Seppl’s Grillparty

Gretel ist gerade in der Küche, um das Abendessen vorzubereiten. Da sie für die Schule am Nachmittag jede Menge Hausaufgaben machen und viel lernen musste, hat sie sich entschlossen, heute nur ein paar Bratwürste in der Pfanne zu bruzzeln. Da von gestern auch noch genügend Sauerkraut im Topf ist, muss sie dies dazu auch nur aufwärmen. – Und, wer es schon einmal gegessen hat, weiß, dass aufgewärmtes Sauerkraut sogar besser schmeckt. Das geht alles schnell und Kasperl und Seppl essen ja gerne jede Menge Bratwürste mit Sauerkraut, Senf und Brot. Damit trotz des immer großen Bratwursthungers von Kasperl und Seppl nicht zu viele übrig bleiben, will sie von Seppl wissen, wie viele Bratwürste sie für ihn braten soll. Doch die Antwort, die sie von Seppl bekommt, ist wieder typisch für ihn: „Na, Gretel – wie immer! – Auf alle Fälle zwei Paar mehr als der Kasperl!“ – Dann kommt Seppl aber eine bessere Idee! – Warum will Gretel die Bratwürste einfach in der Pfanne braten. Sie könnten sie doch auch grillen, da schmecken sie doch zehnmal leckerer! – Gretel blickt zum Fenster hinaus und findet Seppl’s Idee nicht so gut. Denn heute ist es windig und kühl und es scheint bald zu regnen! Sie meint deshalb, dass heute wirklich nicht das richtige Wetter zum Grillen ist. – Doch Seppl findet das nicht. Es ist doch schließlich Frühling, da kann man doch im Freien grillen. Und wenn es zu regnen anfängt, dann schiebt er den Grill halt auf die Terrasse, da ist ein Dach drüber. Gretel merkt schon, dass Seppl nicht nachgibt und unbedingt im Freien eine Grillparty veranstalten will. Schließlich gibt sie nach! – Dann hat sie noch weniger Arbeit und muss nur noch das Sauerkraut aufwärmen. Sicherheitshalber sagt sie aber Kasperl Bescheid, damit dieser den Gartengrill bereit stellt und aufpasst, dass der Seppl nicht mit dem Feuer zündelt.
Zufällig war der kleine Feuerteufel Fizzliputz in der Nähe und hat gehört, dass hier ein Grill angezündet werden soll. Er wartet schon lange darauf, denn bei dem ständigen Regen und den kalten Temperaturen im Land wurde bisher kaum irgendwo ein Grill angeschürt. Er hofft, dass sie nicht vorsichtig genug beim Umgang mit dem Feuer sind und er einen Streich spielen kann. Husch – versteckt er sich und will Kasperl und Seppl erst einmal beobachten, um auf den richtigen Moment für seinen Streich zu warten.
Schon kommen Kasperl und Seppl mit dem Grill an und tragen ihn vom Gartenhäuschen auf die Steinplatten vor der Terrasse. Den Sack mit den Kohlen hat Seppl schon bereitgestellt. Zu zweit heben sie den schweren Sack hoch und schütten die Kohlen in den Grill. Kasperl hat schon die Schachtel mit den Bio-Anzündern und Streichhölzer in der Hosentasche. Er zündet einen der braunen Würfel an und legt ihn mitten in den Kohlenhaufen. Dummerweise ist es jetzt ausgerechnet windstill, sonst könnten die Kohlen schnell Feuer fangen. Kasperl will deshalb etwas nachhelfen und geht los, um den Handblasebalg zu holen. Er bittet Seppl solange auf das Feuer aufzupassen und ermahnt ihn, nicht herum zu zündeln.
Seppl steht nun neben dem Grill und beobachtet den kleinen Bio-Anzünder, der so harmlos für sich hin glüht. Seppl ist nicht davon überzeugt, dass daraus ein vernünftiges Feuer wird, über dem sie die Bratwürste grillen können. Da will er selbst etwas nachhelfen! – Er bläst seinen Backen dick auf und will das kleine Flämmchen anpusten, damit es auf die Kohlen überspringt. Er bläst und bläst und bläst! – Und – er hat wohl zu fest geblasen. Denn anstatt das Feuer anzufachen, hat er das kleine Flämmchen ausgeblasen. – „Auweh“, sagt Seppl zu sich, „da wird der Kasperl schön motzen, weil ich den Anzünder wieder ausgeblasen habe!“ – Was soll er jetzt bloß tun? – Die Grillanzünder und Streichhölzer hat Kasperl alle in seiner Hosentasche stecken! – Dann hat er den rettenden Einfall! – Er will schnell die Flasche Spiritus aus dem Keller holen! – Das hat der kleine Feuerteufel Fizzliputz natürlich gehört und widdert seine Chance. Ihm gefällt es immer besonders gut, wenn Menschen und Kinder so dumm sind und mit Benzin oder Spiritus Grillfeuer anzünden wollen. Mit hämischem Lachen springt er schnell zum Grill und bringt rasch eine Kohle zum Glühen. Er freut sich schon darauf, wenn Seppl nun leichtsinnig Spiritus darauf schüttet. „Hehehehe, das gibt eine Stichflamme!“ – Schwupps – springt er wieder in sein Versteck.
In dem Moment kommt Seppl auch schon mit der Flasche Spiritus und hofft, mit der leicht brennbaren Flüssigkeit das Feuer anständig zum Lodern zu bringen. Er schraubt den Deckel von der Flasche ab und will die Kohlen erst einmal mit dem Spiritus tränken, bevor er mit einem Streichholz die Flüssigkeit entzündet. Aber das muss er sich ja erst von Kasperl geben lassen. Seppl schüttet einen Schwupps Spiritus auf die Kohlen und sofort gibt es einen mächtigen Rumms, es knallt, knattert, zischt und eine riesige Stichflamme entsteigt dem Grill! – Einige Flammenzungen schlagen aus dem Grill hinaus und springen in die Wiese, die an manchen Stellen sofort Feuer fängt. Das gefällt dem kleinen Feuerteufel Fizzliputz, sich lachend in seinem Versteck über das Feuer freut! –
Der laute Knall und das Zischen haben Kasperle alarmiert, der sofort herbei geeilt kommt. Auch die Gretel hat es gehört und kommt angerannt. „Da sieh, Kasperle“, ruft sie entsetzt, „unsere Wiese brennt!“ Kasperl zieht Seppl schnell aus dem Feuerkreis heraus und vom brennenden Grill weg. Kleinlaut sagt Seppl: „Ich – ich kann nichts dazu! – Ich hab gar nichts gemacht! – Ich – ich hab doch nur etwas Spritzitus auf die Kohlen gegossen!“ Inzwischen breitet sich das Feuer immer weiter in der Wiese aus. Da kann nur noch die Feuerwehr helfen! – Kasperl schickt die Gretel ins Haus und bittet sie, schnell die Feuerwehr anzurufen. Doch – wahrscheinlich vor lauter Aufregung – weiß die Gretel die Telefonnummer nicht! – Kasperl wundert sich, denn er kann sich nicht vorstellen, dass man die wichtige Nummer der Feuerwehr nicht kennt. Er ruft Gretel zu: „Eins – eins – zwei, also 112, Gretel!!!
Doch bevor Gretel das Haus und das Telefon erreicht, kommt der gute Wind Roby angerauscht und bläst das lodernde Feuer auf der Wiese und im Grill aus mit einem kräftigen Windstoß ruck-zuck aus! – „Danke! – Danke! – Guter Wind Roby!“, ruft ihm Gretel zu. – Der Wind Roby hat natürlich seinem Freund Kasperle gern geholfen, denn bis die Feuerwehr gekommen wäre, hätte vielleicht die ganze Wiese und noch mehr in Flammen gestanden. Dem Seppl aber ruft er zu, die mehr mit leicht entzündlichen Flüssigkeiten, wie Spiritus oder Benzin zu hantieren, denn Beides gehört nicht in Kinderhände! – Kasperl bedankt sich auch beim guten Wind Roby und schimpft Seppl. Denn dieser hat wirklich Glück gehabt, dass ihm die Spiritusflasche nicht gleich aus der Hand geflogen ist, sonst hätte das Feuer zum Unglück auch noch seine Kleider und ihn selbst erwischt. Seppl verspricht, nie mehr so ein gefährliches Zeug in die Hand zu nehmen. Der gute Wind Roby hofft, Seppl hält sich wirklich daran, denn wenn Kinder mit dem Feuer spielen, ist der Feuerteufel Fitzliputz immer in der Nähe und treibt seinen Schabernack mit ihnen. – Und nicht immer ist zufällig der gute Wind Roby zur Stelle, der sofort helfen kann! – Seppl bedankt sich noch einmal bei Roby für die Rettung und mit einem heftigen Windstoß zischt der Wind Roby weiter über das Land.
Bevor noch etwas passiert, schlägt Gretel vor, die Bratwürste doch lieber in der Pfanne zu braten. Das ist nicht so gefährlich!
Ihr, liebe Kinder, habt sicher schon längst zu Abend gegessen und liegt in Euerer Heia! – Aber, wenn Ihr Euerem Papa einmal beim Grillen helft, dann Hände weg von Spiritus und Benzin, denn man kann das Grillfeuer auch mit ungefährlichen Mitteln entzünden.

Nun schlaft gut und träumt was Schönes! – Eine gute Nacht und endlich schönes Wetter wünschen Euch, die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!

Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)