Nun schneit es schon zwei Tage. Das ganze Märchenland ist mit einer dicken Schneehaube bedeckt. Bäume und Sträucher tragen eine schwere Schneelast auf ihren Zweigen. Die Dächer der Häuser haben einen dicken Schneehut auf und ihr könnt euch denken, liebe Kinder, dass Kasperl, Seppl und Gretel sich sehr darüber freuen.
Gleich nach den Hausaufgaben wollen alle drei wieder hinaus in den Garten in den frisch gefallenen Schnee. „Heute können wir aber einen Schneemann bauen, stimmt’s Kasperl?“ bettelt Gretel, die schon in ihren dicken Anorak schlüpft. „Ach, du mit deinem Schneemann, das ist doch langweilig“, mault Seppl, „da macht doch eine Schneeballschlacht viel mehr Spaß, gell Gretel?“ Ihr müsst wissen, gestern hatten sie eine Schneeballschlacht im Garten veranstaltet. Gretel war darüber nicht so begeistert, weil sie sich ständig gegen die gezielten Schneebälle von Kasperl und Seppl wehren musste. Als ihr dann ein Schneeball voll ins Gesicht flog, hatte sie keine Lust mehr und flüchtete zu Großmutti ins Haus.
„Nein Seppl“, mischte sich jetzt Kasperl ein, „heute bauen wir einen Schneemann, damit Gretel auch zufrieden ist.“
„Prima“, jubelt Gretel, „ich suche schon mal die Sachen zusammen.“ Und schon rennt sie zur Haustüre hinaus ins Gartenhäuschen. Ihr wisst ja bestimmt, was man alles braucht, damit es ein schöner Schneemann wird. Überlegt mal! – Genau: Einen schwarzen Zylinder oder Hut, – eine rote Nase aus einer Karotte, – schwarze Kohlen für Augen, Mund und Knöpfe, – ein langes, buntes Schal für seinen dicken Hals und natürlich einen großen Besen an seine Seite. Jetzt sind auch Kasperl und Seppl warm angezogen und stürmen in den Garten. „Da seht mal“, ruft Gretel schon von weitem, „was ich alles für den Schneemann gefunden habe!“
„Ja schön Gretel, hähä“, lacht Kasperl, „aber erstmal müssen wir die großen Kugeln rollen.“
Mit Begeisterung fangen alle drei an, einen festen Schneeball zu formen, welchen sie dann auf den Schnee legen und vorsichtig zu rollen beginnen. Schnell wird der Schneeball immer größer und größer.
„Meine Kugel wird bestimmt die größte, das sag ich euch“, keucht Seppl, der wirklich schon eine Riesenkugel vor sich her schiebt. Gemeinsam überlegen sie, wo sie den Schneemann überhaupt aufstellen sollen. Am Gartenzaun, genau, damit ihn auch alle Leute sehen können, wenn sie draußen vorbeilaufen. Und so rollen alle drei ihre Kugeln Richtung Gartenzaun.
Schon hat Seppl seine dicke, schwere Kugel zum Gartenzaun gestellt und Kasperl schiebt seine ebenfalls dazu, die sie dann gemeinsam auf Seppls Kugel hinauf heben.
„Das war aber schwer“, schnauft Seppl,“ und jetzt ist deine dran, Gretel!“
Nun wird die kleinere Schneekugel noch als Kopf obendrauf gesetzt und alle drei begutachten ihr Werk.
„Der Schneemann ist ja so groß geworden, dass er über den Gartenzaun gucken kann“, lacht Gretel.
Auch Kasperl ist beeindruckt über die Größe und lachend stupst er Gretel an: „Hähä, der ist größer als du, Gretel!“
„Na und, Kasperl, das ist doch egal. Aber schön ist er geworden!“
Schnell verzieren sie ihn mit einem schwarzen Schlapphut, der Möhrennase, den Kohlen für
Augen und Mund und lehnen noch den großen Gartenbesen an seine Seite. „Toll sieht er aus, unser Schneemann“, muss auch Seppl zugeben und Gretel beschließt, dass sie sich dafür alle drei eine Belohnung verdient haben und bei Großmutti im Haus einen heißen Kinderglühwein trinken gehen. Danach wollen sie auch Großmutti ihren lustigen Schneemann vorstellen.
Schnell bindet Gretel noch ihren warmen Schal um den dicken Hals des Schneemanns und lachend eilen sie alle drei ins Haus.
Natürlich sorgt dieser große Schneemann in Kasperls Garten für Aufsehen. Wachtmeister Schmunzelbart hat sich sogar im Vorbeigehen zuerst fürchterlich erschrocken, bis er vorsichtig ganz nahe an den Zaun herangeht und erkennt, dass es sich ja um einen einfachen Schneemann handelt.
Tante Emma und Onkel Fritz bestaunen auch den Riesenschneemann, der ihnen aus dem Garten entgegenblickt.
Auch Hexe Schniefnase ist an diesem schönen Wintertag unterwegs und schleicht sich so ganz zufällig am Gartenzaun entlang. „Huch, hatschi!“, schreit und niest sie gleichzeitig, als ihr plötzlich dieser Mann aus Schnee, nur durch den Zaun von ihr getrennt, gegenübersteht.
„Hatschi, was ist denn das für ein Ungetüm?“ flüstert sie vor sich hin, „Bist du vielleicht eine Schneehexe mit einem wunderschönen Hexenbesen?“ Vorsichtig streckt sie ihre Hand durch den Zaun und stupst den Schneemann an. „He, hatschi, nun gib schon Antwort!“
Wieder und wieder rüttelt sie an ihm, aber wie ihr euch ja denken könnt, der Schneemann gibt ihr keine Antwort.
„Na, wenn du mir keine Antwort gibst, hatschi, brauche ich dich ja auch nicht zu fragen, ob du mir dein warmes Schal, deinen Schlapphut und deinen Hexenbesen gibst?“
Schnell klettert Hexe Schniefnase auf den Gartenzaun, holt den Hut herunter und setzt ihn sich auf den Kopf. Dann knotet sie auch Gretels Schal auf und schlingt es sich um den Hals. „So“, denkt sie, „und jetzt noch den Hexenbesen!“
Gerade, als sie ihn über den Gartenzaun gezogen hatte, kommen Großmutti, Kasperl, Seppl und Gretel aus dem Haus.
„Huch, hatschi, so ein Mist“, denkt sie, „was mache ich jetzt? Zum Ausreißen ist es zu spät.“
Schnell versteckt sie sich mit dem Besen in der Hand hinter dem Zaun und dem großen Schneemann.
Stolz wollen Kasperl, Seppl und Gretel ihr Werk der Großmutti vorstellen, aber schnell bemerkt Gretel, dass ihr buntes Schal verschwunden ist. Betroffen müssen sie auch feststellen, dass ja auch der Hut und der Besen vom Schneemann fehlen.
Alle vier stehen wortlos da und können es gar nicht glauben, dass alles verschwunden ist.
„Hatschi, Hexenbesen, geschwind, geschwind,
flieg mich weg, schnell wie der Wind“.
Allen kam es vor, als hörten sie ein dünnes Stimmchen.
„Was war denn das?“, lacht Kasperl und beugt sich über den Gartenzaun nach draußen.
„Ja da schau her, da sitzt ja die kleine Hexe Schniefnase, mit Hut, Schal und unserem Gartenbesen! Was machst du denn da?“ fragt sie Kasperl.
Ängstlich stellt sich die kleine Hexe auf und erzählt ihnen, dass doch die Schneehexe alle diese Sachen gar nicht braucht. Aber sie könnte den Hut, den warmen Schal und auch einen neuen Hexenbesen gut gebrauchen.
Kasperl, Gretel, Großmutti und Seppl können jetzt das Lachen nicht mehr verbeißen, dabei wird Hexe Schniefnase immer kleiner und leise vor sich hin schniefend bringt sie noch „Entschuldigung, hatschi“ heraus.
„Ist schon in Ordnung, Hexe Schniefnase, ich hole dir eine warme Mütze und ein anderes Schal aus dem Haus. Die Sachen darfst du dann behalten.“, lächelt Gretel sie an und rennt ins Haus.
„Und was den Hexenbesen betrifft, Schniefnase“, klärt sie Kasperl auf, „das ist nur unser alter Gartenbesen und kein Hexenbesen!“
„Was, hatschi, das ist nicht der Hexenbesen von dieser dicken Schneehexe, hatschi?“
„Nein, kleine Hexe“, redet Großmutti auf sie ein, „das ist doch ein SCHNEEMANN, den Kasperl, Gretel und Seppl gebaut haben.“
„Achso, hatschi, das wusste ich nicht. Dann brauche ich den Besen natürlich nicht“, und sie reicht ihn über den Zaun zurück, genauso auch den Schal und den Schlapphut.
Jetzt ist auch Gretel schon mit einer Bommelmütze und einem dicken Schal zurück und gibt alles Hexe Schniefnase über den Zaun.
„Ich danke euch, hatschi, jetzt wird mein Schnupfen bestimmt bald besser werden!“
Kasperl, Gretel und Seppl setzen ihrem Schneemann nun wieder den Hut auf, binden ihm das Schal um den Hals und geben ihm den Besen an die Seite.
Vielleicht könnt ihr, liebe Kinder ja in den nächsten Tagen auch einen großen, einen sehr großen Schneemann bauen und bestimmt habt ihr auch viel Spaß dabei, so wie Gretel, Seppl und ich, euer Bamberger Kasperl.
Die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl wünschen euch eine gute Nacht.
© Elisabeth Herrnleben (GAP, 2009)






