Das Bamberger Kasperle hat heute einen abwechslungsreichen Tag hinter sich. Nach dem Mittagessen hat er erst mit Gretel und Seppl etwas im Garten gespielt und dann hat er seine Schulsachen für nächste Woche hergerichtet, damit er dies nicht erst am Wochenende machen muss. Er hat erst seinen Schulranzen total ausgeleert und alles auf den Fußboden gekippt, dann hat er seinen neuen Schreibblock, sein neues Hausaufgabenheft und seinen Zirkelkasten wieder in die Schultasche. Als letztes kam sein Federmäppchen dran. Oje, da drin war ein Chaos, als er den Reißverschluss aufmachte und hineinsah. Nacheinander hat er dann ordentlich wieder alle Stifte, das Lineal, seinen Füller und den Radiergummi in die Gummischlaufen gesteckt. Halt – der Spitzer lag auch noch auf dem Küchentisch. Bevor er diesen noch einräumte, nahm ihn Kasperl und spitzte noch alle Blei- und Buntstifte. So, alles pikobello, dachte sich Kasperl und steckte auch noch das Federmäppchen in den Schulranzen. „Hähä, das ging ja schneller, als ich mir vorstellte!“, sagte Kasperle zu sich. Da es draußen noch hell war und heute nicht regnete, beschloss Kasperl, noch geschwind zum Zwergensohn Pimperle zu laufen. Pimperle kommt nämlich heuer in die erste Klasse zum Waldlehrer Uhu in die Waldschule.
So ist jetzt Kasperl unterwegs zum Zwergenhaus und marschiert durch den Wald. Er genießt unterwegs die frische Waldluft und freut sich über die Vögelein, die noch munter von den Bäumen ihre Liedchen zwitschern. Da er so flott gelaufen ist, steht er schon vor dem Zwergenhaus und klopft an die Tür. Zwergenvater Bommelhut öffnet die Tür, begrüßt Kasperl freudig, wundert sich aber, dass er sie so spät noch besuchen kommt. Kasperl erklärt ihm, dass er ja eigentlich zum Zwergensohn Pimperle wollte, um ihm für zum Schulanfang nächste Woche viel Glück zu wünschen. Pimperle, der inzwischen auch neugierig zur Tür gelaufen kam, bedankt sich bei Kasperle und fiebert schon heute seinem ersten Schultag entgegen. Pimperle ist schon ganz aufgeregt. Doch Kasperle beruhigt ihn und garantiert ihm, dass es ihm in der Schule bestimmt gefällt. Kasperle ist ja schon ein paar Jahre in der Schule und geht immer noch gerne hinein und freut sich schon darauf, all seine Klassenkameraden wieder zu treffen. Da die Drei immer noch unter der offenen Zwergenhaustür stehen, kommt Zwergenmutter Apfelbäckchen hinzu und bittet Kasperle und die beiden Zwerge doch erst einmal ins Zwergenhaus zu kommen. Sie hat gerade das Abendessen fertig und lädt Kasperle dazu ein. Es gibt eine leckere Schwammerlsuppe mit selbst gesuchten Pilzen und als Nachtisch Heidelbeergrütze. Als Kasperle das hört, läuft ihm schon das Wasser im Mund zusammen und er lässt sich nicht zweimal bitten. Schnell waschen alle ihre Finger und begeben sich an den kleinen Esstisch. Allen schmecken das Essen von Zwergenmutter Apfelbäckchen wie immer besonders gut. Pimperle denkt dabei aber nur an die Schule, die er ja noch nicht kennt und fragt Kasperl wahre Löcher in den Bauch. Kasperl erzählt ihm, wie schön es in der Schule ist, was man dort alles lernt und was es auch für einen großen Spaß macht. Dann fällt Pimperle etwas ein. „Du, Papa Bommelhut“, fragt er seinen Vater, „bekomme ich eigentlich auch eine Schultüte?“ Papa Bommelhut kann ihn beruhigen und sagt ihm, dass sie schon fertig gefüllt auf dem Schlafzimmerschrank liegt. Pimperle ist natürlich neugierig und will sie unbedingt sehen. Die Zwergenmutter verspricht ihm, er darf sie sehen, wenn er seine Suppe aufgegessen hat. Sie muss dann sowieso erst die Nachspeise anrichten. Ruck-zuck hat Pimperle seinen Suppenteller leergelöffelt und Papa Bommelhut zeigt ihm seine Schultüte. „Oooh, ist die schön bunt!“, staunt Pimperle. „Darf ich da mal hinein gucken, was alles drin ist?“ Aber da muss er noch warten. Das lässt Papa Bommelhut nicht zu, sonst ist der Inhalt ja an Pimperles Schultag nächste Woche keine Überraschung mehr. Pimperle will aber wenigstens wissen, ob auch etwas zum Naschen drin ist. Kasperle lacht über die kleine Naschkatze: „Bestimmt ist etwas zum Naschen drin, denn die Schultüte soll ja auch deinen Start in den Ernst des Lebens versüßen, hähä!“ Nun ist Pimperle beruhigt und sie gehen wieder zurück zum Esstisch, wo die Zwergenmutter schon die Schüsselchen mit Heidelbeergrütze aufgetischt hat. Mit Genuss lassen sich alle diese herrlich duftende, frische, fruchtige Nachspeise schmecken.
Alle haben nicht bemerkt, dass schon die ganze Zeit die Hexe Schleckermaul ums Zwergenhaus herum schleicht. Dabei hat sie etwas von einer Schultüte gehört, die für Pimperle bereit liegt. Die Hexe selbst hat in ihrem Leben nie eine solche Schultüte bekommen. Logisch! Sie war ja auch nie in der Schule. Am meisten interessieren die Hexe natürlich die Süßigkeiten, die da drin sein sollen. Sie klettert unbemerkt zum Schlafzimmerfenster ins Zwergenhaus, nimmt die Schultüte vom Schrank und reißt die Schleife auf, die die Zwergenmutter so schön gebunden hat. Aber erst kann sie nichts zum Naschen entdecken, nur Farbstifte, eine gelbe Bommelmütze und ein Verkehrserziehungsbuch. Das kann sie doch alles nicht brauchen. Sie schimpft und wirft alle diese für sie sinnlosen Sachen heraus. – Aber da, endlich findet sie das, was sie suchte: Eine Tüte Bonbons, eine Packung Waffelkekse und Lakritze. Gleich wickelt sie einige Bonbons aus dem Papier und steckt gleich eine ganze Hand voll davon auf einmal in den Mund. Damit sie nicht doch jemand erwischt, steckt sie schnell alle Leckereien in ihre Schürzentasche, springt wieder aus dem Fenster hinaus und humpelt Richtung Wald.
Drüben in der Küche haben sie inzwischen alle ihre feine Heidelbeergrütze aufgegessen und unterhalten sich noch, scherzen und lachen. Pimperle wird das aber trotzdem zu langweilig und er steht vom Tisch auf. Und – wo geht er wohl hin? – Natürlich noch einmal ins Schlafzimmer, um seine Schultüte noch einmal zu betrachten und sich vorzustellen, was da wohl alles eingepackt ist. Da entdeckt er seine Schultüte, die aufgerissen am Boden liegt! „Kasperle! – Papa Bommelhut!“, ruft Pimperle ganz entsetzt. Beide kommen gleich ins Schlafzimmer gerannt und Kasperle entdeckt überall ausgewickeltes Bonbonpapier verstreut am Boden. Er bemerkt das offene Schlafzimmerfenster und kann sich schon vorstellen, wer da eingedrungen und sich diesen bösen Scherz erlaubt hat. Schnell stürmt Kasperle aus dem Haus, Pimperle natürlich eilig hinterher. Da entdecken sie im Garten eine Spur von lauter leerer Bonbonpapierchen, die hinüber bis zum Waldrand führt. Da hören sie aus dem Wald auch schon ein fürchterliches Gejammer: „Oh, oh, meine Zähne tun weh! Und mein Magen drückt!“ Hinter einem Baum finden sie zusammengekauert die Hexe Schleckermaul mit allen Süßigkeiten aus der Schultüte. Sie hält sich den Mund und krümmt sich. Kasperl kann darüber nur schadenfroh lachen: „Hähä, das kommt davon, Hexe Schleckermaul! Geh nach Hause und koch dir einen Kräutertee!“ Mit Schmerzen humpelt die Hexe zurück in ihr Hexenhaus. Pimperle ist aber nun ganz traurig, weil seine schöne Schultüte total zerstört ist. Wie er nun so betrübt da steht, ertönen plötzlich helle Glockenklänge und in einer Rauchwolke, begleitet von bunten Blitzen erscheint die gute Schülerfee. Sie tröstet Pimperle erst und weist ihn darauf hin, was passieren kann, wenn man zuviel nascht. Das Ergebnis hat Pimperle ja ganz deutlich bei der Hexe Schleckermaul gesehen. Deshalb lobt die Schülerfee Pimperles Zwergeneltern, die ihm auch andere Sachen in die Schultüte gepackt haben. Sie will aber den Schaden, den die Hexe angerichtet hat wieder gut machen und spricht einen Zauberspruch:
„In der Schultüte sollen wieder gute Sachen sein,
lehrreich, süß, gesund und fein!“
Ein lautes Zischen ist zu hören. Die Schülerfee schickt Pimperle und Kasperle wieder zurück ins Zwergenhaus und kann Pimperle schon versprechen, dass er am ersten Schultag viele tolle Überraschungen in seiner Schultüte finden wird.
Pimperle bedankt sich aber vorher noch bei der Schülerfee und freut sich nun ganz besonders auf seinen ersten Schultag.
Ihr, liebe Kinder freut euch sicher auch alle auf eueren ersten Schultag und auf die Überraschungen, die in euerer Schultüte zum Vorschein kommen.
Aber denkt daran, immer rechtzeitig ins Bett zu gehen, damit ihr stets ausgeschlafen in die Schule kommt. Fangt heute schon einmal damit an. Schlaft gut und träumt was Schönes!
Eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
© Wolfgang Herrnleben (2008)






