Sieh mal, was der Räuber da verloren hat.“, freut sich Kasperl und hebt dabei den alten Schlapphut aus dem Gras hoch. „Hähä, das ist doch der Hut vom Räuber Schlapphut, hähä. – Räuber Schlapphut hat seinen Schlapphut verloren, hähä!“, ruft er Gretel zu, die immer noch wie versteinert und mit Tränen im Gesicht an der Haustüre steht. „Jetzt hör auf zu weinen, Gretelein. Es wird alles wieder gut! Mach dir keine Sorgen!“, beruhigt sie Kasperle, „Ich hol dir dein Bett wieder zurück!“ Kasperl winkt Bello mit dem Schlapphut zu und ruft: „Komm mit Bello, such den Räuber!“ Bello folgt in Windeseile den Spuren des Räubers. Und Kasperle läuft ihm mit großen Schritten hinterher, den Hut des Räubers in der Hand. Bald schon hat er den Räuber eingeholt, der schwitzend und schnaufend mit dem dicken Federbett in den Händen versucht zwischen den Bäumen hindurch zu seinem Räuberhaus zu kommen. „Hallo, Räuber Schlapphut, warum schnaufst du denn wie ein Postgaul?“, ruft Kasperle. „Ist denn dein Diebesgut so schwer?“ Erschrocken dreht sich der Räuber Schlapphut kurz um und sieht, dass ihm Kasperle und Bello schon dicht auf den Fersen sind. „Oje, holla-holla!“, denkt sich der Räuber. „Was mache ich bloß? Kasperle und sein Hund haben mich gleich am Wickel!“ Panisch läuft er mit dem Bett weiter. Doch, wie es oft so geht, übersieht er eine große Baumwurzel, weil er in der Eile nicht genau auf seinen Weg achtet. Und schon ist es passiert. Der Räuber stolpert und es wirft ihn voll auf die Nase. Naja, seine Nase hat es nicht getroffen und auch sonst ist dem Räuber bei dem Sturz nichts passiert. Er hatte nämlich Glück, weil er genau auf Gretels weichem Bett gelandet ist. Schon springt Bello um ihn herum und kurz danach ist auch Kasperle zur Stelle. „Na, Räuber Schlapphut, hähä, nun ist deine Flucht wohl zu Ende?“, dabei schaut Kasperl lachend von oben auf den Räuber herab, der gerade versucht, sich aus dem dicken Federbett wieder zu befreien. „Wieso Flucht?“, stottert der Räuber. „Ich – ich wollte doch nur schnell in mein Räuberhaus!“ Kasperl kann darüber nur lachen: „Und was ist mit Gretel’s Bett? Hast du das wohl unterwegs gefunden?“ „Jaja, holla-holla, freilich!“, versucht sich Räuber Schlapphut u verteidigen, „Das – das lag einfach so auf dem – dem Waldweg!“ Da holt Kasperl den Schlapphut hinter seinem Rücken hervor und hält ihm dem Räuber mitten vor die Nase. „Hähä, wie kommt denn dann dein Räuberhut zu uns in den Garten?“, fragt ihn Kasperl. Jetzt hat es dem Räuber aber die Sprache verschlagen und verdutzt schaut er erst auf den Hut in Kasperls Hand und greift sich dann auf seinen Kopf. Er hat nämlich bis jetzt noch gar nicht bemerkt, dass er seinen Hut verloren hat. „Oh, holla – holla,“, stottert er wieder herum, „das ist ja wirklich mein Hut! – Kasperl, gib ihn mir sofort wieder zurück!“ „Hähä,“, lacht Kasperl, „genau, Räuber Schlapphut, das ist dein Hut! Und das hier ist Gretel’s Bett!“, dabei deutet Kasperl auf das Federbett, das immer noch auf dem Waldboden liegt. Kasperl schlägt ihm einen Tausch vor. Der Räuber bekommt seinen Hut wieder, wenn dieser ihm Gretels Bett wieder zurück gibt. Was bleibt dem Räuber anderes übrig? Ohne Schlapphut auf dem Kopf ist er ja nicht mehr der Räuber Schlapphut. Das geht natürlich nicht. Deshalb hebt er bereitwillig das Federbett auf, schüttelt es aus und hält es Kasperle hin. Dieser reicht ihm dafür seinen Schlapphut und nimmt Gretel’s Federbett auf seine Arme. „Hähä, die Gretel wird sich freuen, wenn sie ihr Federbett wieder zurück bekommt.“, sagt Kasperle. „Und du, Räuber Schlapphut kannst dich darüber freuen, dass ich dich heute nicht zu Wachtmeister Schmunzelbart bringe. – Aber das nächste Mal, wenn ich dich wieder beim Stehlen erwische, wanderst du ins Gefängnis.“ Der Räuber weiß, dass Kasperle diese Warnung ernst meint und beteuert: „Nein, nein, bei euch stehle ich bestimmt niemals nie mehr etwas!“ Er setzt seinen Schlapphut wieder auf den Kopf und eilt schnell weiter in den tiefen, dunklen Wald. Kasperl hat es geschafft. Er kann Gretel ihr heiß geliebtes Federbett wieder zurück bringen.
Ihr, liebe Kinder mögt euer weiches, flauschiges Bett bestimmt auch sehr gerne, stimmt’s? Drum schaut gleich nach, ob es noch da ist. Und wenn ihr schon dort seid, dann kuschelt euch doch einfach gleich hinein und träumt was Schönes.
Die Puppenbühne Herrnleben und das Bamberger Kasperle wünschen Euch eine gute Nacht!
© by Elisabeth Herrnleben (2008)






