Liebe Kinder, Ihr wisst ja bestimmt, dass Ihr jeden Abend Besuch vom Papa Sandmann oder dem kleinen Sandmännchen, seinem Sohn bekommt. Und ohne, dass Ihr es merkt, streuen sie Euch ihren Traumsand in die Augen, damit Ihr gut schlafen und was Schönes träumen könnt. – Das glaubt Ihr nicht? – Dann schaut doch einmal Früh nach dem Aufstehen in den Spiegel oder reibt Euch die Augen. Ihr werdet sicher in beiden Augenwinkeln immer ein kleines Sandkörnchen finden. – Ja, das sind Körnchen vom Traumsand! –
Und gerade sind Papa Sandmann und das kleine Sandmännchen wieder dabei, Ihre Ladung Sand für den heutigen Abend in ihre Säcke zu schaufeln. Dabei fällt Papa Sandmann auf, dass sie nur noch ganz wenig Traumsand in ihrem Lager haben. Das kleine Sandmännchen hat dafür eine einfache Erklärung. Es kommt halt davon, weil sie bei manchen Kindern oft ganz viel Traumsand brauchen, bis sie endlich einschlafen. Papa Sandmann muss ihm da Recht geben. Manche Kinder sind nämlich vom Tag so aufgedreht, dass sie einfach nicht schlafen und lieber noch auf bleiben wollen. Das kleine Sandmännchen schaufelt immer noch den Traumsand in ihre Säcke und muss zu seinem Entsetzen feststellen, dass sie für morgen einfach nicht mehr genügend Traumsand haben. Sie bräuchten aber noch viel mehr, damit der Traumsand auch für morgen noch reicht. – Papa Sandmann ist ratlos, wie sie bis morgen ihre Vorräte wieder auffüllen können. – Das kleine Sandmännchen weiß nur eine Lösung: Sie müssen heute noch zum großen Traumsee laufen und neuen Traumsand holen. – Also nehmen die beiden Sandmänner ihren Handwagen und machen sich auf den Weg zum Traumsee, um von dort wieder ganz viel Traumsand zu holen.
Als sie mit ihrem ratternden Handwagen durch den Wald fahren, kommt ihnen Kasperle entgegen, der gerade auf dem Heimweg von Prinzessin Rosalie ist. Er wundert sich, dass die Beiden in die falsche Richtung fahren und fragt sie ganz einfach: „Na, Papa Sandmann und du, kleines Sandmännchen, wohin seid ihr denn unterwegs? Ihr fahrt doch in die völlig falsche Richtung! Wenn ihr uns Kindern wie jeden Abend eueren Traumsand in die Augen streuen wollt, dann müsst ihr umkehren!“ Das kleine Sandmännchen erklärt ihm aber, dass sie das schon wissen. Aber bevor sie heute zu den Kindern kommen können, müssen sie sich erst einmal neuen Traumsand aus dem Traumsee holen, weil ihr Vorrat nämlich fast restlos aufgebraucht ist. Da die beiden Sandmännchen deswegen ja heute etwas länger brauchen als sonst, hat Kasperle ja noch etwas Zeit, bis er sich in sein Bett legt. Deshalb beschließt er, die Sandmännchen noch zum Traumsee zu begleiten. Damit es schneller geht, bietet er sich an, ihr Wägelchen zu ziehen. Erstens geht es dann schneller und zweitens können sie dann viel mehr Sand aufzuladen, weil er halt doch etwas stärker ist. So kann er ihnen gleich viel mehr Traumsand in ihr gut verstecktes Häuschen transportieren. Darüber freuen sich die beiden Sandmännchen natürlich ganz toll und so marschieren alle Drei weiter durch den Wald, über den kleinen Hügel und wieder hinunter in ein geheimes Tal, das niemand kennt. Dort liegt der Traumsee, der allerdings bei der eisigen Kälte komplett zugefroren ist und ihnen schon von weitem mit einer silbern-glänzenden Eisdecke entgegen strahlt. Der kalte Frost der letzten Tage hat ihn ganz und gar zufrieren lassen, so wie viele Seen und Weiher im ganzen Land auch. Papa Sandmann ist sich sicher, dass das für ihn kein Problem ist. Er muss nur einen Zauberspruch sagen und im Nu wird dieser neuen Traumsand aus dem Traumsee in ihr Wägelchen befördern. Er stellt sich ans Ufer des Traumsees und spricht den Zauberspruch:
„Traumsand, tief im See, du liegst,
in mein Wägelchen du fliegst!“
Ein wirr durcheinander klingendes Glockenspiel ist zu hören, der See blitzt und funkelt in verschieden bunten Farben. – Doch – im Wägelchen ist kein einziges Körnchen neuer Traumsand gelandet. Das kleine Sandmännchen ist überrascht, dass Papa Sandmanns Zauberspruch heute nicht gewirkt hat. Das kleine Sandmännchen schaut ganz entgeistert in den zugefrorenen See und kann nur feststellen, dass plötzlich die Eisdecke ganz dunkel geworden ist. – Kasperl vermutet, dass der Zauberspruch nicht stark genug war und der Traumsand die harte Eisdecke nicht durchbrechen konnte. Der Traumsand ist scheinbar zwar nach oben gestiegen, hängt aber jetzt unter der dicken Eisdecke fest und kann aus dem See nicht heraus ins das Wägelchen der Sandmännchen fliegen. Papa Sandmann ist ratlos. Was sollen sie nur tun? Ihre Traumsandvorräte reichen nur noch für heute. – Aber, was ist morgen? Da haben sie keinen Sand mehr, den sie den Kindern in die Augen streuen können. Kasperl meint dazu nur lachend: „Hähähä, das ist doch praktisch, hähä. Dann brauchen wir ab morgen nicht mehr zu schlafen und können jede Nacht bis Früh morgens wach bleiben, hähä!“ Das kleine Sandmännchen muss Kasperl aber enttäuschen. Alle Kinder brauchen nachts ihren Traumsand, damit sie schlafen können, denn genügend Schlaf ist für Kinder genauso wichtig, wie essen und trinken. Sonst haben sie am nächsten Morgen nicht richtig ausgeschlafen und sind nicht fit für den ganzen Tag! – Kasperle überlegt kurz und muss dem kleinen Sandmännchen völlig Recht geben. Weder für Kinder, noch für Erwachsene ist es gut und gesund, auch nur eine Nacht nicht tief und fest zu schlafen. – Aber, was können sie nur tun? – Da fällt Kasperle ein, dass ihnen vielleicht die gute Traumfee aus der verzwickten Lage helfen kann. – Papa Sandmann vermutet auch, dass sie die Rettung sein könnte. Er will sie gleich mit einem Spruch herbei rufen:
„Gute Traumfee, bimm, bamm, bumm,
der Sandmann braucht dich, plimm, plamm, plumm!“
Da erklingt eine schöne, helle Melodie und unter bunten Lichtblitzen steigt durch die Eisdecke aus dem Traumsee die gute Traumfee heraus. Sie fragt Papa Sandmann: „Was ist, Papa Sandmann? Warum rufst du mich? Was hast du für einen Kummer?“ Papa Sandmann erklärt ihr, dass er unbedingt neuen Traumsand benötigt, weil seine Vorräte aufgebraucht sind. Aber der Traumsand kann aus dem Traumsee nicht in sein Wägelchen fliegen, weil der ganze See von einer dicken Eisdecke überzogen ist, durch die der Traumsand nicht hindurch kommt. Die gute Traumfee weiß, dass sie den Sandmännchen unbedingt helfen muss, damit sie wieder genügend Traumsand haben. Denn ohne diesen können die Kinder ja nicht gut schlafen und etwas Schönes träumen. Sie hat dafür eine einfach Lösung. Mit ihrem Wunderstäbchen berührt sie nur ganz kurz die Eisdecke des Traumsees, die im Nu dahin schmilzt und den Traumsand freigibt. Dieser fliegt unter bunten Lichterblitzen und mit hellen Glockenklängen in hohem Bogen aus dem See nach oben und füllt das Handwägelchen der Sandmännchen hoch aufgehäuft mit frischem Traumsand. „Da schaut her“, ruft Kasperle ganz begeistert, „nun ist euer Wägelchen voll mit neuem Traumsand!“ Papa Sandmann bedankt sich bei der guten Traumfee für ihre schnelle Hilfe, die gleich wieder unter bunten Lichtblitzen und mit einer geheimnisvollen Melodie in den Traumsee abtaucht. Das kleine Sandmännchen freut sich, dass sie nun wieder für ein paar Wochen genügend Traumsand haben, den sie den Kindern jeden Abend in die Augen streuen können. Kasperl zieht ihnen den voll beladenen Wagen zurück zu ihrem Häuschen und macht sich dann schnell auf den Weg nachhause. Dort legt er sich in sein Bett und wartet nur darauf, bis ihm das Sandmännchen den Traumsand in die Augen streut, damit er gut schlafen und was Schönes träumen kann.
Ihr, liebe Kinder, liegt bestimmt auch schon in Eurem Bett und wollt schlafen. Es wird bestimmt nicht mehr lange dauern und das Sandmännchen kommt bei Euch vorbei und streut seinen Traumsand. Jetzt hat es ja wieder jede Menge davon, so dass ihr immer gut schlafen könnt.
Also macht das Licht aus und schließt Euere Äuglein, denn bald kommt das Sandmännchen und streut seinen frischen Sand aus dem Traumsee! –
Schlaft gut und träumt was Schönes! –
Eine gute Nacht und einen schönen Traum wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






