PIMPERLES SCHULWEG

Viele Kinder wissen, dass es nach den Pfingstferien nicht mehr lange dauert, bis endlich Sommerferien sind. Logisch, freuen sich alle Schulkinder darauf, weil sie dann mit ihren Eltern in Urlaub fahren, Baden gehen, Wanderungen machen oder nur einfach viel Faulenzen können. Alle hoffen, dass die letzten Schulwochen bis zu den großen Ferien schnell vorüber gehen. Doch trotzdem freuen sie sich dann alle Jahre darauf, nach den Ferien ihre Klassenkameraden wieder zu treffen, um ihre Urlaubserlebnisse zu erzählen und sind gespannt, welche Lehrer oder Lehrerinnen sie im neuen Schuljahr bekommen. Am meisten freuen sich natürlich die, die das erste Mal in die Schule gehen dürfen. Auf sie kommt ja etwas ganz Neues zu und sie fiebern schon lange dem ersten Schultag entgegen und sind gespannt, was alles in ihre Schultüte gepackt ist. Doch schnell werden die Wochen und Tage bis dahin vergehen und ruck-zuck ist der Tag gekommen, an dem „der Ernst des Lebens“ beginnt, wie es immer so schön heißt. Diese Zeit sollten aber alle nutzen, um ihren Schulweg zu trainieren, denn schließlich ist man ab dann ja kein Kindergartenkind mehr, dass sich von Mama oder Papa jeden Tag zur Schule führen lassen muss. Aber gerade die neuen Schulkinder müssen lernen, sich im Straßenverkehr zurecht zu finden, müssen den kürzesten und sichersten Weg kennen und wissen, wo, wie und wann man die Straße überquert.
Das kleine Zwergensöhnchen Pimperle kommt heuer auch das erste Mal in die Schule. Natürlich muss ein kleiner Zwerg in die Zwergenschule zum klugen Zwergenlehrer Weißbart. Da das Pimperle mit seinem Zwergenvater Bommelhut gut versteckt, tief im Märchenwald wohnt, hat es einen langen Schulweg. Im Wald fahren zwar keine Autos, man muss keine Straßen überqueren und auf keine Ampeln achten, aber dafür muss man den Weg zwischen den Bäumen hindurch, über die Waldwege, Brücken und Bäche auch gut kennen, damit man sich nicht verläuft. Außerdem birgt der Weg durch den Wald viele andere Gefahren. Das Bamberger Kasperle hat deshalb Pimperle versprochen, seinen Schulweg bis zum Ferienende noch oft mit ihm zu üben, damit sich Zwergenvater Bommelhut keine Sorgen machen muss. Er ist mit seinem Zwergensöhnchen den Weg auch schon gelaufen und Pimperle kennt ihn schon ganz gut und aus diesem Grund kann Pimperle seinem Freund Kasperle den Weg auch erklären: „Ach Kasperle, das ist doch eigentlich ganz einfach. Wir müssen erst ein Stück durch den Zwergenwald, dann dem plätschernden Bach folgen bis die schmale Holzbrücke kommt, über die muss man dann hinüber, am Rand vom Zauberwald entlang, dann über die große Blumenwiese, an deren Ende beginnt ein Waldweg, der durch den dunklen Tannenwald führt und den läuft man solange bis zur Lichtung, in der die Zwergenschule vom Zwergenlehrer Weißbart steht!“ Pimperle lächelt ganz verschmitzt und ist ganz stolz, dass er dem Kasperl den Weg schon so genau beschreiben konnte. „Na gut, Pimperle“, schlägt Kasperle vor, „wenn du den Weg schon so gut kennst, dann läufst du immer ein paar Schritte voraus und führst mich zur Zwergenschule. Ich pass dabei auf, dass du auf alles achtest und keinen falschen Weg einschlägst.“ Doch Pimperle hält das gar nicht für nötig. Wie oft soll er den Weg denn noch gehen. Wenn die Schule beginnt, muss er ihn doch sowieso jeden Tag laufen. Er will lieber mit Kasperle spielen. Aber Kasperle gibt auch nicht nach. Er ist schließlich extra zum Zwergenhaus gekommen, um mit ihm den Schulweg zu trainieren. Aber Kasperl verspricht Pimperle, dass er mit ihm später noch spielen wird. Aber erst muss er ihm beweisen, dass er problemlos zur Zwergenschule und wieder zurück findet. Pimperle sieht ein, dass es wichtig ist, den Schulweg zu üben und will so schnell wie möglich wieder zuhause sein, um mit Kasperle zu spielen. Übermütig rennt er los und zeigt Kasperle seinen Schulweg. Kasperle kann dem flinken Zwerg kaum folgen und ermahnt ihn, nicht so schnell zu rennen, damit er nicht stolpert und sich weh tut. Schneller als gedacht, kommen Beide an der Zwergenschule an. Nach einer kurzen Verschnaufpause drängt Pimperle Kasperle dazu gleich wieder umzukehren, damit sie endlich miteinander spielen können. Doch weil Pimperle vorher so gerannt ist, kann er auf dem Rückweg nicht mehr so schnell laufen. Aber er kann es nicht mehr abwarten, mit Kasperle etwas zu spielen. Da es ihm zulange dauert, bis sie wieder beim Zwergenhaus sind, bittelt und bettelt er Kasperle, sie könnten doch auf dem Rückweg ideal Verstecken spielen. Kasperle lässt sich erweichen, warnt aber Pimperle davor, sich im Zauberwald zu verstecken. Kasperle weiß, dass dort drinnen viele Hexen und Zauberer wohnen, mit denen nicht zu spaßen ist. Pimperle verspricht ihm, den Zauberwald nicht zu betreten und sich nur hinter den großen Steinen am Rand des Baches oder hinter einem dicken Weidenbaum zu verstecken. Kasperle glaubt ihm, hält sich die Augen zu und zählt bis Zehn. „Eins – zwei – drei – vier – fünf – sechs – sieben – acht – neun – zehn. Ich komme!“, ruft Kasperle und schaut erst einmal langsam ringsum. Von Pimperle ist aber nichts zu sehen. Er muss sich gut versteckt haben, denkt Kasperle und macht sich auf die Suche am Ufer des Baches entlang. Pimperle wollte aber Kasperle überlisten und hielt sich nicht an sein Versprechen. Er hat sich überlegt, doch in den Zauberwald hinein zu laufen. Dort wird sich Kasperle nicht hinein trauen und er findet ihn nie. Pimperle läuft deshalb ein Stück auf dem gespenstischen Weg in den Zauberwald und versteckt sich hinter einem alten knorrigen Baum. Er kauert sich ganz klein zusammen, noch kleiner, als er sowieso schon ist und siegesbewusst kichernd ist er davon überzeugt, dass ihn Kasperl hier keinesfalls findet. Überhaupt ist er sich sicher, hier findet ihn niemals jemand. Das ist ein Superversteck! – Doch da hat sich Pimperle gehörig getäuscht. Er wusste nämlich nicht, dass die Hexe Fixiburri schon die ganze Zeit auf der Lauer lag und Kasperle und Pimperle beobachtete. Ihr kam es ganz gelegen, dass Kasperle nun weit weg und Pimperle ganz alleine im Zauberwald war. Da er den sicheren Schulweg verlassen hatte, hat die Hexe nun leichtes Spiel. Unbemerkt schleicht sie sich an, packt Pimperle von hinten und schleppt das heftig zappelnde und schreiende Zwerglein Richtung Hexenhaus. Aus der Ferne hört Kasperle das Rufen und ist erst der Meinung, es kommt vom Bach. Dort sucht er als erstes nach Pimperle, weil er dachte, Pimperle ist in den Bach gefallen. Als er dort nichts findet, lauscht er noch einmal genau und dann hört er wieder Pimperles Stimme. Jetzt merkt Kasperle, es kommt ja aus dem Zauberwald. Schnell eilt Kasperle in den Zauberwald und folgt dem Rufen. Plötzlich stolpert Kasperle und fällt auf seine Nase. Als er wieder aufsteht, sieht er, dass er über den Besen der Hexe Fixiburri gefallen ist, der mitten im Weg lag. Er hebt ihn auf, nimmt ihn mit und rennt weiter immer tiefer in den Zauberwald. Da kommt ihm schon die Hexe Fixiburri auf dem Weg entgegen gehumpelt. „Gib mir sofort meinen Besen wieder zurück!“, schreit ihn die Hexe mit ihrer krächzenden Stimme an. Kasperle ahnt, dass die Hexe etwas mit dem Verschwinden vom Zwerg Pimperle zu tun hat. Er will ihr den Hexenbesen nur zurückgeben, wenn sie ihm den Hexenspruch verrät, mit dem er Pimperle wieder hierher hexen kann. Die Hexe stimmt dem Vorschlag widerwillig zu, aber nur unter der Bedingung, dass sie dann ihren Hexenbesen wieder bekommt. Kasperle verspricht es ihr und sie verrät ihm den Spruch. Kasperle kreist mit dem Besen in der Luft herum und zaubert:
„Hexenbesen, eins-zwei-drei,
bring Pimperle wieder schnell herbei!“
Es blitzt und donnert! In diesem Moment kommt Pimperle in einer mächtigen Rauchwolke wieder zurück und steht direkt zwischen Kasperle und der Hexe. Kasperle ist froh, dass Pimperle wieder bei ihm ist. Nun erinnert die Hexe Kasperle an sein Versprechen, ihr den Hexenbesen wieder zurück zu geben. Kasperle lacht und hält sich natürlich an sein Versprechen. Aber auf seine Art! – Die Hexe soll ihren Besen wieder haben, aber nur auf ihr Hinterteil. So treibt er die Hexe damit weit hinein in den Zauberwald, denn das soll ihr eine Lehre sein, nie mehr Kinder auf ihrem Schulweg abzufangen. Den Besen will Kasperle mit nach Hause nehmen und in Großmuttis Kachelofen verbrennen. Nach der Aufregung geht er mit Pimperle wieder zum Zwergenhaus zurück. Pimperle verspricht ihm, nie mehr vom Schulweg abzuweichen und er wird ganz bestimmt auch nie mehr einen Fuss in den Zauberwald setzen. Kasperle hofft, dass er sich auch immer daran hält und sagt, er soll auch immer mit wachsamen Augen durch die Gegend laufen und dabei nicht träumen.
Träumen kann er ja genug nachts, wenn er im Bett liegt und schläft.
Ihr, liebe Kinder solltet auch nur beim Schlafen träumen und nicht auf der Straße oder auf dem Schulweg.
Deshalb kuschelt euch nun auch ins Bett und träumt was Schönes.
Die Puppenbühne Herrnleben und euer Bamberger Kasperle wünschen euch eine gute Nacht!

Elisabeth Herrnleben (2008)