Pimperle in der Küche

Die Großmutter vom Bamberger Kasperl hat heute Abend etwas ganz Gesundes zum Abendessen gekocht, eine leckeren Gemüseeintopf, mit Kartoffeln, Blumenkohl, Gelbe Rüben, Bohnen und Zwiebeln. Großmutter meinte nämlich, es muss nicht immer Fleisch sein, vor allem nicht am Freitag. Heute waren sie auch nicht alleine zum Abendessen. Der kleine Zwergensohn Pimperle war schon den ganzen Nachmittag auf Besuch und hat mit Kasperle im Garten und in dessen Zimmer gespielt. Und, weil Pimperle weiß, dass Kasperls Großmutter eine gute Köchin ist, bei der alles immer besser als zuhause schmeckt, ist er natürlich sehr gerne auch noch zum Abendessen geblieben. Vom Spielen an der frischen Luft hatten Kasperle und Pimperle einen Riesenhunger mitgebracht. Kein Wunder, dass sie Beide mit großem Appetit jeder zwei große Teller voll Gemüseeintopf ratzeputz leer gelöffelt haben.
Da Beide den Eintopf ohne zu Murren gegessen haben und er ihnen so gut schmeckte, hat Großmutti für die Zwei noch eine Überraschung als Nachspeise zubereitet. Und auch das Schüsselchen löffeln Pimperle und Kasperle noch leer und schlecken die Reste noch genüsslich mit der Zunge heraus. „Hm, Kasperls Großmutter“, sagt Pimperle, „das war das Beste vom ganzen Abendessen!“ Großmutter strahlt vor Freude, dass den Beiden ihr Essen heute so gut geschmeckt hat und meint lachend zu Pimperle: „Das denk ich mir, Pimperle! Du bist doch die gleiche Naschkatze wie mein Kasperle!“ Sie erklärt im, dass das aber nur die Nachspeise war, die sie nur bekommen haben, weil sie ihre Teller mit dem Gemüseeintopf so schön leer gegessen haben. „Solche Nachspeisen bekomm ich daheim bei meinem Zwergenvater Bommelhut nicht!“, beschwert sich Pimperle schon fast. Und dann will er wissen, was das denn eigentlich Gutes war? Kasperl sagt ihm, dass das ein Pudding war und wundert sich, wie man Pudding nicht kennen kann. „Was, ein Putzifink?“, fragt Pimperle nach. Kasperl muss darüber so lachen, dass ihm bald sein voller Bauch platzt: „Nein, Pimperle, hähä, ein Pudding!“, wiederholt er noch einmal. Jetzt will Pimperle natürlich genau wissen, wie man so einen feinen Pudding macht. Großmutter erklärt ihm, dass es Pudding in verschiedenen Farben und unterschiedlichem Geschmack gibt, den man in Tütchen im Laden von der Tante Emma kaufen kann. Das Pulver muss man mit etwas Milch und Zucker anrühren. Die restliche Milch schüttet man in einen Topf und lässt sie auf dem Herd kochen. Dann rührt man das angemachte Puddingpulver darunter, lässt das Ganze noch mal aufkochen und füllt es dann zum Abkühlen in kleine Schüsselchen oder Schälchen. Pimperle hat der Großmutter ganz aufmerksam und interessiert zugehört, denn er muss doch seinem Papa Bommelhut zuhause erzählen, wie man so einen Pudding macht, damit er den dort auch einmal bekommt. Kasperl schlägt vor, ihm doch so ein Tütchen Puddingpulver mitzugeben. Großmutter geht gleich in die Speisekammer und gibt Pimperle ein Tütchen mit. Pimperle freut sich schon darauf, wenn er für sich und Papa Bommelhut auch bald einmal einen „Buddelpling“ kochen kann. Kasperl bittet ihn aber, den Pudding nur zu kochen, wenn sein Papa Bommelhut auch dabei ist, damit nichts passiert. Nun will Pimperle aber schnell heim, um seinem Vater das Tütchen mit dem Puddingpulver zu zeigen. Da es sowieso schon spät geworden ist, bringt ihn Kasperle zurück zum Zwergenhaus in den Wald. Als sie dort ankommen, entdeckt Pimperle einen großen Zettel, der an der Tür hängt. Den hat Papa Bommelhut dort hin gehängt und Kasperle muss dem Zwerg vorlesen, was darauf steht: „Dein Papa ist noch einmal kurz zur Eule Schlafauge gegangen. Er kommt aber gleich wieder. Und du sollst einstweilen ins Bett!“ Kasperle schickt Pimperle ins Haus und sagt ihm, er solle tun, was sein Papa will und gleich in sein Bettchen schlupfen. Pimperle geht auch gleich brav ins Haus und schließt von innen die Tür. Kasperle wünscht ihm eine gute Nacht und macht sich wieder auf den Nachhauseweg.
Im Haus denkt sich Pimperle, es ist eigentlich gut, dass er noch alleine ist, bis sein Vater kommt. Er beschließt, seinem Vater eine Überraschung zu bereiten, wenn er nachhause kommt und will doch versuchen, selbst Pudding zu kochen. Er weiß ja noch genau, wie es geht, denn Kasperls Großmutter hat es ihm ja erklärt. Deshalb schüttet er als Erstes Milch in den Milchtopf und stellt diesen zum Kochen auf den Herd. Dann rührt er – wie gelernt – das Puddingpulver an. So, alles ist vorbereitet, denkt sich Pimperle. Bis die Milch kocht, will er die Zeit nutzen, um einstweilen seinen Schlafanzug anzuziehen und geht in sein Zimmer. Kaum ist er aus der Küche draußen, fängt es im Topf das Blubbern an und die Milch steigt langsam im Topf hoch, bis sie am Rand ankommt. Sie kocht immer weiter und weiß nicht mehr, wo sie hin soll. Sie blickt über den Topfrand und sieht, dass sie in der Küche von Pimperle und Papa Bommelhut ist. Weil sie niemand von der heißen Herdplatte nimmt, bleibt der Milch nichts anderes übrig, als über den Rand des Topfes hinüber zu laufen. Sie kriecht den Topf hinunter, bis zum Rand vom Herd. Als sie auf dem Herd auch keinen Platz mehr hat, läuft sie an der Vorderseite des Herdes hinunter und kriecht immer weiter und weiter auf dem Küchenboden. „Ich krieche einfach einmal durch das Haus, vielleicht finde ich jemanden, der den Herd ausschaltet!“, sagt die Milch zu sich und breitet sich im Zwergenhaus aus.
Kasperle ist inzwischen schon ein Stück vom Zwergenhaus entfernt und trifft unterwegs auf Papa Bommelhut, der ihm entgegengesetzt Richtung Zwergenhaus läuft.  Bommelhut bedankt sich, dass er Pimperle gut Heim gebracht hat. Als Bommelhut weitergeht, sieht er schon aus der Ferne, dicken Rauch aus seinem Küchenfenster steigen. Laut ruft er Kasperle wieder zurück, der ihn schnell zum Zwergenhaus begleitet. Beide machen sich unterwegs große Sorgen, dass kein Unglück geschehen ist. Beide eilen durch die Tür ins Zwergenhaus und sehen, dass der Boden überall mit dampfender Milch bedeckt ist. Durch den Qualm der Milch im ganzen Zwergenhaus müssen Beide furchtbar husten. Bommelhut rennt als erstes in die Küche, zieht den Milchtopf von der Kochplatte und schaltet den Herd ab. Kasperle stürmt gleichzeitig in Pimperles Schlafzimmer und hat schon Angst, er sei bewusstlos. Kasperl rüttelt und ruft. „Pimperle, was ist? – Bist du bewusstlos? – Wach doch auf!“ Erleichtert ist Kasperle, als Pimperle plötzlich die Augen öffnet. Gähnend meint der kleine Zwerg: „Oje, bin ich etwa eingeschlafen?“
Kasperle kann ihm das nur bestätigen und erzählt ihm, dass derweil die ganze kochende Milch aus dem Topf heraus und durch das ganze Zwergenhaus gekrochen ist. „Oje“, jammert Pimperle, „ich wollte uns doch nur einen Plumsing kochen!“ Pimperle ist darüber ganz geschockt, was er angerichtet hat.
In diesem Moment erscheint mit einer klangvollen Melodie die gute Kinderfee und erklärt Pimperle, dass man Milch oder andere Sachen, die man zum Kochen auf den Herd stellt, nicht aus den Augen lassen darf. Zum Glück hat die gute Kinderfee Pimperle nicht aus den Augen gelassen. Sie muss Pimperle auf seinen Fehler aufmerksam machen, weil gerade in der Küche immer wieder Unfälle und Verletzungen an Herden und heißen Töpfen vorkommen. Kasperl warnt ihn auch davor, denn gerade wenn man müde, unkonzentriert, in Eile oder Hast ist, sollte man nichts zum Kochen auf den Herd stellen.
Pimperle sieht es ein, dass es heute wohl doch zu spät zum Pudding kochen gewesen ist und dass er das ohne seinen Vater Bommelhut nicht hätte tun dürfen.
Weil er aus seinem Fehler gelernt hat, will die gute Kinderfee mit einem Spruch alles wieder in Ordnung bringen:
„Milch, zieh dich zusammen Stück für Stück,
kriech schnell in deinen Topf zurück!“

Es rauscht und zischt und im Nu wandert die Milch wieder in den Milchtopf zurück. Kein einziges Tröpfchen Milch ist mehr auf dem Boden oder der Herdplatte zu sehen.
Pimperle bedankt sich voller Schuld bei der Kinderfee und verspricht, in Zukunft immer vorsichtig in der Küche zu sein.
Ja, liebe Kinder, ihr müsst nicht – wie die Milch – in einen Topf kriechen, aber ihr seid dafür sicher alle schon in euer Bettchen gekrochen, so wie es Pimperle nach der Aufregung auch gleich wieder tut.
Eine gute Nacht und niemals einen Unfall in der Küche wünschen euch die Puppenbühne Herrnleben und euer Bamberger Kasperl.

Wolfgang Herrnleben (2008)