Das Bamberger Kasperle und der Seppl haben den ganzen Nachmittag ihre Hausaufgaben für die Schule fleißig alle erledigt, damit sie für das Wochenende fertig sind. Brav haben sie auch schon ihre Schultaschen für Montag hergerichtet. Zur Belohnung hat ihnen die Großmutter erlaubt, draußen noch etwas zu spielen, während sie inzwischen das Abendessen vorbereitet hat.
Nun, denkt sich die Großmutter, wird es aber Zeit, dass die Beiden ins Haus kommen, damit es zum Essen nicht zu spät wird. Sie öffnet kurz das Küchenfenster und ruft hinaus in den Garten: „Kasperl! Seppl! Das Abendessen ist fertig!“ Kasperl kommt sofort angerannt, wäscht sich im Bad die Hände und setzt sich an den Tisch. Nur der Seppl kommt nicht, obwohl er doch sonst immer der Erste ist, wenn es etwas zum Futtern gibt. Als Großmutter Kasperl nach seinem Freund fragt, kann er sich nicht erklären, wo er steckt. Während Kasperl im Garten gespielt hat, ist Seppl hinaus gerannt und seit dem nicht mehr zurückgekehrt. Kasperl hat auch keine Ahnung, wo Seppl hingelaufen ist. Großmutter bittet Kasperle deshalb, doch einmal nach Seppl Ausschau zu halten und ihm mitzuteilen, dass das Essen auf dem Tisch steht. Außerdem vermisst die Großmutter ihr großes Küchensieb, welches sonst an seinem Platz über dem Küchenherd hängt. Kasperl will erst nach Seppl und anschließend nach dem Küchensieb suchen, denn mit seiner großen „Kasperl-Spürnase“ findet Kasperle sonst ja auch immer alles. So macht sich Kasperle erst einmal auf den Weg zur großen Wiese, weil er vermutet, das Seppl das Küchensieb mitgenommen hat, um dort vielleicht Schmetterlinge zu fangen. Doch auf der Wiese ist Seppl nirgends zu entdecken. Kasperl beschließt daraufhin, einmal zum Fluss zu laufen, hofft aber, dass Seppl nicht am Ende ins Wasser gefallen ist. – Und tatsächlich, wen sieht er dort am Ufer hocken! – Den Seppl, der mit Großmutters Küchensieb im Wasser herumpantscht. „Ja, sag mal Seppl“, meint Kasperl lachend zu seinem Freund, „willst du mit Großmutters Küchensieb im Fluss Fische fangen?“ Ganz entrüstet antwortet Seppl: „Quatsch, Kasperl! Ich fang doch keine Fische! Ich will damit Gold waschen!“ Kasperl kann sich vor Lachen kaum mehr halten und erklärt Seppl, dass er in unseren Flüssen doch kein Gold findet, da müsste er schon nach Amerika fliegen. Seppl aber erzählt ihm, dass er in der Zeitung doch von Goldfunden in Deutschland gelesen hat, das vom Wasser aus den Bergen geschwemmt wurde. „Und“, fragt Kasperl, „wie groß ist dein Goldfund schon?“ Seppl deutet auf seinen Eimer, der schon halb voll ist. Kasperl sieht hinein und lässt die Steine durch seine Finger gleiten. Doch er muss Seppl enttäuschen, denn im Eimer ist kein Gold. Es sind nur lauter Kieselsteine. Aber Seppl lässt sich nicht entmutigen. Er behauptet voller Überzeugung, dass es echtes Goldstücke sind, die nur vom Dreck und Schlamm befreit werden müssen, der sie umhüllt. Dann will er Kasperl beweisen, dass dann darunter glänzendes Gold zum Vorschein kommt. Kasperl muss immer mehr über Seppl’s Dummheit lachen und erklärt ihm, dass richtige Goldwäscher mit ihren Sieben Steine und Sand aus Flüssen und Bächen fischen und dann nachsehen, ob bei dem Auswaschen irgendwo glänzende Bröcklein zum Vorschein kommen. Und oft finden sie dabei tage- oder wochenlang gar nichts. Mit Sicherheit finden sie in so kurzer Zeit nicht gleich einen halben Eimer voll. Seppl meint aber, seine Steine glänzen doch alle. Kasperl will ihm vom Gegenteil überzeugen und zeigt dem Seppl, dass der Glanz nur davon kommt, weil die Steine alle nass sind. Doch Seppl glaubt ihm nicht und will noch solange Steine aus dem Wasser sieben, bis sein Eimer voll ist. Kasperl merkt, dass Seppl nicht davon abzuhalten ist. Auch nicht, als er ihn zum Abendessen mitnehmen will. Deshalb geht Kasperl eben wieder alleine zurück zur Großmutter und bittet Seppl aber schnellstmöglich heim zu kommen. So bleibt Seppl noch am Ufer sitzen und siebt eifrig weiter Steine aus dem Fluss.
Dabei hat er nicht bemerkt, dass sich der Räuber Ramplpampl hinter einem Gebüsch versteckt und das Gespräch zwischen Kasperl und Seppl belauscht hat. Dabei hat er aber nur mit einem Ohr hingehört und nicht alles genau verstanden. Dass es aber um Gold gegangen ist, hat er wohl mitbekommen. Ramplpampl wäre kein richtiger Räuber, wenn er diesen wertvollen Schatz im Eimer nicht haben wollte. Schlau wie er ist, kommt ihm eine Idee. Er geht zum Seppl hin und erzählt ihm, dass er hier auch schon Gold gefunden hat. Seppl ist natürlich sofort davon überzeugt und freut sich schon darauf, Kasperle später doch seinen ersten Goldfund zu präsentieren. Der Räuber schwindelt Seppl an und verrät ihm ein angebliches Räubergeheimnis, wo er echtes glänzendes Gold im Fluss findet. „Dazu muss du mit dem kleinen Boot in die Flussmitte fahren“, sagt Ramplpampl zu Seppl, „ und dort das Sieb tief ins Wasser halten. Wirst sehen, schnell wird es voll sauberem, glänzenden Gold sein, haha!“ Na, das lässt sich Seppl nicht zweimal sagen. Schnell steigt er in das kleine Boot, welches am Ufer ganz in der Nähe angebunden ist und rudert in die Mitte des Flusses. Und wahrlich, Seppl sieht ihm Wasser unter ihm wirklich etwas glänzen und schimmern. Der Räuber ruft ihm vom Ufer aus zu: „Du musst dich weit hinunter beugen und das Sieb ganz tief ins Wasser halten!“ Während Seppl diesen Rat befolgt, verschwindet der Räuber mit dem Eimer. Doch wenn er ihn später in seinem Räuberhaus ausleert, wird er auch kein Gold, sondern nur schmutzige Kieselsteine finden. Seppl beugt sich weiter und weiter über den Rand des Bootes, um mit dem Sieb immer tiefer ins Wasser zu gelangen. Dabei merkt er nicht, dass er das Gleichgewicht verliert und das Boot umkippt. Platsch! Seppl fällt ins Wasser und fuchtelt wild mit den Händen. Schon wasserschluckend ruft er: „Hilfe! Hilfe! Kasperle! Rette mich!“ Kasperle hat dies zum Glück gerade noch gehört und Seppls Stimme erkannt. Schnell rennt er wieder über die Wiese in Richtung Flussufer. Doch Seppl wird von seinen schweren Schuhen und seiner durchweichten Kleidung immer wieder nach unten zogen und kann sich nur schwer immer wieder an die Wasseroberfläche strampeln, um nach Luft zu schnappen. Plötzlich erklingt eine geheimnisvolle Melodie und unter Blubbern taucht die gute Flussnixe auf. Sie fasst den Seppl und schwimmt mit ihm ans rettende Ufer. Kaum liegt der Seppl wieder auf der Erde, kommt auch Kasperle angerannt: „Ja, da schau her“, sagt er überrascht, „die Flussnixe hat ja den Seppl schon aus dem Wasser gefischt!“ Die Nixe ermahnt Seppl, dass er nie mehr alleine mit einem Boot auf den Fluss rudern soll und hofft, er hat gemerkt, wie gefährlich das werden kann. Seppl bedankt sich zwar artig für die Rettung, entschuldigt seinen Fehler aber damit, dass er doch nur wegen dem schwimmenden Gold aufs Wasser gefahren ist. Die Nixe belehrt ihn aber darüber, dass es in diesem Fluss kein Gold gibt. Der Glanz, den Seppl im Wasser gesehen hat, kam nur von den vielen Fischlein, die sich schwimmend im Fluss bewegt hatten. „Siehst du, Seppl“, sagt Kasperle, „ich hab dir doch gesagt, es sind nur Kieselsteine!“ Ja, und mit denen ist der Räuber abgehauen. Obwohl Seppl maßlos enttäuscht darüber ist, dass er kein erfolgreicher Goldwäscher ist, muss er doch mit Kasperl darüber lachen, als sie sich das Gesicht des Räubers vorstellen, wenn er im Räuberhaus nur feucht-glänzende Steine ausleert. „Ja, Seppl“, meint die Nixe, „merke es dir. Es ist nicht alles Gold, was glänzt!“
Ihr, liebe Kinder, wisst das sicher schon längst und hättet auch die Lüge des Räubers nicht geglaubt.
Nun muss Seppl aber schleunigst nachhause, um seine nassen Kleider auszuziehen, damit er keine Erkältung bekommt. Großmutti steckt ihn bestimmt erst einmal in die heiße Badewanne und dann in einen warmen Schlafanzug.
Ihr, liebe Kinder habt eueren Schlafanzug bestimmt schon an und seid fertig zum Schlafengehen. Drum kuschelt euch schön unter euere Bettdecke und träumt was Schönes.
Eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
© Wolfgang Herrnleben (2008)






