Endlich ist es richtig Sommer und da heißt es für alle Kinder – und natürlich auch für die Erwachsenen – nach Schule und nach getaner Arbeit: Nix – wie ab ins Schwimmbad! – Vor allen Freibädern sind massenweise abgestellte Fahrräder, auf den Wiesen liegen viele bunte Decken und Handtücher dicht nebeneinander, so dass es aussieht, wie ein modernes Gemälde. Und in den verschiedenen Schwimmbecken und auf den Wasserrutschen tummeln sich unzählige Menschen, die alle nur ein Ziel haben: sich im kühlen Nass zu erfrischen. –
Zwergenvater Bommelhut lässt seinen kleinen Sohn Pimperle leider nicht alleine in das große Schwimmbad mit den vielen Menschen. So kann Pimperle immer nur im trüben Waldtümpel baden. Darüber hatte er sich neulich erst bei Kasperle ausgeweint. Aber Pimperle hat die Hoffnung schon wieder aufgegeben, dass ihn Kasperle einmal mit in das große Schwimmbad mitnimmt. Also – marschiert er mit seinen Badesachen wieder los zum Waldtümpel. – Und gerade, als er seine Badehose anziehen will, kommt Kasperl pfeifend anmarschiert und bittet ihn, sich wieder anzuziehen. Pimperle ist erst verwundert, was das soll? – Doch dann hat Kasperle eine große Überraschung für ihn parat. Er darf heute mit ihm ins große Freibad. Pimperle macht vor lauter Freude einen großen Luftsprung. Er rennt schnell ins Zwergenhaus und packt seinen kleinen Rucksack, seine Badehose, ein Handtuch, Sonnenöl, etwas zum Essen und seinen kleinen Schwimmreifen. Und dann rennt er juchzend und trällert mit Kasperle los!
An der Badkasse bezahlt Kasperle den Eintritt und Pimperle rennt gleich zur großen Wiese. Er sucht für sich und Kasperle ein freies Plätzchen, wo sie ihre Decke ausbreiten können. Ruck-zuck schlupft er in seine kleine Badehose und will gleich ins Wasser springen. Doch Kasperle hält ihn erst einmal zurück. Er erklärt Pimperle, dass dies zu gefährlich ist. Vom schnellen Wettlauf vom Wald bis hierher sind sie beide nämlich ganz heiß und schwitzen. Da darf man nicht gleich ins kalte Wasser springen. Kasperl nimmt ihn deshalb erst mit unter die Dusche, damit sie sich etwas abkühlen. So was kennt Pimperle natürlich auch nicht, denn neben dem Waldtümpel gibt es keine solche Dusche. Unter der Dusche fängt Pimperles Magen auf einmal das Knurren an und er will sich vor dem Schwimmen erst einmal stärken. Nun muss ihn Kasperle schon wieder belehren. Er macht Pimperle klar, dass man mit vollem Bauch auch nicht ins Wasser hüpfen darf und sie dann wieder warten müssen. Pimperle ist ganz überrascht, worauf man beim Baden achten muss. Kasperle geht mit ihm nun zur großen Tafel und zeigt ihm die Baderegeln und bittet den kleinen Zwerg sich auch immer daran zu halten. Wer es nämlich nicht tut, kann leicht ertrinken. Pimperle will aber nicht mehr länger auf sein erstes Bad im großen Schwimmbecken warten. Deshalb verzichtet er vorerst auf seine Brotzeit, geht mit Kasperl noch einmal unter die Dusche und will dann zu den anderen Kindern in das große Becken. Doch Kasperle warnt ihn, denn das Wasser im großen Becken ist viel zu tief. Da käme er mit seinen kleinen Beinchen doch nie bis zum Grund, wie im seichten Waldtümpel. Kasperl empfiehlt ihm, lieber erst einmal ins Kinder-Plantsch-Becken zu gehen. Pimperle schaut es sich an und meint, dass er in dem bischen Wasser doch nicht richtig schwimmen kann. Kasperl wundert sich darüber, wann und wo Pimperle das Schwimmen gelernt hat. Dann stellt sich heraus, dass Pimperle selbst nicht weiß, ob er Schwimmen kann. Doch er meint, er wird es schon schaffen. Er man muss es halt nur probieren. Kasperl ist dies aber zu gefährlich. Dabei kann Pimperle leicht untergehen. Er will ihn nur in das große Schwimmbecken lassen, wenn er seinen Schwimmreifen umlegt. Kasperl bläst schnell den kleinen Zwergenschwimmreifen auf und steckt Pimperle hinein. Dieser kommt sich allerdings albern vor und schämt sich, weil ihn die anderen Kinder mit dem bunten Ding um den Bauch bestimmt auslachen. Aber ohne Schwimmreifen will ihn Kasperl nicht ins tiefe Wasser lassen. Also steigen beide vorsichtig ins Wasser. Pimperle wird sicher von seinem Schwimmreifen getragen und paddelt mit Armen und Beinen. „Sieh doch, Kasperl“, ruft er, „wie gut ich schwimmen kann!“ Und im Nu bewegt er sich mit wilden Bewegungen vorwärts und paddelt immer weiter vom Rand weg Richtung Beckenmitte. „Kasperl“, ruft er wieder, „kann ich den Schwimmreifen jetzt wieder runter tun? Dann könnte ich bestimmt viel schneller schwimmen!“ Doch Kasperl kann das nicht genehmigen, denn er ist sich nicht sicher, ob er ohne Schwimmreifen schon alleine schwimmen kann. Außerdem könnte er ihm dann nicht einmal helfen, wenn er ihn bei dem dichten Gedrängel aus den Augen verliert. Pimperle findet das lächerlich und paddelt enttäuscht von Kasperle weg. – So was Blödes! – Was soll ihm schon passieren! – Das viele Wasser wird doch so einen kleinen Zwerg tragen! –
Mitten in dem Menschengetümmel planscht auch der freche Unfallteufel herum. Er hat mitbekommen, dass Pimperle der Schwimmreifen nicht gefällt. Er will dem kleinen Zwerg seinen Wunsch erfüllen und lässt einfach heimlich die Luft aus dem Schwimmreifen. „Hehehehe“, lacht er schelmisch, „jetzt kann er allen beweisen, wie gut er schwimmen kann! Hehehe!“ – Blubbernd entweicht die Luft aus dem Reifen und Pimperle verliert den Halt! Plötzlich merkt er, dass er langsam untergeht. „Hilfe! Hilfe!“, ruft er. „Ich ertrinke!“ – Kasperle hat das Rufen seines kleinen Freundes gehört, doch er kann ihn nirgends mehr sehen! – Auweia, was schwimmt denn da auf der Wasseroberfläche? – Das ist ja Pimperles Schwimmreifen! – Und ganz ohne Luft! – Kasperle vermutet, Pimperle ist durchgerutscht und untergegangen. Kurzentschlossen taucht Kasperl an der Stelle in die Tiefe hinab! – Luftblasen steigen auf, es blubbert und dann schießt Kasperl umhüllt von einer großen Wasserfontäne mit Pimperle im Arm wieder aus dem Wasser heraus! – Schnell schwimmt er mit ihm an den Beckenrand und bringt ihn auf die Wiese. Pimperle hustet und hustet, weil er wohl schon eine Menge Wasser geschluckt hat. Zum Glück hat Kasperle schon einmal einen „Erste-Hilfe-Kurs“ besucht und weiß daher, wie man das Wasser aus den Lungen pumpt.
Als gerade damit beginnt, erklingt eine geheimnisvolle Melodie und in einer grünen Rauchwolke erscheint die gute Waldfee. Kasperl wundert sich, warum sie aus dem Wald hierher ins Freibad kommt. Die Waldfee hat die Aufgabe, den Wald und alles, was darin lebt, zu schützen und dazu gehört natürlich auch Zwerg Pimperle. Und er ist und bleibt ein Waldbewohner, auch wenn er heute in der Stadt beim Baden ist. Mit einem Spruch will sie ihm deshalb schnell helfen.
„Wasser weiche eins-zwei-drei,
Pimperles Lunge sei wieder frei!“
Nach den Klängen wie von einem hellen Glockenspiel, öffnet Pimperle wieder seine Augen, hustet noch das letzte Wasser aus seinen Lungen und fragt dann noch etwas benommen: „Wo – wo bin ich? – Was – was ist geschehen?“ Kasperl vermutet, dass er absichtlich die Luft aus dem Schwimmreifen gelassen hat und deshalb untergegangen ist. Nun ist sogar die gute Waldfee erschienen, um ihm zu helfen. – Doch die Waldfee muss Pimperle zumindest zum Teil in Schutz nehmen. Er wollte zwar ohne Schwimmreifen schwimmen, doch die Luft hat der böse Unfallteufel herausgelassen. Pimperle hat auf alle Fälle nun gespürt, wie lebenswichtig ein Schwimmreifen oder Schwimmflügel sind, solange man nicht richtig schwimmen kann. Und bis er diese Kunst beherrscht, will er ihn immer benutzen. Und damit er auch dann nie mehr untergeht, will er sich vom Kasperl das Schwimmen richtig lernen lassen.
Könnt Ihr, liebe Kinder alle schon richtig schwimmen? – Wenn nicht, dann geht bitte niemals ohne Hilfsmittel, wie einem Schwimmreifen oder den Schwimmflügeln ins Wasser! – Ein Nachmittag im Freibad soll ja nicht mit einem Unglück enden! –
Wenn Ihr jetzt ins Bett geht, braucht Ihr allerdings keinen „Bettreifen“, hähä, denn da drin könnt ihr bestimmt nicht untergehen! – Nicht einmal in einem Wasserbett, hähä. –
Eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






