Viele Kinder veranstalten in der Faschingszeit ihren eigenen, kleinen Kinderfaschingsball zuhause im Wohnzimmer. Kasperl, Gretel und Seppl haben das mit ihren Freunden auch schon gemacht. Dazu hatten sie auch das Zwergensöhnchen Pimperle eingeladen. Dem kleinen Zwerg hat diese Faschingsgaudi mit den vielen Kindern so gefallen, dass er beschlossen hat, so einen Hausfaschingsball im Zwergenhaus auch einmal zu machen. Dazu hat er alle Zwerge aus dem Märchenwald und natürlich auch Kasperle eingeladen.
So hat sich Kasperle heute auf den Weg in den Märchenwald gemacht, um beim Zwergenfasching dabei zu sein. Seine Großmutti hat extra kleine Faschingskrapfen gebacken und ihm die Tüte für Pimperle und seine Gäste mitgegeben.
Mit dieser Tüte voller Zwergen-Krapfen ist Kasperle nun beim Zwergenhaus angekommen und klopft feste an die Tür, da aus dem Zwergenhaus schon eine mächtige Stimmung und viel Lärm zu hören ist. „Hallo, Pimperle, Kasperle ist hier!“, ruft er, um zusätzlich auf sich aufmerksam zu machen. Pimperle öffnet ihm die Tür und freut sich riesig, dass Kasperl seiner Einladung gefolgt ist. Unüberhörbar ist im Zwergenhaus der Zwergenfasching schon voll im Gang! – Kasperle übergibt Pimperle die Tüte mit den kleinen Faschingskrapfen von seiner Großmutti und dann muss sich Kasperle ganz klein machen und auf allen Vieren in das kleine Zwergenhaus krabbeln, da es für ihn ja eigentlich viel nu niedrig ist. Pimperle freut sich über die Krapfen und beschließt, dass er diese später zum Kakao servieren wird. Doch erst einmal räumt er die Krapfentüte in die Zwergenküche, denn mit seinen Zwergenfreunden macht er gerade ein paar lustige Spiele, bei denen Kasperle natürlich auch gleich mitmachen soll. Allerdings kann Kasperle hierbei auch nur Herumlaufen wie ein Hündchen auf vier Beinen, was gar nicht so einfach ist. –
Unter die kleinen Gäste hat sich auch ein Zwerg gemischt, der sich Rotmütze nennt. Doch, weil er sich verkleidet hat, bemerkte niemand, dass es sich eigentlich um den bösen Zwerg Graubart handelt. So konnte er sich unerkannt unter die Faschingszwerge mischen. Denn er war sich sicher, dass es bei diesem Zwergenfasching bestimmt auch leckere Sachen zum Essen gibt. Um das zu erkunden, hat er sich während der Spielestunde heimlich aus dem Zwergenwohnzimmer in die Küche davon geschlichen und will einmal nachsehen, was es Feines zum Essen gibt. Sofort entdeckt er die Tüte mit den herrlichen, kleinen Faschingskrapfen. Sie riechen so gut und sehen so herrlich aus, dass er beschließt, alle alleine aufzuessen, so dass die anderen keinen einzigen davon abbekommen. Da kommt ihm eine Idee: Einen der leckeren Krapfen isst er auf der Stelle auf und die anderen steckt er in sein Zwergensäckchen, so hat er bis zum Faschingsende noch jeden Tag genügend Faschingskrapfen. Den Sack versteckt er einstweilen unter dem Küchentisch, damit ihn niemand findet. Dann schleicht er sich wieder unbemerkt ins Wohnzimmer und spielt weiter mit, damit niemand merkt, dass er der Krapfendieb war. Irgendwann will er dann unbemerkt mit seinem Sack aus dem Zwergenhaus verschwinden.
So spielen die Zwerge und Kasperle noch eine ganze Weile miteinander und haben viel Spaß. Doch irgendwann verspürt Pimperle ein Hungergefühl und meint, es wäre Zeit etwas zu Essen. Er will in der Küche für alle den Kakao heißmachen und dazu die Faschingskrapfen von Kasperls Großmutter auf den Tisch stellen. Als Pimperle die Krapfen aus der Tüte auf einen Teller schlichten will, muss er feststellen, dass die Tüte völlig leer und nur noch Luft darin ist. Sofort ruft er Kasperle herbei und fragt ihn, ob er die Krapfen inzwischen aufgegessen hat. Aber Kasperle versichert ihm, dass er sein Gastgeschenk doch niemals selbst aufessen würde. Kasperle kann sich auch nicht erklären, wo die Krapfen aus der Tüte hingekommen sein könnten. Dann entdeckt er aber viele Krapfenbrösel auf der Tischplatte und verfolgt diese Spuren. Und diese Spuren führen direkt unter den Küchentisch. Pimperle bückt sich hinunter und entdeckt unter dem Tisch den Huckepacksack von Zwerg Graubart. Er wundert sich, wie der hierher kommt. Denn erstens hat er den bösen Zwerg absichtlich nicht eingeladen und zweitens hat er ihn auch bisher in seinem Zwergenhaus nicht gesehen.
Da erklingt plötzlich eine geheimnisvolle Melodie und unter Rauch und leisem Donnergrollen erscheint der Zwergenkönig. Er erklärt Pimperle, dass Zwerg Graubart doch unter seinen Gästen ist. Nur hat er sich als Zwerg Rotmütze verkleidet, so dass ihn Pimperle nicht erkannt hat. Auch Kasperle kennt den Zwergenkönig Puck sehr gut, denn er hat ihm auch schon sehr oft geholfen. So fragt er ihn: „Lieber Zwergenkönig Puck, was sollen wir jetzt tun? Die Krapfen meiner Großmutti sind ja nun wohl völlig ungenießbar, weil sie Graubart alle in seinen schmutzigen Huckepacksack gesteckt hat!“
Weil der Zwergenkönig Puck bei Kasperle sowieso einiges gut zu machen hat, kommt ihm eine Idee. Erst einmal will er dem bösen Zwerg einen Streich spielen und spricht einen Zauberspruch:
„Krapfen in Graubart’s Säckelein,
sollen schwarze Kohlen sein!“
In der Zwergenküche blitzt und donnert es und die Krapfen haben sich in Kohlen verwandelt.
Kasperl muss jetzt schon lachen, wenn er daran denkt, wenn Graubart die schwarzen Kohlen statt der leckeren Krapfen in seinem Sack vorfindet. Alle Drei verstecken sich in der Küche und wollen abwarten, bis Graubart kommt, um sich mit dem Sack voll Kohlen davon zu schleichen.
Es dauert auch nicht lange, da spitzt Graubart auch schon zur Küchentür herein. Er denkt, die Luft ist rein, schnappt sich seinen Sack und will damit zum Fenster hinaus springen. Natürlich ist der Sack voll Kohlen ganz schön schwer, doch Graubart vermutet, dass die Krapfen nur so schwer sind, weil vielleicht sehr viel Marmelade darin ist. Mit aller Mühe schleift er den Sack zum Fenster, wirft ihn unter großem Kraftaufwand hinaus und schleppt ihn davon. Aber, er ist sich sicher, die Plage lohnt sich. Alle paar Meter muss er Pause machen und verschnaufen. Schließlich hat er dafür die nächsten Tage jede Menge feiner Faschingskrapfen. So entfernt er sich zwar langsam, aber Schritt für Schritt vom Zwergenhaus.
Pimperle ist allerdings nun sehr traurig! – Der Zwergenkönig hat dem bösen Graubart zwar eine Lektion erteilt, aber er hat für seinen Zwergenfasching keine Faschingskrapfen mehr, obwohl sich alle anderen Zwerge schon so sehr auf die selbst gebackenen Krapfen von Kasperls Großmutti gefreut haben.
Doch auch da will der Zwergenkönig helfen und für Ersatz sorgen. Er kann auch dies, ganz einfach mit einem Spruch:
„Der Tisch soll schnell voll Krapfen sein,
wie von Kasperls Großmutter, gut und fein!“
Wieder wird es kurz dunkel, es blitzt und donnert. – Und siehe da: Auf dem Tisch liegt ein ganzer, großer Berg kleiner Faschingskrapfen.
Pimperle ist begeistert und bedankt sich beim Zwergenkönig Puck. Er schlichtet die Krapfen mit Kasperle auf zwei große runde Plastikteller, die sie dann ins Wohnzimmer bringen wollen, wenn der Kakao heiß ist. Sicher werden die Krapfen allen Zwergen gut schmecken.
Ihr, liebe Kinder, esst Faschingskrapfen bestimmt auch sehr gerne, stimmt’s? – Aber bitte nicht vor dem Schlafengehen, damit ihr nachts kein Bauchweh bekommt. Euch soll es ja am Faschingsendspurt nicht schlecht sein, sondern ihr sollt viel Spaß und Freude dabei haben. Schließlich müsst ihr ja wieder ein ganzes Jahr darauf warten, bis es soweit ist.
Denkt daran, auch wenn man im Fasching manchmal übermütig ist. Ihr sollt die närrischen Tage gesund und fit erleben. Und damit ihr für den Faschingsendspurt fit seit, geht heute bald ins Bett und morgen maskiert Ihr Euch und stürzt Euch in den Faschingstrubel!
Also kriecht jetzt in Euere Krapfen – äh – Euere Betten und schlaft gut!
Eine gute Nacht, schöne Faschingsferien und viel Spaß im Fasching wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!
Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)






